Neuer Bluttest erkennt und lokalisiert 50 Krebsarten

Schweizer Forscher haben einen neuen Bluttest entwickelt, der insgesamt 50 Krebsarten erkennen und lokalisieren können soll. Was dahintersteckt.

Bisher galten Vorsorgeuntersuchungen als das beste Früherkennungsmittel gegen Krebs. Doch die Tests werden oft als unangenehm empfunden – und sind auch nicht immer ganz zuverlässig. Schweizer Forscher der European Society für Medical Oncology in Lugano sollen jetzt einen neuen Bluttest entwickelt haben, mit dem eine frühzeitige Diagnose einfacher gestellt werden könnte: Laut den Ergebnissen ihrer Studie kann der neue Test nicht nur 50 verschiedene Krebsarten erkennen, er zeigt auch, wo der Krebs entstanden ist. Und das, bevor sich erste Symptome bemerkbar machen.

Trefferquote hängt von verschiedenen Faktoren ab

Insgesamt erkannte der Blutest zwischen 18 und 93 Prozent der Krebsfälle, je nachdem, welcher Krebs vorlag und in welchem Stadium die Krankheit war. Dabei galt: Je früher das Krebsstadium, desto geringer die Erkennungsquote. Über 50 Krebsarten und alle Stadien hinweg betrug die Trefferquote des Tests 43,9 Prozent. Außerdem zeigte er in 96 Prozent aller Fälle an, in welchem Organ oder Gewebe der Tumor sich befand.

Wurde nur nach den zwölf häufigsten Krebsarten gesucht (z. B. Magen- und Darmkrebs, Brustkrebs und Lungenkrebs), war die Trefferquote des Bluttests besser: Laut den Forschern lag sie bei 67,3 Prozent.

Geringe Fehlerquote bei falschen Krebsdiagnosen

Die Anzahl der fälschlicherweise positiv getesteten Patienten ist sehr gering – lediglich bei einem Prozent der Proben zeigte der Bluttest eine Krebserkrankung an, die es nicht gab. Zum Vergleich: Beim Brustkrebs-Screening bekommen rund zehn Prozent aller Frauen eine falsche Diagnose.

Wie funktioniert der Bluttest?

Der Bluttest basiert darauf, dass Tumore nicht nur Krebszellen, sondern auch ihre DNA sowie bestimmte Biomarker im Blut verteilen. Der Bluttest sucht nun gezielt nach krebstypischen Anlagerungsmustern an der DNA – denn kranke, entartete Zellen unterschieden sich von gesunden Zellen. Und zwar nicht nur in der Menge, sondern auch anhand ihrer Position in sogenannten angelagerten Methylgruppen. Genau diese Anlagerungen fragt der Bluttest an über einer Million Stellen der DNA ab. Ausgewertet wird die Abfrage dann durch einen lernfähigen Algorhythmus, der zuordnen kann, ob eine Krebsart vorliegt und wo sich der Tumor befindet.

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Für die Forscher sind die ersten Studienergebnisse vielversprechend, auch, wenn der Bluttest bei sehr frühen Krebsstadien noch lückenhaft ist. "Dies ist eine bahnbrechende Studie und ein erster Schritt zur Entwicklung von leicht einzusetzenden Screening-Werkzeugen", so Studienleiter Michael Seiden. "Schon die frühe Erkennung von mehr als 50 Prozent der Krebsfälle könnte jedes Jahr Millionen Menschenleben weltweit retten."

Mit weiteren Studien wollen die Forscher zeigen, dass der Bluttest künftig das Mittel der ersten Wahl zur Früherkennung von Krebs sein könnte. Bis diese abgeschlossen sind und der Test auf den Markt kommt, kann es aber noch Jahre dauern.

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