Osteoporose

Die schmerzhafte Krankheit trifft vor allem Frauen. Wenn man frühzeitig vorbeugt, ist sie fast immer vermeidbar.

Wie entsteht die Krankheit?

Bei der Osteoporose werden die Knochen nach und nach immer poröser und damit brüchiger. "In dem dreidimensionalen Gitter fehlen dann immer mehr Bausteine", so Dr. Jutta Semler, Vorsitzende des gemeinnützigen Kuratoriums Knochengesundheit und leitende Osteologin (Knochenärztin) am Berliner Immanuel-Krankenhaus. Das ist vor allem bei Frauen ein Problem (80 Prozent der fünf bis sieben Millionen Patienten sind weiblich). Sie lagern nämlich nur rund ein Kilogramm des wichtigsten Gitter-Bausteins Kalzium ein, während Männer über die Hälfte mehr und damit generell ein stabileres Skelett haben. Das können auch die weiblichen Hormone (Östrogene), die knochenstärkend wirken, nicht ausgleichen. In den Wechseljahren geht deren Produktion dann auch noch stark zurück. Der komplizierte Prozess des Knochenabbaus (und -aufbaus) wird nicht nur vom Skelett selbst reguliert, sondern auch im Gehirn. Mit dieser Erkenntnis überraschte ein Wissenschaftler-Team aus Hamburg und den USA Osteoporose-Experten weltweit. Ähnlich neu und unerwartet sind Beobachtungen, dass Depressionen die Knochendichte senken und Medikamente, die den Cholesterinspiegel senken (die so genannten Statine), sie erhöhen.

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Woran erkennt man, dass man Osteoporose hat?

Im schlimmsten Fall merkt man die Krankheit erst, wenn ein Knochen in einer eigentlich ungefährlichen Situation bricht - beim Abgleiten von der Bordsteinkante zum Beispiel. Fällt ein Wirbelkörper in sich zusammen, gibt sich Osteoporose durch starke Rückenschmerzen zu erkennen. Weil die aber nach ein paar Wochen vollständig verschwinden können, halten manche den Wirbelbruch zum Beispiel für einen Hexenschuss. Der Knochenschwund an sich hat immer bereits Jahre zuvor angefangen. Verfolgen lässt er sich nur per Knochendichtemessung, die zum Beispiel mit Röntgenstrahlen funktioniert (dabei reicht etwa ein Zwanzigstel der für ein Röntgenbild nötigen Menge). Allerdings wird die so genannte Osteodensitometrie seit letztem Jahr nur noch in begründeten Verdachtsfällen von der Krankenkasse übernommen.

Check-up: Sind Sie gefährdet?

Dazu hat das Kuratorium Knochengesundheit einen Test entwickelt. Wer auf mehr als zwei Fragen mit Ja antwortet, ist bereits gefährdet.

  • Bewegen Sie sich wenig?
  • Haben Sie eine Abneigung gegen Milch und Milchprodukte?
  • Sind Sie sehr schlank?
  • Hat Ihre Regel über mehrere Monate ausgesetzt?
  • Hatten Sie Ihre erste Regelblutung mit über 15 Jahren?
  • Waren Sie unter 45, als die Wechseljahre begannen?
  • Wurden Ihre Eierstöcke komplett entfernt?
  • Haben Ihre nächsten Verwandten Osteoporose oder Knochenbrüche?
  • Haben Sie länger als sechs Monate Kortisontabletten genommen?
  • Sind Sie über 50 Jahre alt?

Alle, die älter als 40 sind, können neuerdings einen erweiterten Test machen. Den empfiehlt das Kuratorium Knochengesundheit auch denjenigen, die Rückenschmerzen haben oder in den letzten Jahren mehrere Zentimeter kleiner geworden sind. Er soll klären, ob ein Verdacht besteht, dass Sie sich - ohne es zu merken - aufgrund von Osteoporose schon einen Knochen gebrochen haben. Denn wenn diese Möglichkeit besteht, bezahlt die Kasse eine Knochendichtemessung. Der Test liegt im Rahmen einer Kampagne, mit der das Kuratorium Knochengesundheit osteoporosebedingte Brüche verhindern will, in Apotheken aus. Außerdem ist er im Internet unter www.osteoporose.org oder beim Kuratorium Knochengesundheit abrufbar (Adresse siehe unten, 56 Cent Rückporto beifügen).

Was kann man dagegen tun?

Vor allem viel Sport treiben und sich kalziumreich ernähren. Laut Dr. Semler lässt sich so fast jede Osteoporose vermeiden. Beginnende Auflösungsprozesse können sogar wieder rückgängig gemacht werden. Wenn der Körper in den Wechseljahren weniger natürliche Knochenschutz-Hormone produziert, bieten Östrogentabletten oder -pflaster Ersatz. Ansonsten ist es wichtig, Rückenschmerzen und andere Beschwerden am Bewegungsapparat ernst zu nehmen und sie nicht einfach als Alterserscheinung abzutun. Denn nur jede zweite fortgeschrittene Osteoporose wird überhaupt erkannt. Und erst dann können Medikamente helfen, weitere Schmerzen, Brüche und Bewegungseinschränkungen zu vermeiden.

