Neues Wundermittel gegen Migräne: Sind wir bald alle schmerzfrei?

Es klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Ein neuer Wirkstoff verspricht Abhilfe gegen Migräne. Doch was kann die neue Wunder-Spritze wirklich?

Etwa acht Millionen Menschen in Deutschland leiden an Migräne. Der dröhnende hat sich mittlerweile zur regelrechten Volkskrankheit entwickelt. Doch demnächst können alle Geplagten aufatmen – zumindest, wenn die neue Wunder-Spritze hält, was sie verspricht. 

In mehreren medizinischen Studien wurden zwei neue rund 2000 Probanden über mehrere Monate unter die Haut gespritzt. Das eine Mittel – Fremazumab – soll Patienten mit chronischer Migräne Linderung verschaffen, das andere – Erenumab - schafft angeblich Abhilfe bei episodischer Migräne, also bei Patienten, die an weniger als 15 Tagen im Monat an Kopfschmerzen leiden. 

Der Unterschied zu den bisherigen Migräne-Medikamenten auf dem Markt ist, dass "die neuen Medikamente erstmals direkt in den Mechanismus der Krankheit eingreifen", so Professor Dr. , Chefarzt und Leiter der Schmerzklinik Kiel im Gespräch mit 'Welt am Sonntag'. Die Mittel, die bislang zur Migräne-Therapie angewendet werden, behandelten hingegen lediglich die Symptome. 

Stress, Verspannungen oder schlechte Ernährung können zu Migräne-Attacken führen. Dann wird ein schmerzauslösender Eiweißstoff, der sogenannte CGRP-Stoff, im Körper freigesetzt, was zu unerträglichen Kopfschmerzen führt. Das neue Medikament blockiert diesen Stoff.

50 Prozent weniger Schmerztage durch die Migräne-Spritze 

Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend. Monatlich angewendet konnten die Schmerztage bei 41 Prozent der Probanden mit chronischer Migräne mindestens halbiert werden. Die Studien-Teilnehmer, die unter episodischer Migräne leiden, verzeichneten ebenfalls deutlicher weniger Attacken - allerdings nur, wenn die höchste Dosis verabreicht wurde. Professor Dr. Hartmut Göbel erklärt:

Die ist ein Meilenstein in der Migräneforschung, ähnlich wie die Entdeckung von Aspirin als erstes Schmerzmittel vor 120 Jahren oder die Entdeckung der Triptane als Akutmedikation.

Voraussichtlich im Herbst 2018 soll die Anti-Migräne-Spritze auf den deutschen Markt kommen. Wird sie hierzulande zugelassen, stehen die Chancen zudem gut, dass Krankenkassen die Kosten für die neuartige Schmerztherapie übernehmen. In den USA ist das Medikament bereits zugelassen – und zeigt weiter Erfolge. 

Der Mediziner warnt dennoch vor zu viel Euphorie: "Patienten erwarten gerne, dass sie einen Wirkstoff bekommen und dass sie dann so leben können wie sie wollen.“ Ganz so einfach sei es seiner Meinung nach allerdings nicht. Um Migräne-Attacken dauerhaft vorzubeugen, sei es weiterhin wichtig, alle Auslöser zu meiden und auf wenig Stress, gesunde Ernährung und ausreichend Sport zu setzen.

ag

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