Perücke & Co.

Es hilft alles nichts: Die Haare wachsen nicht mehr nach. Was jetzt? Haarteile und Perücken sind oftmals eine Alternative und sehen richtig schick und natürlich aus. Oder hätten Sie gedacht, dass die dunkelhaarige Frau auf dem Foto eine Perücke trägt?

So kann man laut der WHO Demenz vorbeugen

Wo bekomme ich Haarersatz?

Die richtige Anlaufstelle ist ein Zweithaar-Studio. Eine bundesweite Übersicht gibt es beim Verband der Zweithaar-Einzelhändler.

Am besten lässt man sich in zwei oder drei Studios unverbindlich beraten. Dabei kann man nicht nur die Preise vergleichen, sondern man merkt auch, wo man sich wohl fühlt. "Die Vertrauensbasis ist wichtig", sagt Peter Volk, Vorsitzender des Verbandes der Zweithaar-Einzelhändler und zertifizierten Zweithaarpraxen. Der Verband ist gerade dabei, die ersten Praxen mit einem Qualitätszertifikat auszustatten. Denn: Nicht alle Anbieter arbeiten seriös, wie auch dieser Beitrag der ZDF-Ratgebersendung Wiso zeigt.

Auf sorgfältige Arbeit kommt es an - vor allem bei permanenten Haarteilen. Wenn diese unsachgemäß befestigt werden, kann der Zug auf das Eigenhaar so stark sein, dass sich die Haarfollikel entzünden und das Haar ausfällt, warnt Peter Volk.

Haarteil oder Perücke?

Wenn nur die Haare am Oberkopf betroffen sind, reicht ein Haarteil (Toupet) - egal ob die Haare teilweise oder ganz ausgefallen sind. Anders ist es, wenn der gesamte Kopf betroffen ist. Dann ist eine Perücke erforderlich.

Sitzt ein Haarteil wirklich fest?

Haarteile haben keinen guten Ruf. In Comics wird das klassische Toupet des Herrn gerne mal vom Wind weggeweht, um dann sein entblößtes Haupt zu zeigen. Mit der Realität hat das nicht viel zu tun. Zweithaar-Experte Volk beruhigt: "Die Angst ist unberechtigt. Das Zweithaar, egal ob Haarteil oder Perücke, lässt sich soweit anpassen und befestigen, dass so etwas nicht passieren kann."

Es gibt Haarteile, die abgenommen werden können und solche, die permanent befestigt werden. Viele entscheiden sich in erster Linie aus psychischen Gründen für eine permanente Befestigung. Kollegen und Freunde, selbst der Partner, sehen die betroffene Person nur mit vollem Haar. "Ich habe Patientinnen, die außer mir noch nie jemand ohne ihren Haarersatz gesehen hat", sagt Peter Volk. Zu einer permanenten Befestigung rät er jedoch nur Frauen, die voraussichtlich immer Zweithaar tragen werden. Der Grund: Das Haarteil wird am eigenen Haar befestigt und belastet es entsprechend. (Außer beim Verkleben, siehe nächster Punkt) Zudem ist der Aufwand relativ hoch: Eine permanente Befestigung muss aufgrund der nachwachsenden Haare alle vier bis sechs Wochen erneuert werden, das dauert jedes Mal ein bis zwei Stunden und kostet zudem pro Sitzung rund 80 bis 120 Euro.

Wie wird ein Haarteil permanent befestigt?

  • Zu den gängigsten Methoden gehört das "Hairweaving". Dabei werden etwa 30 bis 40 Haarsträhnen mit Fäden verwoben und anschließend mit dem Haarteil verbunden. Eventuelle Probleme: Die eigenen Haare können bei unsachgemäßem Arbeiten, durch zu starke, dauerhafte Spannung, Hautreizungen und Entzündungen am Haarfollikel hervorrufen.
  • Das "Micropoint"-Verfahren funktioniert ähnlich, allerdings wird dabei auf die verknotete Haarsträhne jeweils ein Klebepunkt angebracht, damit der Knoten nicht aufgeht. Eventuelle Probleme: Der Kleber selbst oder der Entferner des Klebers können vereinzelt zu Hautreizungen führen. Besser vorher einen Hauttest machen. Auch hier muss zu starke Spannung vermieden werden.
  • Eine weitere Methode nennt sich "MicroBellargo", Eigen- und Fremdhaar werden dabei mit weichen Hülsen miteinander verbunden. Dadurch sollen Hautreizungen vermieden und das Eigenhaar geschont werden. Wie bei den bisherigen Methoden können auch hier bei unsachgemäßem Arbeiten Hautreizungen und Entzündungen entstehen.
  • Beim Verkleben (Vollbonding) wird das Zweithaar mit einem Hautkleber mit der Kopfhaut verbunden. Dafür müssen die Eigenhaare abrasiert werden. Eventuelle Probleme: Die Kopfhaut kann auf den Kleber reagieren. Es empfiehlt sich, vor der ersten Behandlung einen Hauttest durchzuführen. Nachteil beim Verkleben: Es muss bereits nach drei bis vier Wochen erneuert werden, bei den anderen Verfahren erst nach vier bis sechs Wochen.

