Migräne, Blasenentzündung & Co.: Krankheiten, die Frauen nerven

Es sind keine schweren Krankheiten, aber mehr als nur Befindlichkeiten. Sie kommen immer wieder, meist völlig unpassend: Migräne, Blasenentzündung & Co. So wappnen wir uns.

Die Kollegin hatte am Wochenende Migräne, die Freundin erzählt in der Mittagspause von der Blasenentzündung, die ihr den Urlaub vermiest hat, und die Nachbarin macht abends die Tür nicht auf, weil sie PMS hat und sich komplett daneben fühlt. Ein ziemlich typischer Tag im Leben typischer Frauen. Warum haben Männer eigentlich kaum derartige Probleme? Gesundheitlicher Nervkram, der den Alltag durcheinanderbringt und meistens kommt, wenn man ihn am wenigsten braucht?

Nun ja - es gibt nun mal Krankheiten, die nur Frauen betreffen; meist, weil ihr Körperbau schlicht anders ist oder weil die Hormone ein Wörtchen mitzureden haben. Aber niemand ist den fünf großen Nervensägen hilflos ausgeliefert: Das sollten Sie über Vorbeugung wissen - und darüber, was Sie im Ernstfall tun können.

Die Gemeine: Blasenentzündung

Ständig auf's Klo? Und dann tröpfelt es beim Wasserlassen nur und tut weh? Das sind Anzeichen für eine Blasenentzündung. Dabei entzündet sich das Gewebe, das die Harnblase von innen auskleidet. Zwei von drei Frauen haben einmal im Leben so eine Blasenentzündung, bei jeder dritten kommt die Infektion immer wieder.

Ursache dafür ist der weibliche Körperbau: Weil die Harnröhre mit vier Zentimetern viel kürzer ist als bei Männern, können Bakterien leichter die Harnblase erreichen und sich dort verbreiten. Solange sich die Blase nicht mehr als drei Mal pro Jahr entzündet, sprechen Ärzte von einem "unkomplizierten Harnwegsinfekt" - die Gefahr, dass die Entzündung auf die Nieren übergreift ist ziemlich gering. Normalerweise ist Urin steril - also sind auch in der Harnblase keine Bakterien. Gelingt es ihnen aber, hineinzukommen, können sie sich dort vermehren und das Gewebe entzünden.

Und was ist an Omas Warnung dran, dass kalte Füße oder zu kurze Röcke zu einer Blasenentzündung führen? Ohne Bakterien keine Entzündung. Allerdings kann Kälte die Abwehr schwächen, dann haben es die Bakterien leichter. "Gerade bei jungen Frauen gibt es auch einen Zusammenhang mit Sex", sagt Dr. Margret Claassen, Frauenärztin und Psychotherapeutin in Hagen und Sprecherin im Arbeitskreis Frauengesundheit. Das ist oft auch der Grund, warum eine Blasenentzündung gern im Urlaub kommt - weil man dort oft einfach mehr Sex hat als im Alltag: Blasenentzündung wird deshalb auch als "Honeymoon-Zystitis" bezeichnet.

Wie kann man vorbeugen? Viel trinken - mindestens zwei Liter am Tag - und beim Wasserlassen die Blase möglichst vollständig entleeren, sind wichtige Vorbeugungsmaßnahmen. "Man sollte sich immer, auch während der Arbeit, genug Zeit nehmen, um zu trinken und in Ruhe auf die Toilette zu gehen", sagt Margret Claassen.

Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass Cranberry-Saft oder Cranberry-Tabletten Blasenentzündung vorbeugen können, vor allem bei Frauen, die den Infekt häufig bekommen. Gegen eine Infektion beim Sex kann es helfen, nach dem Geschlechtsverkehr die Blase zu entleeren. Nach dem Stuhlgang sollte man den Po immer von vorne (Scheide) nach hinten (After) abwischen. Intimsprays und übertriebene Hygiene besser meiden, sie begünstigen eine Infektion ebenso wie Spermizid-Gels.