Helfen auch sanfte Sportarten?

Ja. Krafttraining ist zwar optimal - doch Studien zeigen, dass zum Beispiel dreimal pro Woche Yoga die Knochendichte innerhalb von zwei Jahren deutlich erhöht. Ärzte empfehlen auch Qigong, die gleitenden Bewegungen aus der chinesischen Heilkunde, Walking oder Schwimmen. Am besten 15 bis 45 Minuten pro Tag und draußen - im Licht wird die körpereigene Vitamin-D-Produktion angekurbelt. Wichtig ist, sich regelmäßig zu bewegen: Wer aufhört, muss damit rechnen, dass die Knochen bald wieder poröser werden.

Wer braucht wie viel Kalzium?

Erwachsene sollten 1000 Milligramm Kalzium am Tag zu sich nehmen, wer um die 30 oder jünger ist, sogar 1200. Ebenso viel brauchen Schwangere und Stillende, über 65-Jährigen werden 1500 Milligramm empfohlen. Der Durchschnittsdeutsche allerdings isst gerade mal 580 Milligramm täglich.

Wie sieht die richtige Ernährung aus?

Als Faustregel gilt: reichlich Milchprodukte, mindestens einmal pro Woche Fisch und viel, viel frisches Gemüse und Obst. Zum Trinken ist ein kalziumreiches Mineralwasser optimal (mit mehr als 150 Milligramm pro Liter). Der Fisch soll den Vitamin-D-Bedarf decken. Diesen Stoff braucht der Körper, um Kalzium aus dem Darm besser aufnehmen zu können. Weitere Quellen sind Margarine, Butter und Eier. Vor allem Milchprodukte, aber auch Gemüse und Obst bringen Kalzium mit. Ein 150-Gramm-Joghurt liefert bereits 180 Milligramm, eine Scheibe Emmentaler (30 Gramm) sogar über 300. Brokkoli, Fenchel und Porree enthalten pro Portion (200 Gramm) rund 200 Milligramm des Mineralstoffs, Grünkohl ganze 420. Weitere Lieferanten sind Haselnüsse, Mandeln, Himbeeren, Johannisbeeren und Brombeeren. Außerdem gut: Sauerkraut, Blumen- und Rosenkohl, in denen reichlich Vitamin K steckt. Wie Vitamin C ist es beim Knochenaufbau behilflich. Darüber hinaus versorgt uns Frisches mit vielen anderen Stoffen, von denen Wissenschaftler neuerdings vermuten, dass sie die Knochendichte (mit-)erhöhen könnten, etwa Zink, Magnesium, Kalium und Ballaststoffe.

Also alles greifen, was Wochenmarkt und Käsetheke zu bieten haben? Ein paar Ausnahmen gibt es: Spinat, rote Bete, Rhabarber, Mangold und ungekochtes Getreide enthalten Substanzen (Oxalsäure bzw. Phytin), die das Kalzium so fest an sich binden, dass der Körper es nicht mehr verwerten kann. (Übrigens: Oxalsäure steckt auch in Schokolade bzw. Kakao.) Und Quark, Schmelz- und Hüttenkäse enthalten viel Phosphat, das Kalzium die Aufbauarbeit erschwert. Fertiggerichte, Süßigkeiten oder Wurst, in denen Phosphat als Stabilisator wirkt, sind echte Kalziumkiller! Genau wie Limonade (vor allem Cola) und Innereien, die ebenfalls reichlich Phosphat enthalten.

Schaden Nikotin, Koffein und Alkohol?

Raucherinnen kommen früher in die Wechseljahre und erhöhen damit ihr Osteoporose-Risiko, außerdem nehmen sie Kalzium schlechter auf als Nichtraucherinnen. Koffein kurbelt die Nierendurchblutung und damit die Ausscheidung von Kalzium an. Man sollte deshalb nicht mehr als etwa vier Tassen Kaffee pro Tag und auch schwarzen Tee nicht literweise trinken. Außerdem ist Alkohol ein Nährstoff-, also auch ein Kalziumräuber. Gegen ein Gläschen Wein oder Bier haben aber selbst Osteologen nichts - in einer Studie schienen sie die Knochengesundheit sogar positiv zu beeinflussen.

Stimmt es, dass saure Lebensmittel die Knochen auflösen?

Wenn mit "sauer" Zitrone, Johannisbeere und Grapefruit gemeint sind, stimmt das auf keinen Fall. Die Säuren in Früchten fördern sogar die Kalziumaufnahme und helfen dadurch, die Knochen zu stabilisieren. Anders sieht es bei so genannten sauer verstoffwechselten Lebensmitteln aus: Beim Abbau von Eiweiß, also vor allem von Fleisch, entsteht Schwefelsäure. Die kann der Körper zwar prinzipiell neutralisieren, doch Wissenschaftler vermuten, dass auf Dauer bereits minimal zu saures Blut für morsche Knochen mit verantwortlich ist.

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