Was spricht für abnehmbare Haarteile?

Abnehmbare Haarteile werden mit Clips befestigt. Da die Clips beim Liegen auf den Kopf drücken und Spannung am Eigenhaar hervorrufen können, sollten sie nachts nicht getragen werden. Für sie spricht der geringere zeitliche und finanzielle Aufwand. Sie müssen im Gegensatz zu den dauerhaft befestigten Haarteilen nicht laufend neu befestigt werden. Außerdem fällt die Zugbelastung auf das eigene Haar weg. Optisch unterscheiden sie sich nicht von permanent befestigten Haarteilen.

Welche Haarqualität soll ich wählen?

  • Etwa 80 Prozent der verkauften Standardhaarteile sind nach Schätzungen von Peter Volk aus Synthetik. Diese Kunsthaare sind jedoch für eine dauerhafte Befestigung ungeeignet. Durch die Reibung beim Liegen werden die Synthetik-Haare aufgeraut und splissig. Für abnehmbare Haarteile und Perücken ist Synthetik dagegen durchaus geeignet. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass künstliche Haare generell eine kürzere Lebensdauer (drei bis neun Monate) haben und auch nicht wie Echthaar frisiert werden können.
  • Dagegen kann Echthaar wie gewohnt gestylt werden. Weit verbreitet ist bei uns neben europäischem Haar auch Echthaar aus Asien, vor allem aus Indien. Der Nachteil: Da die Haare dicker und meistens auch dunkler sind als europäische Haare, müssen sie vorbehandelt werden. Sie erfordern eine intensivere Pflege und haben eine kürzere Lebensdauer. Während europäisches Haar bis zu drei Jahre getragen werden kann, muss man asiatisches Haar aufgrund der Vorbehandlung in der Regel spätestens nach einem Jahr ersetzen.

Wie viel Geld muss ich investieren?

  • Die Bandbreite ist groß. Wer nur ab und zu ein Haarteil oder eine Perücke trägt, kann auf einfache Ausfertigungen unter 100 Euro zurückgreifen. Aber auch Preise von über 2000 Euro sind bei Sonderanfertigungen und besonderen Haarqualitäten keine Seltenheit.
  • Kleinere modische Haarteile, so genannte "Hair Fashions" gibt es bereits ab 20 Euro. Die gängigeren, qualitativ hochwertigen Haarteile aus Synthetik kosten zwischen 100 und 300 Euro. Am teuersten sind Sonderanfertigungen aus europäischem Echthaar, die Preise liegen zwischen 800 und 2500 Euro.
  • Auch bei Perücken gibt es enorme Preis- und Qualitätsunterschiede. Ganz einfache Perücken, so genannte Tressenperücken, gibt es teilweise unter 100 Euro. Sie lassen sich aber nur eingeschränkt frisieren und werden für dauerhaftes Tragen nicht empfohlen.
  • Die meisten Käufer entscheiden sich für eine Tressenperücke mit transparentem Monofilament am Oberkopf. Die Haare sind an einem transparenten Material befestigt. Die eigene Kopfhaut scheint durch, die Perücke wirkt dadurch natürlich. Man kann sie relativ gut frisieren oder einen Scheitel ziehen, sie kostet ab 350 Euro (Standard, Synthetik).
  • Sonderanfertigungen von Perücken, zum Beispiel für außergewöhnliche Kopfformen oder besonders empfindliche Kopfhaut gibt es ab 1400 Euro.
  • Die Qualität einer Perücke entscheidet nicht alleine über das Aussehen: "Eine Perücke ist immer nur so gut, wie das Geschick der Trägerin beim Aufsetzen", erklärt Peter Volk. Selbst eine richtig hochwertige Perücke ist sofort als Fremdhaar zu erkennen, wenn man sie nur einen Zentimeter zu weit nach vorne in die Stirn zieht.

Was zahlt die Krankenkasse?

Die Kosten für Haarersatz werden in den meisten Fällen zumindest anteilig von den Krankenkassen erstattet. Wie viel Geld die Kassen zahlen, ist unterschiedlich, in der Regel zwischen 165 und 500 Euro. Die Zahlung deckt also nicht immer die Kosten des Haarteils oder der Perücke.

Generell muss der Arzt entscheiden, ob der Haarersatz medizinisch notwendig ist und in welcher Form. Unter Umständen muss die psychische Belastung nachgewiesen werden. Bei Männern wird eine Kostenübernahme häufig abgelehnt.

Text: Monika Herbst Fotos: Gesellschaft für Haarästhetik (gfh)

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