Krebsmythen auf dem Prüfstand

Brustkrebs durch BHs. Durch Deos. Durch Abtreibung. Horrormeldungen wie diese tauchen immer wieder auf. Wir stellen einige populäre Mythen und Halbwahrheiten richtig.

Krebs - eine Diagnose, vor der viele Frauen Angst haben. Deshalb achten wir darauf, genug Gemüse zu essen und nicht zu viel Fleisch, versuchen immer wieder, uns das Rauchen abzugewöhnen, gehen regelmäßig zur Vorsorge beim Frauenarzt. Und doch kommt sie immer wieder hoch - die Unsicherheit: Ist es wirklich okay, dies oder jenes zu tun? Oder setzen wir damit völlig unnötig unsere Gesundheit aufs Spiel, riskieren es, später einmal schwer krank zu werden?

Ruckzuck geraten wir in ein Geflecht aus Ängsten, Halbwahrheiten und offenen Fragen. Dagegen hilft nur eines: Wissen. Die folgenden Zusammenhänge sind inzwischen so gut erforscht, dass Forscher Entwarnung geben. Das Krebsrisiko ist hier mit sehr hoher Sicherheit ein Märchen.

Abtreibung löst Brustkrebs aus

Abtreibung erhöht das Brustkrebs-Risiko! Es ist schon ein paar Jahre her, dass diese Schreckensmeldung durch die Medien geisterte. Trotzdem hält sich die Meinung hartnäckig - vermutlich nicht zuletzt, weil sie Wasser auf die Mühlen der Abtreibungsgegner ist.

Tatsächlich lagen damals Daten vor, denen zufolge Brustkrebspatientinnen besonders oft abgetrieben hatten. Offenbar steckt ein statistischer Zufall dahinter - ein Zusammenhang zwischen Abtreibung und Brustkrebs ließ sich nie feststellen. Schließlich bedeutet es ja auch noch lange nicht, dass es den Klapperstorch gibt, nur weil in einem Dorf mit vielen Storchennestern auf den Dächern besonders viele Kinder geboren werden. Auch gab es Zweifel an der Qualität der Auswertung.

Mehrere große Studien haben seitdem die Vermutung widerlegt, dass Schwangerschaftsabbrüche Brustkrebs fördern, darunter die E3N-Studie von 2003, die auf den Daten von 100.000 Frauen zwischen 40 und 65 beruht.

BHs verursachen Brustkrebs

Brustkrebs durch zu enge BHs? Das klingt nicht nur absonderlich, sondern ist zum Glück auch aus der Luft gegriffen. Die gewagte These: Der BH klemme die Lymphbahnen ab, so dass Stoffwechselschlacken nicht aus der Brust geschwemmt werden können. Dass dies medizinisch gesehen Unsinn ist, hat die Verbreitung des Gerüchts nicht behindert.

Eine mögliche Erklärung, wie es zu der Räuberpistole gekommen sein könnte: Frauen mit sehr großen Brüsten - die ja auch schon früh beginnen, einen BH zu tragen - haben häufig auch Übergewicht. Und zu viele Pfunde erhöhen das Brustkrebsrisiko. Auch lassen sich Knoten in sehr großen Brüsten schwerer ertasten.

Deos lösen Brustkrebs aus

Die Angst kommt per Kettenbrief: Deoroller verursachen Brustkrebs - Mails mit diesem Inhalt kursieren schon seit einer ganzen Weile im Internet. Wissenschaftlich ist das nicht belegt: Weder müssen wir schwitzen, um Schadstoffe aus dem Körper zu leiten, noch wirken Deos auf Gene oder Hormone, die das Brustkrebsrisiko bestimmen. Bestandteile der Schweißstopper werden zwar in die Haut aufgenommen und können manchmal bei einer Mammografie der Brust zu sehen sein. Mit Brustkrebs hat das aber nichts zu tun.

Die Angst vor dem Krebs-Deo flammte neu auf, als man in Brustkrebs-Tumoren Konservierungsstoffe fand, wie sie auch in Deos enthalten sind - so genannte Parabene. Die Forscher betonten aber, es gebe keinen Grund zu glauben, dass der Krebs dadurch ausgelöst wurde. Die Stoffe finden sich auch im Gewebe gesunder Frauen.

Kartoffeln und Tomaten schaden Krebspatienten

Finger weg von Tomaten und Kartoffeln! Diesen Rat hören Krebspatienten immer wieder. Begründung: Die Nachtschattengewächse seien giftig für Krebspatienten und ließen den Tumor schnell wachsen. Auch hier steckt mal wieder eine Halbwahrheit dahinter: Tatsächlich produzieren Nachtschattengewächse Alkaloide, die schwach giftig sind. Krebs lösen sie aber nicht aus - und in reifen Tomaten und nicht ausgekeimten Kartoffeln ist der Stoff ohnehin nicht enthalten.

Andere Krebsdiäten fordern, auf Schweinefleisch, säurehaltige oder industriell verarbeitete Lebensmittel zu verzichten. Wissenschaftlich fundiert ist aber nichts von alledem.

Bei einer Operation breitet sich der Tumor noch weiter im Körper aus

Ein Schnitt in den Tumor und die Krebszellen quellen heraus, verteilen sich im Körper und bilden Metastasen - eine grässliche Vorstellung. Bei den meisten Krebsarten verhindert aber die körpereigene Abwehr, dass die verstreuten Zellen anderswo andocken und weiterwuchern können.

Es gibt einige wenige Krebsarten, bei denen aus verstreuten Zellen Metastasen entstehen können. Hier sorgen moderne Operationsmethoden und strenge Richtlinien dafür, dass Tumorzellen und gesundes Gewebe nicht miteinander in Kontakt kommen.

Manche Krebsarten sind ansteckend

Krebs kann durch Viren entstehen - spätestens seit der Debatte um die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs dürften das viele Frauen wissen. Und schon klopft sie wieder an, die Angst: Kann ich mich anstecken?

Fakt ist: Egal ob Händedruck oder vertauschte Tassen: Im Alltag muss niemand Angst haben, sich bei einem Krebskranken anzustecken. Auch kann man kranke Angehörigen oder Freunde bedenkenlos pflegen.

Nur bei 15 Prozent aller Krebsfälle weltweit spielen Viren überhaupt eine Rolle; in Industrienationen ist der Anteil noch sehr viel geringer, weil es weniger Infektionen gibt. Und auch bei den wenigen Krebsarten, bei denen Virusinfektionen das Risiko erhöhen können, sind sie nie der alleinige Auslöser.

So können zwar HPV-Viren, die zu Gebärmutterhalskrebs beitragen können, beim Sex von einem Menschen auf den anderen übertragen werden. Man schätzt, dass weit mehr als die Hälfte aller Frauen mit HPV-Viren in Kontakt kommt. Aber nur ein Bruchteil, jedes Jahr etwa 6500 Frauen in Deutschland, entwickelt Gebärmutterhalskrebs.

Text: Angelika Unger Foto: 106313/photocase.com

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