Wann zum Arzt? Wenn man Fieber, Rückenschmerzen oder Schmerzen in den Seiten hat, handelt es sich nicht mehr um einen harmlosen Infekt, dann sollte man auf alle Fälle zum Arzt, ebenso in der Schwangerschaft. Auch wenn die Beschwerden mit viel Trinken nach ein, zwei Tagen nicht verschwinden, wenn es sehr weh tut oder die Beschwerden ständig wiederkommen, ist ein Arztbesuch anzuraten. Wer öfter als drei Mal im Jahr eine Blasenentzündung hat, sollte sich besser zum Facharzt überweisen lassen - in diesem Fall ist das die Urologin.

Was hilft? Der Arzt prüft mit einem Teststreifen, ob Bakterien im Urin sind. Um die abzutöten, verschreibt er Antibiotika. Bei unkomplizierten Harnwegsinfekten reicht es, die Tabletten drei bis fünf Tage lang zu nehmen. Viel trinken hilft zusätzlich. Kommt die Infektion immer wieder, kann der Arzt eine längere Antibiotika-Therapie verschreiben. Gerade dann sind die vorbeugenden Maßnahmen aber zusätzlich besonders wichtig.

Die Stimmungskillerin: PMS

Die Tage vor den Tagen sind für viele Frauen eine echte Nervensache: Die Brüste schmerzen, im Rücken und im Bauch zieht es, und oft ist die Laune im Keller - manchmal fast bis zur Depression. Mindestens 150 verschiedene Symptome fassen Ärzte unter dem Prämenstruellen Syndrom (PMS) zusammen - Befindlichkeitsstörungen, die bis zu zwei Wochen vor der Regelblutung anfangen und mit Beginn der Blutung verschwinden. Experten schätzen, dass drei von vier Frauen irgendwann im Leben mit PMS zu tun haben - zum Glück trifft es nur wenige so schlimm, dass es den Alltag beeinträchtigt.

Zu häufigen Symptomen gehören Wassereinlagerungen, Abgeschlagenheit, Völlegefühl, Konzentrationsprobleme. Bis heute haben Wissenschaftler nicht herausgefunden, was genau es mit PMS auf sich hat und warum es manche trifft und andere völlig verschont bleiben. Zwar scheinen die Probleme mit der zyklischen Veränderung der Hormone zu tun zu haben - vermutet wird immer wieder ein Ungleichgewicht zwischen verschiedenen weiblichen Hormonen - Genaues aber weiß man bisher nicht. Margret Claassen hat in ihrer Praxis die Erfahrung gemacht, dass PMS manchmal einfach auftaucht und nach ein, zwei Jahren ebenso plötzlich wieder verschwindet.

Wie kann man vorbeugen? Es gibt keine wissenschaftlichen Belege, aber einen Versuch ist es wert: Der Verzicht auf Kaffee, Alkohol und salzhaltige Nahrungsmittel soll Symptome wie Wassereinlagerungen und Spannungsgefühl in den Brüsten lindern. Kohlenhydratreiche Ernährung hilft eventuell, die Stimmung zu stabilisieren. Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Laufen kann dazu beitragen, die Hormone ins Gleichgewicht zu bringen, Schmerzen zu reduzieren, und er sorgt ohnehin für psychische Ausgeglichenheit.

Auch Stressreduktion wird oft empfohlen, Yoga oder Entspannungsübungen sollen Kopfschmerzen und ängstlicher Stimmung entgegenwirken. Margret Claassen warnt aber davor, sich zu sehr unter Druck zu setzen: "Wenn Frauen ständig ein schlechtes Gewissen haben, weil sie sich weniger Stress machen sollen, erzeugt das selbst auch wieder Stress. Man kann Stress nun einmal nicht immer vermeiden."

