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Lungenkrebs


Lungenkrebs galt lange als Männerkrankheit. Doch immer häufiger trifft diese Diagnose auch Frauen. Denn sie reagieren empfindlicher auf Zigarettenrauch.

Wir fragten Professor Peter Drings von der Universität Heidelberg, warum das so ist.

Brigitte.de: Warum bekommen heute ein Drittel mehr Frauen Lungenkrebs als vor zehn Jahren?

Prof. Peter Drings: Das liegt unter anderem daran, dass seit den siebziger Jahren auch Frauen immer häufiger rauchen. Und wir wissen: Wenn mehr geraucht wird, steigt 20 bis 30 Jahre später in einer parallelen Kurve die Zahl der Lungenkrebskranken an. Schließlich ist Rauchen für fast 90 Prozent der Fälle verantwortlich. Die rund 50 krebserregenden Stoffe im Tabakrauch verändern die genetische Substanz in den Lungenzellen so, dass ein Tumor entstehen kann. Der Körper vermag diese Schäden nur bis zu einem gewissen Grad zu reparieren.

Klappt das bei Frauen schlechter als bei Männern?

Ja, das sind ganz neue Erkenntnisse. Der Reparaturmechanismus ist bei Frauen weniger effektiv. Die gleiche Menge Zigarettenrauch schadet ihnen also deutlich mehr als den Männern. Deshalb ist es besonders bedenklich, dass heute gerade junge Mädchen vermehrt rauchen.

Verläuft eine Lungenkrebs-Erkrankung bei Frauen anders als bei Männern?

Frauen haben eine geringfügig längere Überlebensdauer. Aber generell ist der Lungentumor eine der bösartigsten Krebsarten: Fünf Jahre nach der Diagnose lebt nur noch etwa jeder achte Patient. Im Gegensatz zu vielen anderen Krebserkrankungen ist diese Quote beim Lungenkrebs in den letzten 20 Jahren nahezu gleich geblieben.

Lässt sich die Früherkennung von Lungenkrebs verbessern?

Wir hoffen es und arbeiten an neuen Methoden. Leider macht die Krankheit im Frühstadium wenig Symptome, und Studien haben gezeigt, dass regelmäßige Untersuchungen nicht helfen. Bisher gibt es nur einen Weg: Rauchen Sie nicht und gehen Sie rauchenden Menschen aus dem Weg. In Deutschland sterben jährlich 300 bis 400 Menschen allein durch Passivrauchen an Lungenkrebs - und auch da sind Frauen gefährdeter.

Viele Frauen greifen zur Light-Zigarette. Ist sie das kleinere Übel?

Im Gegenteil. Light-Zigaretten sind im Geschmack leichter als normale Zigaretten und werden deshalb tiefer inhaliert. Dadurch gerät der Rauch bis in die feinen Randbereiche der Lunge, wo er den größten Schaden anrichtet. Außerdem rauchen Sie von den Leichten mehr, um Ihr Nikotin-Bedürfnis zu befriedigen.

Lohnt es sich nach einer langen Zeit als Raucherin überhaupt noch aufzuhören?

Wenn eine Frau aufhört, die jahrelang 20 Zigaretten am Tag geraucht hat, ist ihr Krebsrisiko nach zehn Jahren nur noch zweimal statt zehnmal höher als bei einem Nichtraucher. Es lohnt sich also immer. Und selbst weniger zu rauchen, rauchfreie Tage oder Wochen bringen etwas: Jede Zigarette, die nicht angezündet wird, mindert das Risiko.

Interview: Julia Baumgart

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