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Pharma-Kosmetik: Die Wahrheit über die "exklusiven" Produkte

Pharma-Kosmetik
© Just dance / Shutterstock
Als wirksame Pflege bei Hautproblemen gilt Kosmetik aus der Apotheke – und bisher wurde sie auch nur dort angeboten.

Ich dachte immer, die Marke Bepanthol gehöre zu den apothekenexklusiven Pflegeserien für die Haut, so wie Vichy, La Roche-Posay oder Ladival. Aber letzten Herbst meldete eine Apotheker-Website, dass neuerdings ein Drogeriemarkt in Fulda Bepanthol-Produkte und andere Pharma-Kosmetik anbietet. Und auch der erste "Douglas Pro"-Store in Hamburg-Eppendorf hat die Cremes und Lotions im Programm, die speziell für anspruchsvolle Haut entwickelt wurde und bisher exklusiv in Apotheken zu haben war. Nun kann man einige Produkte sogar online kaufen – wie kann das sein?

Im Gegensatz zum Begriff "apothekenpflichtig" geht das Wort "apothekenexklusiv" nicht auf ein Gesetz zurück

Die Wahrheit ist: Der Begriff "apothekenexklusiv" hat, anders als der Begriff "apothekenpflichtig", nichts mit dem Arzneimittelgesetz zu tun. Dahinter steht ganz einfach eine Marketingstrategie. Wenn man das erst mal weiß, kann man gegen die Kennzeichnung gar nichts sagen. Denn natürlich verfolgen vor allem jene Marken die Strategie, über Apotheken vertrieben zu werden, die intensive Pflegeformeln für trockene, sensible oder gereizte Haut anbieten. Manche dieser Kosmetikprodukte sind auch Weiterentwicklungen von (oder Ergänzungen zu) Arzneimitteln. Wie Bepanthol, dessen Name der Wund- und Heilsalbe Bepanthen ähnelt, ähnlich verpackt ist und denselben Wirkstoff enthält - das Pro-Vitamin Dexpanthenol. Das alles heißt aber nicht, dass Kosmetik aus der Apotheke wirksamer oder auch nur automatisch wirksam wäre.Geschweige denn, dass man nicht auch in Drogerien oder Parfümerien erstklassige Pflegeprodukte kaufen kann.

Eine richtige Beratung gibt es nur in der Apotheke - und günstiger wird es in der Drogerie auch nicht

Ich finde aber tendenziell, dass Leute mit einem Hautproblem oft gut damit bedient sind, in die Apotheke zu gehen. Denn wer mit einer Akne, Rosacea oder Neurodermitis eine gute Pflege sucht, wird Beratung wollen. Oder kauft nach ärztlicher Empfehlung – in der Apotheke. Mal abgesehen davon ist Spezialkosmetik immer teurer, egal wo gekauft. Als Ausnahme fallen mir auf Anhieb nur Feuchtigkeitslotions mit fünf bis zehn Prozent Urea ein, zur Pflege trockener Haut. Die gibt es fast überall und sehr günstig. Zurück zum Begriff apothekenexklusiv. Da es dafür keine gesetzliche Grundlage gibt, wäre es falsch zu sagen, dass Drogerien Bepanthol und Co. nicht anbieten dürfen. Nur können sie diese Produkte für gewöhnlich gar nicht erst einkaufen: Die Hersteller liefern ausschließlich an Apotheker und deren Großhändler, manche vereinbaren sogar Sanktionen, sollte gegen ihr Weiterverkaufsverbot an Dritte verstoßen werden.

Apothekenmarken in Drogerien bedeuten meist einen Verstoß gegen das Weiterverkaufsgebot

Sieht man Apothekenmarken in Drogerien, muss man davon ausgehen, dass gegen Vereinbarungen verstoßen wurde – oder dass es eine spezielle Absprache gegeben hat. Das passt den Apothekern nicht, und den meisten Herstellerfirmen auch nicht. Wo im Fall Fulda die undichte Stelle im Vertriebskanal liegt, dürfte sich anhand der Chargennummern (sie kennzeichnen, wo etwas hergestellt wurde) zurückverfolgen lassen. Ich bin gespannt, wie lange die apothekenexklusive Kosmetik außerhalb von Apotheken zu haben sein wird.

Diana Helfrich, Redakteurin und Apothekerin, bloggt über Gesundheit. Dieser Text ist ihrer Seite  www. die-apothekerin-ihres-vertrauens.deentnommen.

BRIGITTE WIR 2/2019

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