Wann zum Arzt? PMS ist keine Krankheit im eigentlichen Sinn. Wer aber davon in alltäglichen Tätigkeiten eingeschränkt wird und mit Änderungen des Lebensstils nicht weiterkommt, sollte bei der Frauenärztin um Rat fragen. Bei Brustschmerzen oder sogar Knoten in der Brust - auch die können PMS-Symptome sein - rät Margret Claassen zu einer Abklärung beim Arzt, um auszuschließen, dass Brustkrebs dahintersteckt. Wenn die Beschwerden nicht im Takt des Zyklus kommen und gehen, können Stimmungs- und Gewichtsschwankungen auch durch eine Schilddrüsenfehlfunktion ausgelöst werden - das kann die Ärztin ebenfalls untersuchen.

Was hilft? Margret Claassen empfiehlt das pflanzliche Hausmittel Mönchspfeffer (Agnus castus), das es in der Apotheke frei verkäuflich gibt. "Bei den meisten Frauen hilft das ziemlich gut", meint die Expertin, es gebe kaum Nebenwirkungen - allerdings sollte man das Mittel ohne ärztliche Kontrolle nicht länger als sechs Monate am Stück einnehmen.

Gute Studienergebnisse existieren zur Einnahme von Kalzium und Vitamin B6: Wer täglich - nicht nur, wenn die Periode ansteht - zwischen 750 und 1000 mg Kalzium einnimmt, kann auf Linderung hoffen, ebenso, wer täglich 50 bis 100 mg Vitamin B6 nimmt. Bei Frauen, die ohnehin mit der Pille verhüten wollen, können die Symptome unter dem Einfluss der künstlichen Hormone auch verschwinden.

Bei Brustschmerzen kann die Ärztin Hormongels verschreiben, die gezielt auf die Brüste aufgetragen werden und vor allem dort wirken, bei starken Bauchkrämpfen oder Rückenschmerzen helfen Schmerzmittel, beispielsweise mit dem Wirkstoff Ibuprofen. Entwässerungsmittel können die Wassereinlagerungen wieder aus dem Körper schwemmen.

Die Zermürbende: Migräne

Der Kopf pocht, hämmert, schmerzt, man fühlt sich übel, erträgt kein Licht und schon gar keinen Lärm: typische Anzeichen von Migräne. Ein Anfall dieser wiederkehrenden Kopfschmerzattacken dauert zwischen vier und 72 Stunden, manche trifft es nur leicht, andere wirft es jedesmal so um, dass sie einige Tage nichts anderes tun als Warten, bis die Schmerzen endlich vorüber sind. Besonders lästig: Oft kommen die Attacken am Wochenende oder wenn eine besonders stressige Phase gerade vorbei ist und man sich eigentlich auf eine Auszeit freut.

Frauen haben deutlich häufiger Migräne als Männer: In Deutschland trifft es jede dritte Frau, meist im Alter zwischen 25 und 50 Jahren: "Man vermutet, dass weibliche Hormone eine Rolle spielen, denn vor der Pubertät haben Jungen und Mädchen etwa gleich häufig Migräne", sagt Peter Kropp, Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Rostock und Generalsekretär der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Aber auch eine unterschiedliche Schmerzwahrnehmung - Frauen reagieren empfindlicher auf Schmerzen als Männer - spielt wohl eine Rolle. Ob das biologisch bedingt ist oder ein unbewusst erlerntes Verhalten, ist noch unklar.

Das Gehirn von Migräne-Patienten scheint besonders empfindlich gegenüber Reizen aller Art zu sein: Das Denkorgan kann nicht abschalten und steht deshalb ständig unter Hochspannung. Wenn dazu noch starke äußere Reize - Stress, Übermüdung, Hormonveränderungen, Alkohol - hinzukommen, geraten die Botenstoffe im Kopf durcheinander. Durch eine Entzündungsreaktion versucht das Gehirn, wieder Ordnung zu schaffen - sorgt damit aber gleichzeitig für die pochenden Schmerzen.

