So funktioniert der OvulaRing

Ihr möchtet euren Zyklus besser kennenlernen, weil ihr schwanger werden oder natürlich verhüten wollt? Wie der OvulaRing dabei helfen kann, erklärt Professor Henry Alexander.

Was ist der OvulaRing?

Immer mehr Frauen verhüten heutzutage auf natürlichem Weg, indem sie auf Hormone verzichten. Denn die können im Einzelfall zu Migräne, Pilzinfektionen, Libidoverlust und Depressionen führen. Der sogenannte OvulaRing hilft dabei, den eigenen Körper und den individuellen Zyklus kennenzulernen.

Wie das geht? Eure Temperatur wird automatisch mittels eines Biosensors aufgezeichnet. Ihr setzt den hormonfreien Ring, in dem sich der Sensor befindet, nach der Menstruation ein und tragt ihn über den gesamten Zyklus. Ein Lesegerät hilft dabei, die Temperaturdaten auszulesen und auf die hauseigene Auswertungssoftware zu übertragen – egal, wann und wo. Ob auf Tablet, Smartphone oder am PC: Das Zyklusmuster, die fruchtbaren Tage sowie der Eisprung selbst werden euch in Form eines Diagramms angezeigt.

Der Leipziger Reproduktionsmediziner Professor Henry Alexander, der den Eisprungrechner vor einigen Jahren entwickelt hat, erzählt im Gespräch mit BRIGITTE, warum sich die Anschaffung des OvulaRings lohnt.

Entwicklung

BRIGITTE: Herr Alexander, vor vier Jahren haben Sie den OvulaRing auf den Markt gebracht. Wie kamen Sie auf die Idee, einen solchen Biosensor zu entwickeln?

Prof. Henry Alexander: Ich komme aus der Reproduktionsmedizin, bin also Frauenarzt. Ich habe bemerkt, dass wir keine guten und sicheren Methoden haben, um den Zyklus abzubilden. Damals gab es nur sogenannte Ein-Punkt-Messungen. Das bedeutet, dass die Frau ihre Körperkerntemperatur einmal pro Tag zur selben Zeit messen und daraus eine Kurve erstellen sollte. Das Ganze ist jedoch nicht besonders aussagekräftig - insbesondere dann, wenn der Zyklus der Frau unregelmäßig ist.

Die Idee, einen Biosensor zu entwickeln, entstand durch die Überlegung, dass eine kontinuierliche Temperaturmessung mehr Informationen zur Zyklusbiologie erbringen müsste. Das bestätigte sich dann auch. Es hat zehn bis 15 Jahre gedauert, ehe wir das Produkt in der Professionalität, die es heute besitzt, aus der Taufe heben konnten. Mit dem OvulaRing können wir nun die Körperkerntemperatur kontinuierlich messen. Das heißt, dass die Temperatur alle fünf Minuten, also 288 Mal am Tag, aufgezeichnet wird. Daraus entstehen Muster, die Rückschlüsse auf den jeweiligen Zyklus geben.

2014 haben Sie in einer Studie untersucht, ob der OvulaRing Frauen klare Aussagen über ihren Eisprung liefert. Welche Erkenntnisse konnten Sie gewinnen?

Wir haben die Studie an den Universitäten Leipzig und Dresden gemacht. 158 Frauen im Alter von 21 bis 45 Jahren haben daran teilgenommen. Wir konnten rund 470 Zyklen auswerten und haben festgestellt, wie häufig der Eisprung bei den Frauen war und wie oft eine sogenannte Gelbkörperschwäche vorlag.

In der Regel geht man davon aus, dass der Eisprung zwischen dem 13. und 15. Tag stattfindet. Wir haben jedoch herausgefunden, dass rund 70 Prozent aller Eisprünge früher oder später stattfanden - also zu einem anderen Zeitpunkt, als die meisten Frauen das vermuten. Etwa fünf Prozent aller Ovulationen traten noch nach dem 26. Zyklustag auf. Das ist schon eine wesentliche Erkenntnis. Früher vermutete man außerdem, dass die tiefste Körperkerntemperatur einer Frau kurz vor dem Aufstehen erreicht ist. Auch das konnten wir relativieren: Der tiefste Temperaturmesspunkt liegt bei den meisten Frauen zwischen 0 und 3 Uhr nachts.

Anwendung

Prof. Henry Alexander ist ein deutscher Arzt für Frauenheilkunde. Seine Fachgebiete: Humane Reproduktion, Endokrinologie und Sexualmedizin. Als Reproduktionsexperte hat er in den vergangenen 40 Jahren mehr als 600 Kindern mittels künstlicher Befruchtung auf die Welt geholfen. Von 2002 an arbeitete Henry Alexander an einem neuen System zur Temperaturmessung bei Frauen. 2012 wurde sein Produkt, der OvulaRing, auf den Markt gebracht. Mehr Infos gibt es auf der Homepage.

Für welche Frauen ist der OvulaRing gedacht?

Der OvulaRing ist für Frauen mit Kinderwunsch entwickelt worden. Für Frauen, die nicht wissen, ob sie überhaupt einen Eisprung haben - und wenn ja, wann er stattfindet. Der Ring kann ihnen für zwei, drei Monate retrospektiv zeigen, wann ihr Fruchtbarkeitsfenster war. Außerdem gibt er an, wann der nächste Eisprung ist.

