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Krebsfrüherkennung Diese Tests sind wichtig

Krebsfrüherkennung: Arztschreibtisch von oben
© Stokkete / Shutterstock
Seit Beginn der Pandemie sind weniger Menschen zur Krebsvorsorge gegangen. Dabei ist die entscheidend im Kampf gegen die Krankheit. Die Lage im Überblick – und welche Untersuchungen für wen empfohlen sind.

Eigentlich ist die Lage für Krebspatient:innen so gut wie nie: Die Medizin hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, viele Betroffene können mittlerweile geheilt werden oder zumindest lange gut mit der Diagnose leben. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Erkrankung so früh wie möglich entdeckt wird. Und genau da hat es sich sozusagen ein bisschen verdüstert. Schon im ersten Lockdown warnte die Corona-Taskforce aus Deutschem Krebsforschungszentrum, Deutscher Krebshilfe und Deutscher Krebsgesellschaft: Weil Menschen aus Sorge vor Ansteckung oder davor, das Gesundheitssystem zu belasten, seltener zu Früherkennungsuntersuchungen oder zur Abklärung von Auffälligkeiten gehen, könnten Krebserkrankungen zu spät diagnostiziert werden.

Seltene Entdeckungen von Krebsvorstufen, dafür mehr invasive Karzinome 

Inzwischen gibt es Zahlen, die das belegen. Etwa von der Barmer Thüringen: Im zweiten Quartal 2020 nahmen im Vergleich zum Vorjahr nicht mal halb so viele Versicherte den "Check-up 35" wahr, gynäkologische Früherkennungsuntersuchungen gingen um 15 Prozent zurück, die für Darmkrebs um 40 Prozent. Und das hat Folgen: "Momentan berichten viele Kolleginnen und Kollegen, dass sie mehr Karzinome im fortgeschrittenen Stadium sehen", sagt PD Dr. Dorothee Speiser vom Zentrum Familiärer Brust- und Eierstockkrebs der Charité in Berlin. Das gelte etwa für Gebärmutterhals- und Darmkrebs, aber auch für bösartige Erkrankungen der Brust. "Für unser Zentrum können wir diese Entwicklung noch nicht belegen. Es scheint eine Tendenz zu geben, dass wir seltener Vorstufen sehen, die ja häufig im Mammografie-Screening entdeckt werden, und dafür etwas mehr invasive Karzinome. Aber noch fehlen uns dafür eindeutige Zahlen."

Was Speiser aber bestätigen kann, ist die größere Verunsicherung bei den Patientinnen. "Unsere Psychoonkologin hat deutlich höheren Zulauf, und schon im Vorfeld von Diagnose und Behandlung haben wir wesentlich mehr Nachfragen, etwa zum Ablauf und Infektionsschutz. Es ist gut vorstellbar, dass diese Verunsicherung durch die Pandemie noch mehr dazu beiträgt, dass Menschen gar nicht erst zu Untersuchungen kommen."

Denn obwohl die Angst an Krebs zu erkranken, Umfragen zufolge groß ist, nahm schon vor der Pandemie im Schnitt nur jede:r Zweite die empfohlenen Früherkennungsuntersuchungen wahr. Mit sinkender Tendenz: Laut einer Auswertung der KKH Berlin verringerte sich der Anteil der weiblichen Versicherten, die zur Brust- und Gebärmutterhalskrebsvorsorge gehen, zwischen 2009 und 2019 sogar um 15 Prozent.

Angst vor Krankheiten

"Wir müssen die Prävention auf jeden Fall noch deutlich stärken", sagt Medizinerin Dorothee Speiser. "Verunsicherung und Angst durch die Pandemie, Untersuchungen wahrzunehmen, sind dabei natürlich sehr hinderlich. Von unseren Patientinnen höre ich zum Beispiel häufig, sie hätten Angst ihre Brust abzutasten, weil sie eventuell beunruhigende Auffälligkeiten spüren könnten. Auch mit dem Gedanken, ob es eine familiäre Belastung geben könnte, beschäftigen die meisten sich erst, wenn sie selbst oder ein nahes Familienmitglied erkrankt sind. Wir müssen Menschen schon im gesunden Zustand aktivieren und empathisch unterstützen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Da ist noch sehr viel Luft nach oben – bei Frauen und noch viel mehr bei Männern."

Fahrplan Früherkennung

Diese Untersuchungen sind empfohlen und werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen:

Gebärmutterhalskrebs

Ab 20 Jahren Anspruch auf jährliche Untersuchung der inneren und äußeren Genitalien inklusive Zellabstrich (Pap-Test). Seit Anfang 2020 erhalten Frauen ab 35 statt des jährlichen Pap-Tests alle drei Jahre eine Kombination aus Pap-Abstrich und HPV-Test (HPV steht für Humane Papillomviren). Gebärmutterhalskrebs entsteht fast immer aus Gewebeveränderungen nach einer länger zurückliegenden Infektion mit diesen Viren, die beim Sex oder durch Hautkontakt im Intimbereich übertragen werden. Ein positiver HPV-Test weist auf ein erhöhtes Krebsrisiko hin; dann erfolgen weitere Untersuchungen wie etwa eine Scheidenspiegelung (Kolposkopie).

Brustkrebs (Frauen)

Ab 30 Jahren Anspruch auf jährliche Untersuchung, meist bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt. Zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre Einladung zum Mammografie-Screening, also der Röntgenuntersuchung der Brust.

Hautkrebs

Ab 35 Screening alle zwei Jahre, zum Beispiel bei Hautärztin oder Hautarzt oder im Rahmen des allgemeinen Check-ups in der allgemeinmedizinischen Praxis. Manche Krankenkassen zahlen das Screening schon früher, zum Beispiel bereits ab 20 Jahren oder noch früher.

Darmkrebs

Zwischen 50 und 54 Anspruch auf eine Stuhluntersuchung auf nicht sichtbares Blut pro Jahr (Information und Ausgabe der Tests durch Haus- oder Fachärztin bzw. -arzt), ab 55 bis 75 alle zwei Jahre, wenn man sich gegen eine Darmspiegelung entscheidet. Diese ist zweimal im Abstand von mindestens zehn Jahren möglich: für Frauen ab 55, für Männer wegen ihres höheren Risikos schon ab 50. Ab 50 im Abstand von fünf Jahren (und insgesamt viermal) schriftliche Einladung zu einem Beratungsgespräch, um über Vorteile und Risiken der verschiedenen Untersuchungen aufzuklären.

Prostatakrebs

Ab 45 jährliche Tastuntersuchung der Prostata vom Enddarm aus.

Und über die Kassenleistung hinaus?

Zusätzlich zu den Untersuchungen, die die Kassen übernehmen, werden andere auch als Selbstzahlerleistung (IGeL) angeboten: Für Frauen besonders häufig etwa ein Ultraschall der Eierstöcke. Laut IGeL-Monitor hilft dies allerdings nicht, Tumore frühzeitig zu erkennen. Weitere Infos (auch zu anderen Früherkennungsuntersuchungen) auf igel-monitor.de. 

Ebenfalls gut zu wissen

Früherkennungsuntersuchungen helfen zwar, Tumore oder Vorstufen zu entdecken, sind jedoch auch mit Risiken und Nachteilen verbunden. Informationen als Entscheidungshilfe gibt es von den Krankenkassen.

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18/ 2021 Brigitte

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