Wie kann man vorbeugen? Um ihr Gehirn nicht zu überreizen, sollten Betroffene ihr Leben möglichst regelmäßig gestalten: auch am Wochenende immer um die gleiche Zeit aufstehen, geregelte Mahlzeiten einhalten, sich ausgewogen ernähren. Ausdauersport wie Joggen kann die Häufigkeit von Migräneattacken senken und macht sie weniger heftig. "Mindestens zwei Mal pro Woche sollte man wenigstens eine halbe Stunde ran, in gemächlichem Tempo, aber bis man richtig schwitzt", empfiehlt Peter Kropp.

Während akute Spannungskopfschmerzen durch Sport häufig besser werden, sollte man bei Migräne allerdings warten, bis der Anfall wieder vorbei ist. Wer beobachtet, wann die Migräne kommt, kann auch Auslöser vermeiden: bestimmte Lebensmittel wie Käse oder Wein, flackerndes Diskolicht oder Gerüche. Aber Achtung: Wer übervorsichtig auf die nächste Attacke lauert, kann die Schmerzen noch verstärken.

Wenn die Migräne mehr als drei Mal im Monat auftritt, sollte man über eine Prophylaxe nachdenken, empfiehlt Peter Kropp: Genauso effektiv wie Medikamente (eingesetzt werden häufig Betablocker, die die Wirkung bestimmter Stresshormone im Körper dämpfen) sind dabei Verfahren der Verhaltenstherapie wie Entspannungs- oder Stressbewältigungstraining oder Biofeedback, haben Studien belegt. Auch Akupunktur beugt vor.

Wann zum Arzt? Wenn man plötzlich heftige Kopfschmerzen hat, die man so noch nie hatte, sollte man auf alle Fälle zum Arzt gehen: Hinter solchen Kopfschmerzen kann im schlimmsten Fall auch eine schwere Erkrankung wie ein Hirntumor oder ein Schlaganfall stecken. Auch, wer zum erstenmal eine Migräne mit Aura - Sehstörungen, Kribbeln auf einer Körperseite oder Sprechstörungen - hat, sollte sofort beim Neurologen abklären lassen, ob es tatsächlich "nur" Migräne ist. Weil es sehr viele verschiedene Arten von Kopfschmerzen gibt, die alle unterschiedlich behandelt werden, empfiehlt Peter Kropp, einmal beim Neurologen untersuchen zu lassen, ob am Migräne-Verdacht wirklich etwas dran ist.

Was hilft? Im Akutfall helfen bei leichter bis mittelschwerer Migräne meist frei verkäufliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (1000 mg), Paracetamol (1000 mg) oder Ibuprofen (400 mg), am besten als Brausetablette. Der Arzt kann zusätzlich noch Medikamente gegen Übelkeit verschreiben. Aber Achtung: Schmerzmittel nur an maximal zehn Tagen im Monat einnehmen und die Dosis niemals überschreiten, sonst kann es zu medikamentenbedingten Dauerkopfschmerzen kommen. Bei mittelschwerer bis schwerer Migräne, die so stark ist, dass man zwei bis drei Tage ans Bett gefesselt ist, verschreibt der Arzt spezielle Schmerzmittel gegen Migräne, so genannte "Triptane", sie wirken direkt auf die entzündeten Blutgefäße des Gehirns.

Buchtipp: Ingrid Füller: "Kopfschmerzen und Migräne", Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 215 Seiten, 14,90 Euro.

Die Hinterhältige: Akne

Es ist zum Heulen. Da ist man inzwischen mehr als erwachsen - aber die Haut tut so, als wäre sie 15. Pickel blühen, Entzündungen schmerzen unter der Haut und garantiert wächst eine dicke Pustel genau dann, wenn eine Hochzeitseinladung ansteht und man eigentlich wunderschön aussehen möchte.