Ich hatte gerade eine Patientin in Behandlung, die am 48. Zyklustag ihren Eisprung hatte. Dieses Wissen hat sie sich zunutze gemacht - und ist im Folgemonat schwanger geworden. Im OvulaRing-Paket ist auch ein Schwangerschaftstest enthalten, der der Frau ganz ohne Schwangerschaftsstreifen sagt: 'Sie sind mit hoher Wahrscheinlichkeit schwanger'. Kurz vor dem Eisprung steigt die Temperatur an, daran erkennt die Frau ihre fruchtbaren Tage. Wer verhüten will, kann das Fruchtbarkeitsfenster, das sich über den Eisprung (fünf Tage davor und einer danach) erstreckt, zur zusätzlichen Verhütung nutzen.

Wie verlässlich ist der OvulaRing im Vergleich zu anderen Verhütungsmitteln?

Wir haben noch keine Pearl-Index-Studie gemacht, da der OvulaRing zur Zeit primär für Frauen mit Kinderwunsch gedacht ist und wir das Produkt auch entsprechend vermarkten. Allerdings kann es schon jetzt auch als Hilfsmittel zur natürlichen Verhütung verwendet werden. Übrigens ist der OvulaRing auch eine Hilfe für Frauen, die gerade ein Kind bekommen haben: Sie können damit messen, wann sich der normale Zyklus zurückmeldet, und wann sie mit der zusätzlichen Verhütung starten müssen.

Hilft der Ring auch bei unregelmäßigem Zyklus?

Bei unregelmäßigen Zyklen ist eine gewisse Vordiagnostik notwendig. Die Frau muss sehen, wie stabil ihr Zyklus ist und wann ihr Eisprung überhaupt kommt. Die Verhütung gestaltet sich aber generell schwierig für Frauen mit unregelmäßigem Zyklus. Da muss man Erfahrungen sammeln - und nicht einfach den Ring einlegen und hoffen, dass er die benötigten Informationen liefert. Man sollte sich mit seiner eigenen Biologie auskennen.

Wie lange wendet man den OvulaRing an und wie lange hält der Biosensor?

Den OvulaRing wendet man genauso lange wie den Nuvaring an. Er wird nach der Monatsblutung vaginal eingeführt und zeichnet dann kontinuierlich den Temperaturverlauf auf. Auslesen kann man den Sensor währenddessen so oft und wann es die Anwenderinnen wünschen. Der Temperaturmessring wird mit Start der nächsten Monatsblutung entnommen und nach der Monatsblutung wie gewohnt wieder vaginal eingeführt.

Sobald die Menstruation vorbei ist, wird ein neuer Ring eingelegt. Der Ring sucht sich seinen Weg und legt sich in das Scheidengewölbe. Der Biosensor hält sechs Monate, dann bekommt die Patientin automatisch einen Neuen zugeschickt.

Vorteile

Der Eisprungrechner kostet im Startpaket 84,90 Euro pro Monat. Warum sollten Frauen den Ring verwenden, wenn es auch zahlreiche kostenlose Zyklus-Apps gibt?

Zyklus-Apps sind umstritten. Der OvulaRing ist ein Medizinprodukt, die kostenlosen Apps sind das nicht. Wenn der Zyklus relativ regelmäßig und gesund ist, kann man damit gut zurechtkommen, doch verlässlich sind sie nicht unbedingt. Vor allem deshalb nicht, weil Zyklus-Apps davon ausgehen, dass der Eisprung in der Zyklusmitte stattfindet. Das ist aber nicht immer der Fall, denn der Eisprung kann auch bei gleicher Zykluslänge variieren. Wer eine Gelbkörperschwäche und damit einen späteren Eisprung hat, kann damit nicht arbeiten. Bei uns sieht die Frau eine objektive Kurve, mit deren Hilfe der Frauenarzt sie beraten kann.

Interessant ist auch, dass der OvulaRing mehrere Zyklen abbilden kann, sodass die verschiedenen Zyklus-Kurven verglichen werden können. Es ist eine neue Messmethode, anhand derer man Zyklen besser veranschaulichen kann. Die Patientinnen sind dankbar, wenn sie ihren Körper besser kennenlernen und erfahren, wann sie einen Eisprung hatten und wann nicht. Sie sind somit Herr ihrer eigenen Situation.

Welche natürlichen Verhütungsmethoden gibt es?

Neben dem OvulaRing gibt es weitere natürliche Verhütungsmethoden, die zwar preiswerter, dafür aber weniger genau sind. Mit der Temperaturmethode messt ihr beispielsweise eure Basaltemperatur nach dem Aufwachen. Diese kann jedoch durch verschiedene Faktoren wie Stress, Schlafdefizit oder Erkrankungen beeinflusst werden. Bei der Zervixschleim-Methode geben euch hingegen Farbe und Beschaffenheit der Scheidenflüssigkeit Auskunft über euren Eisprung.

Beide Methoden sind nicht sicher – und sollten deshalb mit anderen Verhütungsmitteln kombiniert werden. Die symptothermale Methode verbindet Temperatur- und Zervixschleim-Messungen. Auch das Abtasten des Muttermundes nehmt ihr selbst vor, da dieser zur Zeit der Ovulation leicht geöffnet und weicher ist. Wer diese Methode anwendet, sollte lange üben, um seinen Zyklus und jede Veränderung des Körpers perfekt einschätzen zu können.

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