Mittagsschlaf im Büro

Hebt die Stimmung, verbessert das Leistungsvermögen: Wieso eine Ruhepause so wichtig ist, erklärt Schlafmediziner Professor Göran Hajak.

Außerdem gibt er Tipps, was Sie tun können, wenn Sie keine Gelegenheit für eine Schlafpause haben.

Professor Dr. Göran Hajak, Neurologe, Psychiater und Psychotherapeut, ist als Universitätsprofessor für Psychiatrie an der Universität Regensburg tätig.

Brigitte.de: Warum ist der Mittagsschlaf eigentlich so gesund?

Göran Hajak: Weil wir Menschen in unserer Biologie einen biphasischen Rhythmus verankert haben. Das heißt, nur nachts zu schlafen, entspricht nicht unserer inneren Uhr. Typischerweise werden wir abends müde, aber auch mittags wird unser Schlafzentrum aktiv, und wir verspüren ein Müdigkeitsgefühl. Das kommt nicht etwa vom Mittagessen, wie viele denken, sondern entspricht unserem natürlichen Rhythmus. Mittags nicht zu schlafen heißt also streng genommen, sich über die eigene Biologie hinwegzusetzen. Wenn ich dem Drang zu schlafen folgen kann, hat das einen umfassenden Effekt: Meine Befindlichkeit, also meine Stimmung wird besser, und meine Leistungsfähigkeit wird gesteigert.

Brigitte.de: Wie lange sollte so eine Ruhepause sein?

Göran Hajak: Nicht länger als 15 bis 30 Minuten. Wenn man länger schläft, bringt man die innere Uhr durcheinander.

Brigitte.de: Ist so ein Mittagsschlaf denn auch für Schlafgestörte geeignet? Die haben doch ohnehin Probleme mit ihrem Schlaf-Wach-Rhythmus.

Göran Hajak: Ja, wenn sie sich strikt daran halten, maximal eine halbe Stunde zu ruhen. Sonst wird zu viel Schlaf- beziehungsweise Erholungsdruck abgebaut, der dann abends fehlt.

Brigitte.de: Mit welchen Argumenten kann ich meinen Chef davon überzeugen, dass ich eine halbe Stunde Mittagsruhe brauche?

Göran Hajak: Die Schwierigkeit besteht darin, dass der Mittagsschlaf bei uns sozial nicht akzeptiert ist. Hier wird meist unterstellt, man sei nicht leistungswillig. Am leichtesten können diejenigen eine Ruhepause einrichten, die im Stuhl schlafen können. Wer sich hinlegen möchte, dürfte Probleme bekommen. Das heißt, das Recht auf regelmäßige Mittagsruhe müsste eine Initiative des Arbeitgebers sein, der etwa mittags mehr als die übliche halbe oder ganze Stunde Pause zulässt, und der auch bereit ist, Ruheräume zu schaffen.

Brigitte.de: Und wenn es diese Möglichkeit nicht gibt, wie kann ich trotzdem für eine kleine Ruhephase im Arbeitsleben sorgen?

Göran Hajak: Ich empfehle, nach dem Mittagessen eine Entspannungsphase von etwa zehn bis 15 Minuten in den Tagesablauf einzubauen. Setzen Sie sich gemütlich in Ihren Bürostuhl, und schließen Sie die Augen. Richten Sie den Blick weg von den anstehenden Aufgaben beziehungsweise Ihrem Arbeitsgerät, und denken Sie sich ein schönes Ruhebild aus, das entspannende Wirkung hat, zum Beispiel aus Ihrem letzten Urlaub. Versuchen Sie, in einen Schlafzustand zu kommen. Auch wenn dies nicht gelingt, hat so eine Pause einen sehr entspannenden Effekt. Danach können Sie einen kleinen Kaffee trinken, um wieder aktiv zu werden.

Brigitte.de: Wie oft über die Arbeitswoche sollte ich idealerweise solche Ruhepausen einlegen?

Göran Hajak: Am leistungsfähigsten ist, wer es schafft, jeden Tag Ruhepausen zu nehmen! Wenn Sie trainieren möchten, kurze Entspannungspausen einzulegen, kann es sinnvoll sein, diese anfangs auch am Wochenende zu üben.

Interview: Wiebke Peters Bild: privat (1)
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