Mit Akne tarda, auf Deutsch "Spätakne", hat schätzungsweise jede siebte Frau zwischen 25 und 40 zu tun. "Wir beobachten steigende Zahlen", sagt Dr. Birgit Kunze, Hautärztin in Hamburg und Vorsitzende des Akne-Forums: Entweder die Akne ist nie verschwunden, oder sie blüht plötzlich aus dem Nichts auf. "Es kann sogar Frauen treffen, die vorher nie mit Pickeln zu tun und die reinste Haut hatten", sagt Kunze.

Gemeint sind nicht kleine Pickelchen, die jede mal hat, sondern größere Entzündungen, die häufig tief in der Haut sitzen. Ziemlich sicher hat die Akne mit den Hormonen zu tun: Männliche Hormone, die bei Frauen in geringerer Konzentration ebenfalls im Körper kursieren, aktivieren die Talgdrüsen und verursachen so mehr Pickel. Soweit die Theorie. Allerdings: Nur in den seltensten Fällen sind bei Frauen mit Spätakne Unstimmigkeiten im Hormonspiegel messbar.

Möglicherweise reagiert die Haut bei einigen Frauen besonders sensibel auf Hormone, vermutet Birgit Kunze. Frauen, die früh mit der Pille angefangen oder sie immer mal wieder abgesetzt haben, tragen ein höheres Risiko. Kunze beobachtet aber auch, dass die Spätakne oft Frauen trifft, die sich im Job stark unter Druck setzen. "Stresshormone können in der Haut auch wie männliche Hormone wirken", erklärt sie - eine Erklärung dafür, warum ausgerechnet vor wichtigen Ereignissen die Haut besonders zu blühen anfängt. "Ich bin überzeugt, dass die Haut ein Spiegel der Seele ist und dass sie mit Spätakne meist irgendetwas sagen will", so Kunze. Sehr selten ist die Spätakne eine Kosmetik-Akne, hervorgerufen durch zu reichhaltige Pflege.

Wie kann man vorbeugen? Wer die Pille nimmt, sollte sie möglichst durchgehend nehmen, um den Körper nicht in Hormonverwirrung zu stürzen. Über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Akne diskutieren Fachleute seit Jahren, bisher ohne eindeutiges Ergebnis. Einige Studien deuten darauf hin, dass Milchprodukte wegen ihrer hormonellen Wirkungen Akne ebenso fördern können wie sehr zuckerreiche Lebensmittel. Zink soll Entzündungen verhindern, Birgit Kunze empfiehlt das Mineral zur Unterstützung der Behandlung. Für einen ganz wichtigen Faktor hält sie jedoch das seelische Gleichgewicht: "Wer sich wohl in seiner Haut fühlt, hat grundsätzlich ein geringeres Risiko für eine Hautkrankheit wie Akne", meint sie.

Wann zum Arzt? Wer mit richtiger, entzündeter Akne zu tun hat, sollte zum Hautarzt gehen. Nicht nur, weil auf Dauer hässliche Narben entstehen können, sondern vor allem auch, weil die Pickel massiv aufs Selbstbewusstsein schlagen können.

Was hilft? Wer noch im Erwachsenenalter mit Pickeln zu tun hat, hat meist empfindlichere und trockenere Haut als Teenager - und sollte den Pickeln weniger aggressiv zu Leibe rücken. Milde Reinigungsgels, Cremes mit Fruchtsäure, die die Poren offen halten und die Haut sanft schälen sowie Pflegecremes, die "nicht komedogen " sind, gibt es in der Apotheke. Auch eine regelmäßige "Ausreinigung " bei der Kosmetikerin hilft.

Bei spezialisierten Kosmetikerinnen, die meist mit einem Hautarzt zusammenarbeiten, gibt es auch stärkere Fruchtsäure-Peelings: Sie verkleinern die Poren und lassen Entzündungen schneller abheilen. Kommt man damit nicht weiter, kann der Hautarzt eine Creme mit Antibiotika sowie höher dosierte Fruchtsäure-Präparate verschreiben. Auch Antibiotikatabletten kommen zum Einsatz.

