Kreative Therapien

Immer mehr Psychologen und Mediziner beschäftigen sich mit der heilsamen Wirkung von Malerei, Musik oder Tanz. Sie nutzen die natürliche Kreativität ihrer Patienten, um deren seelische Leiden zu lindern. Aber auch bei Beschwerden wie zum Beispiel Herzrhythmusstörungen oder Rückenschmerzen helfen die kreativen Therapien.

Welche Kreativen Therapien gibt es?

"Lassen Sie es malen", sagen Therapeuten oft, wenn sie ihre Klienten auffordern, ihr Bild zu beginnen. Denn in der Kunsttherapie geht es nicht darum, Gegenstände genau abzuzeichnen oder ein Bild nach dem "Goldenen Schnitt" anzulegen. Ziel ist, Gefühle und Erlebnisse unmittelbar in Formen und Farben auszudrücken. Das gelingt am besten, wenn man sich vorher ein paar Minuten lang entspannt und eingestimmt hat. Die Therapeutin fordert die Teilnehmer zum Beispiel auf, sich eine Szene aus ihrem Leben vorzustellen, sie vor dem inneren Auge ablaufen zu lassen und einen Ausschnitt auszusuchen, den sie dann zeichnen oder malen wollen. Dann kommen die Motive ganz von allein. Meist wird mit Wachskreiden auf großen Papierbögen gearbeitet. So kann man auch weit ausholen, ohne dass der Rand des Papiers die Bewegung stoppt. Beim Malen und auch später, wenn man sich das fertige Bild ansieht und darüber spricht, erlebt man belastende Situationen noch einmal, verdrängte Gefühle kommen hoch. Das kann schmerzhaft sein, hilft aber bei der Verarbeitung.

Diese Dinge wusstet ihr bestimmt noch nicht über euren Bauchnabel

Musiktherapie

Der Begriff führt etwas in die Irre. Man braucht nämlich weder ein Instrument zu beherrschen noch Noten zu lesen. Gearbeitet wird mit allen möglichen Gegenständen, die Geräusche hervorbringen können: Trommeln, Holzstäbe, eine mit Wasser gefüllte Schüssel, eine zerknüllte Zeitung, einfache Flöten - all das ist zum Beispiel geeignet, um in einer Gruppe ein "Panorama" zu erarbeiten: Eine Teilnehmerin schildert den anderen ein Ereignis aus ihrem Leben, das dann unter ihrer Anleitung mit Klängen wie zum Beispiel Gongschlägen, Rascheln oder Wasserplätschern gemeinsam dargestellt wird. Das "Nacherleben" der Situation von damals hilft bei der Verarbeitung. Auch das bloße Hören von Musik kann heilsam wirken. 

Tanztherapie

Mit dem Fuß aufstampfen, sich hinhocken und erst einmal sitzen bleiben, "Faustschläge" in die Luft austeilen - alles ist "erlaubt" und "richtig", wenn es darum geht, Gefühle in Bewegungen umzusetzen. Tanztherapie hat mit Walzer oder Samba nichts zu tun. Oft wird für die Arbeit nicht einmal Musik gebraucht. Denn bei einer tanztherapeutischen Übung soll jede Teilnehmerin ihren Rhythmus selbst bestimmen und allein entscheiden, ob sie große oder kleine, schnelle oder langsame Bewegungen machen will. Wie die anderen Therapien auch kann Tanztherapie zum Beispiel helfen, Ängste und depressive Verstimmungen zu mildern.

Aber auch die Bewegung selbst hat einen wohltuenden Effekt: Ähnlich wie nach einem lockeren Jogging-Lauf oder ein paar Runden Schwimmen fühlt man sich wohlig müde, aber auch angeregt.

Schreibtherapie

"Telegraphenmasten - die Straße führt bis zu den Sternen. Das Zählen - ich habe es vergessen."

Diese Zeilen stammen von einer Frau, die früher nie Gedichte geschrieben hat. Sie war Teilnehmerin eines Seminars über Meditatives Schreiben bei dem Psychotherapeuten Hilarion Petzoldt. Natürlich ist ihr dieser Text nicht gleich in der ersten Stunde gelungen. Aber darum geht es gar nicht. Auch Schreibtherapie hat vor allem den Sinn, sich selbst und dem eigenen Leben näherzukommen. Das kann auf ganz verschiedene Arten geschehen. Ein paar Beispiele: Begriffe notieren, die man mit bestimmten Situationen oder Erlebnissen in Zusammenhang bringt. Träume aufschreiben. Erlebnisse schildern, wie man es in einem Tagebuch tun würde. Schreibtherapeuten setzen ihre Klienten nicht unvermittelt vor ein leeres Blatt Papier, sondern helfen ihnen, sich einzustimmen, zum Beispiel mit Körper- oder Meditationsübungen oder auch durch das Arbeiten mit einer anderen Ausdrucksform wie zum Beispiel Malen, Musik oder Bewegung. Zur Therapie gehört auch, über die Texte und die Gefühle beim Schreiben zu reden.

Werden kreative Therapien von den Krankenkassen bezahlt?

In der Regel nicht. Kreative Therapien werden von den Krankenkassen nur dann bezahlt, wenn sie als Bestandteil einer anderen, von der Kasse finanzierten Behandlung angewendet werden (z.B. Klinikaufenthalt).

Info

Die Europäische Akademie für psychosoziale Gesundheit (EAG) Kühlwetterstr. 49, 40239 Düsseldorf verschickt Informationsmaterial sowie Adressen niedergelassener Therapeuten. 1,53 Euro in Briefmarken beilegen.

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