Nackenschmerzen: Ursachen und Behandlungswege

Meistens sind Nackenschmerzen akut und entstehen durch Verspannungen. Welche weiteren Ursachen es gibt und was gegen Schmerzen hilft, erfährst du hier.

Was sind Nackenschmerzen?

Im Nacken laufen unzählige Nerven, sieben Wirbelkörper und jede Menge Muskeln zusammen – und die Halswirbelsäule leistet tagtäglich harte Arbeit, um den schweren Kopf gerade zu halten. Eigentlich ist es daher kein Wunder, dass viele Menschen regelmäßig mit Nackenschmerzen zu kämpfen haben. Sie entstehen durch Verspannungen der Muskeln, die wiederum beispielsweise durch Fehlhaltungen oder Zugluft ausgelöst werden. In den meisten Fällen sind Nackenschmerzen akut und lassen sich gut behandeln, beispielsweise durch Massagen oder Physiotherapie. Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, spricht man von chronischen Nackenschmerzen.

Normalerweise hält unser Nacken viel aus. Das bedeutet, wenn es zu Nackenschmerzen kommt, muss die Muskulatur bereits länger übermäßig belastet gewesen sein. Daher kommen Nackenschmerzen auch selten alleine: Die Schmerzen strahlen oft aus, beispielsweise in den Kopf, die Schultern oder bis in die Arme. Schlimmstenfalls können Taubheitsgefühle in den Fingern oder Lähmungserscheinungen auftreten. Auch der sogenannte steife Nacken kommt oft vor – er schränkt die Kopfbeweglichkeit stark ein und erlaubt ein Drehen des Kopfes nach rechts, links, oben oder unten meist nur unter Schmerzen.

Akute und chronische Nackenschmerzen

Akute Nackenschmerzen sind ein Zeichen von aktueller Überbelastung und Verspannung der Muskulatur und dauern in der Regel einige Tage bis maximal drei Wochen. Es stecken meist eher harmlose Ursachen wie Fehlhaltungen oder eine ungünstige Liegeposition beim Schlafen dahinter. Auch wenn wir gestresst sind, neigen wir verstärkt zu Nackenverspannungen, Kopfschmerzen und Co.. Schätzungsweise hat jeder dritte Deutsche mindestens einmal im Jahr akute Nackenschmerzen.

Halten die Beschwerden länger als zwölf Wochen an, liegt die Ursache meist an körperlichen Abnutzungserscheinungen, die wiederum andere Erkrankungen zur Folge haben können. Chronische Nackenschmerzen können folgende zusätzliche Beschwerden verursachen:

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
  • Atemstörungen – der steife Hals dehnt sich bis zum Brustkorb aus und verflacht die Atmung
  • Schulterentzündungen
  • Bandscheibenvorfälle
  • Halswirbelsäulensyndrom ("Zervikalsyndrom" oder auch "HWS-Syndrom") – damit sind generelle Beschwerden im Bereich des Halses gemeint, z. B. Verspannungen, die ausstrahlende Schmerzen verursachen oder ein anhaltend steifer Nacken
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Ursachen von Nackenschmerzen

Meist steckt keine ernste Erkrankung dahinter, Nackenschmerzen können aber viele mögliche Ursachen haben, die sich in verschiedene Bereiche teilen lassen. Hier folgt eine Übersicht:

Nackenschmerzen durch Verschleißerscheinungen

  • Bandscheibenvorfall: Der Bandscheibenvorfall ist an der Halswirbelsäule selten, aber möglich. 
  • Osteoporose: Knochenschwund, unter dem vor allem Frauen nach den Wechseljahren leiden, kann sich auch durch Nackenschmerzen äußern. 
  • Rachitis: Hier führt ein Vitamin-D-Mangel dazu, dass das Knochenwachstum gestört und die Muskulatur im ganzen Körper geschwächt wird. 
  • Arthrose: Der altersbedingte Gelenkverschleiß kann auch die Gelenke der Halswirbelsäule betreffen.
  • Chondrose: Altersbedingte Abnutzung der Bandscheiben führt unter anderem zu Nackenschmerzen.
  • Spondylose: Dabei handelt es sich um eine Versteifung der Wirbelsäule, die durch Veränderungen an den Bandscheiben ausgelöst wird.
  •  Zervikozephales Syndrom: Veränderungen oder altersbedingte Verschleißerscheinungen führen neben Nacken- zu Kopfschmerzen, Ohrensausen, Schwindel und / oder Sehstörungen. Die Halsbeweglichkeit lässt nach, Nackenschmerzen setzen ein.
  •  Zervikale Spinalkanalsterose: Der Wirbelkanal der Halswirbelsäule, in dem das Rückenmark verläuft, verengt sich. Neben Nackenschmerzen können Taubheits- und Lähmungserscheinungen auftreten.