In hartnäckigen Fällen verschreiben erfahrene Hautärzte auch niedrig dosiertes Isotretinoin, einen sehr wirksamen Akne-Bekämpfer, der allerdings heftige Nebenwirkungen haben kann und für ungeborene Kinder hochgiftig ist und deshalb nur zusammen mit einer ganz sicheren Verhütung eingenommen werden darf.

Der Wahnsinnigmacher: Vaginalpilz

Meist ist die Sache schnell klar: Es juckt zum Verrücktwerden, Scheide und Schamlippen brennen, und es schmerzt beim Wasserlassen. Kommt noch verstärkter Ausfluss dazu, sind die typischen Symptome eines Vaginalpilzes beisammen. Drei von vier Frauen haben so eine Pilzinfektion einmal im Leben.

Ursache sind meistens Hefepilze. Sie sind fast überall und tummeln sich häufig auch in der Vagina, ohne Beschwerden zu verursachen. Manchmal aber ist die Scheidenflora nicht so abwehrstark, die Pilze können sich ungehemmt verbreiten.

"Scheidenpilzinfektionen haben nichts mit mangelnder Hygiene zu tun", sagt die Hagener Frauenärztin Margret Claassen. Im Gegenteil: Wer die Genitalregion mit zu heftigen Reinigungsmitteln traktiert, riskiert eher eine Infektion. Manchmal sind häufige Scheidenpilzinfektionen Hinweise auf eine Zuckerkrankheit, also Diabetes. Dann wird der Zucker, der mit der Nahrung aufgenommen wird, nicht richtig verstoffwechselt - das freut die Hefepilze, die sich von Zucker ernähren.

Wie kann man vorbeugen? Eng anliegende, synthetische Unterwäsche sollte man ebenso nicht dauerhaft tragen wie luftundurchlässige Slipeinlagen, wenn man zu häufigen Pilzinfektionen neigt. Manchmal wird eine zuckerarme Ernährung empfohlen, um den Pilz auszuhungern. Schützen können spezielle Zäpfchen mit Milchsäurebakterien oder - einfacher - Joghurt.

Allerdings sollte man den nicht auf einem Tampon einführen, rät Margret Classen, das trockne die Scheide schnell aus. Besser sei es, einen Applikator aufzuheben, der Vaginalpilzsalben beiliegt, und ihn für die Joghurt-Behandlung zu nutzen. Darmsanierungen oder ähnliche Maßnahmen bringen nichts: Dass im Darm Hefepilze leben, ist ganz normal und bei gesunden Menschen auch kein Problem.

Wann zum Arzt? Wer zum ersten Mal einen Pilz hat und nicht so recht weiß, ob es wirklich einer ist, sollte sich bei der Frauenärztin untersuchen lassen. Denn auch Bakterien können Scheidenentzündungen hervorrufen, und auch einige ernsthafte Geschlechtskrankheiten gehen mit Juckreiz einher. Zum Arzt sollte man auch, wenn die Behandlung mit Anti-Pilz-Salbe oder Zäpfchen nicht hilft, wenn der Pilz dauernd wiederkommt oder wenn man schwanger ist.

Was hilft? In der Apotheke gibt es rezeptfrei Anti-Pilz-Salben und Vaginaltabletten. Sie sollten nach Packungsanleitung angewandt werden, meist dauert so eine Behandlung zwischen drei und sechs Tagen. Es reicht nicht, die Creme nur außen zu verteilen, sie muss mit dem Applikator in die Scheide gebracht werden. Früher wurde oft empfohlen, den Partner mitzubehandeln. Studien haben aber gezeigt, dass das nicht notwendig ist, falls der keine Beschwerden hat.

Text: Eva-Maria Schnurr Foto: erdbeersüchtig/photocase.com Ein Artikel aus der BRIGITTE BALANCE 01/09

Wer hier schreibt:

Eva-Maria Schnurr

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