Nackenschmerzen durch Muskelverspannungen

  • Zugluft
  • Erkältung / Grippe
  • Fehlhaltungen und / oder -belastungen
  • Psychische Faktoren, z. B. Stress oder Ängste
  • Muskelzerrungen im Halsbereich
  • Schiefhals (Muskeln sind übermäßig aktiv und verspannen schnell, dadurch schiefe Haltung des Kopfes)

Nackenschmerzen durch Verletzungen

  • Wirbelbrüche (Achtung: Bei Verdacht auf Wirbelbruch gilt höchste Vorsicht bei der Ersten Hilfe, da eine Querschnittslähmung möglich ist)
  • Schleudertrauma

Andere Erkrankungen, die Nackenschmerzen auslösen

  • Tumore / Metastasen
  • Bandscheibenentzündungen
  • Fibromyalgie (chronische Schmerzerkrankung, die neben Schmerzen im ganzen Körper für ständige Müdigkeit und Schlafstörungen sorgen kann)
  • Hirnhautentzündung ("Meningitis", Bakterienbedingte Entzündung, die neben Kopfschmerzen, Fieber, Verwirrung und Übelkeit zu Nackensteifigkeit führt
  • Skoliose ("schiefer Rücken", Schiefstand der Wirbelsäule)
  • Rheumatische Erkrankungen, z. B. Rheuma oder degenerative Arthrose
  • Abszesse im Rachen (Sie können auch zu Atemnot oder gar Ersticken führen, hier ist schnelle ärztliche Hilfe gefragt)

Außerdem können Schmerzen durch Erkrankungen an den inneren Organen wie Herz oder Leber bis in den Nacken ausstrahlen.

Nackenschmerzen? Diese Symptome erfordern ärztliche Hilfe!

Nackenschmerzen treten oft mit anderen Symptomen zusammen auf – die nicht immer harmlos sind. Zwar stehen sie nur selten im Zusammenhang mit ernsten Erkrankungen, treten aber neben den Beschwerden im Nacken folgende Symptome auf, ist schnelle ärztliche Hilfe wichtig:

  • Kopfschmerzen zusammen mit Übelkeit und / oder Erbrechen, Schwindel, Lichtempfindlichkeit, Lähmungserscheinungen, Genickstarre, Schmerzen, wenn das Kinn nach unten Richtung Brust bewegt wird. Hier kann eine Hirnhautentzündung vorliegen – es sollte sofort der Notarzt gerufen werden!
  • Fieber, Schüttelfrost, unerklärlicher Gewichtsverlust
  • Schmerzen sind bei Ruhe genauso stark wie in Bewegung
  • Taubheitsgefühle und / oder ständig eingeschlafene Gliedmaßen
  • Lähmungserscheinungen

Vorsichtig sollten außerdem Patienten mit Nackenschmerzen nach einem Unfall sein oder solche, die bereits Erkrankungen am Rücken oder dem Hals hatten, zum Beispiel einen Bandscheibenvorfall.

Diagnose beim Arzt

Anhand von Gesprächen über die vorliegenden Beschwerden und einer körperlichen Untersuchung kann der Hausarzt bei akuten Nackenschmerzen oft schon eine erste Diagnose stellen. Dabei wird vor allem die Beweglichkeit des Halses und des Kopfes geprüft, aber auch, ob es bei Berührung oder Druck zu Schmerzen kommt. Je nach vermuteter Ursache kann auch ein bildgebendes Verfahren wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt werden. Bei Taubheits- oder Lähmungserscheinungen, die auf mögliche Nervenschäden hindeuten, ist auch eine neurologische Untersuchung bei Nackenschmerzen nötig.

Behandlung von Nackenschmerzen: Welche Therapie hilft?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten zur Therapie bei akuten Nackenschmerzen, die dabei helfen sollen, die verspannten Muskeln zu lockern, damit der Schmerz verschwindet und die Beweglichkeit des Halses und Kopfes wieder verbessert wird. Folgende Behandlungen sind sinnvoll:

  • Physiotherapie: Zum einen kann man hier Übungen erlernen, die dem Aufbau der Nackenmuskulatur helfen, zum anderen werden mit Massagen die schmerzenden Muskelpartien gelockert und entspannt.
  • Akupunktur: Mithilfe von Akupunkturnadeln an den richtigen Körperstellen soll der Energiefluss des Körpers verbessert werden, was Schmerzen mindert.
  • Injektionen: Gereizte Nervenwurzeln werden mit Betäubungsmitteln umspritzt, wodurch der Schmerzreiz nicht mehr zum Gehirn gelangt. Lässt der Schmerz nach, wird auch die Muskulatur leichter wieder locker.
  • Manuelle Medizin: Verspannungen und Muskelblockaden können auch mithilfe von Chiropraktik oder Osteopathie behandelt werden.
  • Wärmebehandlung: Wärme entspannt verhärtete Muskeln und kann Schmerzen lindern. Ein Kirschkernkissen oder eine Wärmflasche reichen oft schon dafür, aber auch Wärmepflaster sind eine Alternative. Generell sollte der Hals warmgehalten werden, zum Beispiel durch das Tragen eines Schals.
  • Entspannungstechniken: Mithilfe von Entspannungstechniken, z. B. Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung, lassen sich Nackenschmerzen ebenfalls behandeln und vorbeugen.
  • Medikamente: Verschreibungsfreie Medikamente mit Wirkstoffen wie Ibuprofen oder Diclofenac können kurzfristig in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Eine Operation bei Nackenschmerzen ist nur in sehr seltenen Fällen und bei schwerwiegenden Ursachen der Beschwerden nötig.

Wie kann ich Nackenschmerzen vorbeugen?

Damit es gar nicht erst zu Nackenschmerzen kommt, sollte man im Alltag einiges beachten. Folgende Tipps helfen dabei, Beschwerden vorzubeugen:

  • Nacken- und rückenfreundlicher Arbeitsplatz: Der Schreibtischstuhl sollte ergonomisch angepasst sein, sodass man darauf aufrecht sitzen kann. Die Füße stehen bestenfalls hüftbreit auseinander auf dem Boden, die Arme liegen im rechten Winkel auf der Tischplatte und waagerecht zur Tastatur. Wer viel telefoniert, sollte besser ein Headset benutzen, statt sich den Hörer immer zwischen Ohr und Schulter einzuklemmen. Wichtig ist auch, mindestens einmal in der Stunde aufzustehen und etwas herumzulaufen und die Sitzposition regelmäßig zu verändern.
  • Zugluft vermeiden: Kalte Zugluft sorgt häufig für akute Beschwerden. Auch hier kann ein Schal Abhilfe schaffen.
  • Krafttraining: Eine starke Rücken- und Nackenmuskulatur kann Nackenschmerzen ebenfalls vorbeugen. Durch gezieltes Krafttraining in diesen Bereichen werden die Muskeln gestärkt.
  • Kissen und Matratze: Eine rückenschonende Matratze ist ebenso wichtig wie ein passendes Nackenkissen.

Übungen und Dehnungen gegen Nackenschmerzen

Mit verschiedenen Lockerungsübungen und kleinen Dehnungen lässt sich die Nackenmuskulatur entspannen, wodurch man Nackenschmerzen vorbeugen kann. Folgende Übungen sind sinnvoll:

  • Schultern lockern: Schultern beim Einatmen anheben und beim tiefen Ausatmen wieder fallenlassen. Das ganze fünfmal wiederholen. Zusätzlich kann man die Schultern kreisen und die Arme ausschütteln.
  • Runden Rücken strecken: Die Handflächen gegen die Stirn legen und den Kopf gegen leichten Widerstand der Hände nach unten zur Brust beugen. Dann die Hände hinter dem Kopf verschränken und langsam wiederaufrichten – das zieht bis in die Wirbelsäule.
  • Hals dehnen: Den Kopf langsam auf eine Seite legen, gleichzeitig die Schulter der anderen Seite runterziehen und den dazu gehörenden Arm herunterhängen lassen. Dadurch wird die seitliche Halsmuskulatur gedehnt. Bei der anderen Seite wiederholen.

Generell gilt: Jeder sollte sich täglich ein paar Minuten für Übungen gegen Nackenschmerzen nehmen.

Lese-Tipps: Du hast genug über Nackenschmerzen gelesen? Hier erklären wir noch Rückenschmerzen-Ursachen, alles zum Rundrücken und wie ein Bandscheibenvorfall entsteht.

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Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Nackenschmerzen. AWMF-Registernr.: 053-007. 30.06.2016. (DEGAM-Leitlinien; Band 13).

Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN). Zervikale Radikulopathie (S2k-Leitlinie). AWMF-Registernr.: 030-082. 06.11.2017.

Hartmann, B. et al.: Arbeitsbezogene Muskel- und Skelett-Erkrankungen, ecomed Medizin, 1. Auflage, 2013

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