PMS – die Qual vor den "Tagen"

PMS – wohl jede Frau hat sich in den "Tagen vor den Tagen" wohl schon mal unwohl gefühlt oder gar Schmerzen gehabt. Doch was hilft gegen die Beschwerden?

PMS – was ist das eigentlich?

Etwa jede vierte Frau im gebärfähigen Alter, die meine Arzt-Praxis aufsucht, leidet wenige Tage vor der Regelblutung unter einem prämenstruellen Syndrom (PMS). Die Patientinnen klagen über Symptome, die ihren Körper, die Stimmung, das Verhalten und die Psyche betreffen. Typischerweise tritt das PMS in der zweiten Zyklushälfte, also etwa ein bis zwei Wochen vor der Periode auf und verschwindet mit Beginn der Periodenblutung wieder. In der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren gibt es kein PMS.

Ursachen: Wer bekommt PMS?

Die genaue Ursache für PMS ist bis heute unbekannt. Man nimmt an, dass die Symptome durch natürliche hormonelle Schwankungen im Zyklus auftreten und dass Frauen unterschiedlich empfindlich darauf reagieren. Auch soll der Lebensstil – Ernährung, Stress, Bewegung – den Schweregrad des PMS beeinflussen. Das prämenstruelle Syndrom ist zwar für die Betroffenen äußerst unangenehm, aber nicht gefährlich und führt auch zu keinen anderen Erkrankungen.

Symptome: Welche Beschwerden treten bei PMS auf?

Generell sind die Beschwerden, mit denen meine Patientinnen zu mir kommen, sind sehr vielfältig und von Frau zu Frau verschieden. Zu den häufigsten körperlichen Symptomen in den Tagen vor der Menstruation zählen:

  • empfindliche oder spannende Brüste, 
  • Rückenschmerzen, 
  • Kopfschmerzen
  • Heißhunger
  • Verdauungsprobleme, 
  • Blähbauch 
  • Gewichtszunahme durch Wassereinlagerungen in Beinen und Händen

Weitere Symptome durch PMDD

Bei einigen Frauen ist der Verlauf des PMS so schwer, dass man medizinisch von einer prämenstruellen dysphorischen Störung ("premenstrual dysphoric disorder", PMDD) spricht. Dabei sind Symptome wie etwa

so ausgeprägt, dass ein immenser Leidensdruck besteht. In einigen Fällen kann dies zu zeitweiliger Arbeitsunfähigkeit führen.

Wer bekommt PMS?

Die genaue Ursache für PMS und dessen Beschwerden ist bis heute unbekannt. Man nimmt an, dass die Symptome durch die natürlichen Hormonschwankungen im Zyklus bedingt sind und dass Frauen unterschiedlich empfindlich darauf reagieren. Auch soll der Lebensstil – Ernährung, Stress, Bewegung – den Schweregrad des PMS beeinflussen. Das prämenstruelle Syndrom ist zwar für die Betroffenen äußerst unangenehm, aber nicht gefährlich.

So stelle ich fest, ob ein PMS vorliegt

Meist reicht ein Gespräch, um die Diagnose PMS zu stellen. Sehr hilfreich ist es für mich, wenn die Patientin über zwei Monatszyklen Tagebuch über ihre Beschwerden führt. Je nach Art der Symptome ist auch eine Blutabnahme in der zweiten Zyklushälfte sinnvoll, um den Progesteron-Spiegel (Gelbkörperhormon, Gestagen) zu bestimmen.

Wie lassen sich die PMS-Beschwerden lindern?

Da sich das prämenstruelle Syndrom in so vielen verschiedenen Symptomen äußert, gibt es auch entsprechend viele Behandlungsmethoden. Ein individuelles Vorgehen ist hier sehr wichtig! Bei der Wahl der Therapie berücksichtige ich neben den Beschwerden auch das Alter der Patientin, eventuell bestehende andere Erkrankungen, die Einstellung zu einer Hormontherapie und den Lebensstil.

Patientinnen unter 35 Jahren empfehle ich bei PMS keine Medikamente, sondern die Pille, sofern keine Kontraindikation für die Einnahme besteht. Dadurch werden die Eierstöcke "ruhiggestellt" und somit die natürlichen Hormonschwankungen unterdrückt. Um Beschwerden während der einwöchigen Pillenpause zu vermeiden, ist eine Einnahme im Langzyklus zu erwägen. Dabei wird die Pille immer für drei bis sechs Monate durchgenommen.

Bitte östrogenfrei!

Bei Frauen über 35 Jahren versuche ich eine PMS-Behandlung mit einer östrogenfreien Pille, denn bei einer Neueinstellung mit einer Kombinationspille (synthetisches Östrogen und Gestagen) haben sie ein erhöhtes Risiko für einen Gefäßverschluss (Thromboembolie). Die östrogenfreie Pille wird durchgehend eingenommen.

Gegen Brustschmerzen hilft meist das Auftragen eines Progesteron-Gels und/oder die Einnahme von Mönchspfeffer (agnus castus) in Tabletten- oder Tropfenform. Das Hormon Gestagen in der zweiten Zyklushälfte verordne ich nur bei einem im Blut nachgewiesenen Mangel. Patientinnen mit einem Gestagenmangel leiden besonders unter Brustspannen und Wassereinlagerungen, aber kaum unter psychischen Symptomen.

Der Gabe von Antidepressiva bei schweren, PMS-bedingten Depressionen stehe ich kritisch gegenüber, denn die Nebenwirkungen sind nicht unerheblich: 

  • Blutbildveränderungen
  • Leberfunktionsstörungen
  • Mundtrockenheit
  • Libidoverlust
  • Gewichtszunahme

Kommen Antidepressiva zum Einsatz, sollten sie maximal sechs Monate eingenommen werden. Mit dem Absetzen kehren leider auch die Symptome zurück. 

Eine Alternative zur Linderung depressiver Verstimmungen ist die Einnahme von Vitamin B6 (50 mg/Tag). Auch Vitamin D (0,025 mg/Tag) und Fisch-Öl-Kapseln (1-2 g der Omega-3-Fettsäuren DHA/EPA pro Tag) können eine Depression, Brust- und Bauchschmerzen sowie Gewichtszunahme positiv beeinflussen.

Du hast es in der Hand

Der letzte, aber nicht unbedeutende Therapieansatz betrifft den Lebensstil der Patientin. So führten bei einigen meiner Patientinnen bestimmte Veränderungen im Alltag zu einer deutlichen Verbesserung ihrer Beschwerden vor und während der Periode. Dazu gehören:

  • Erlernen von Entspannungstechniken (z.B. Autogenes Training, Tai-Chi, progressive Muskelentspannung) 
  • regelmäßiger Sport (mehrmals pro Woche), 
  • Gewichtsreduktion (Übergewicht fördert PMS) 
  • ausreichend Schlaf

Was hilft noch gegen PMS-Beschwerden?

Bei der Ernährung kann ein Verzicht auf Kaffee, Cola, Nikotin, Zucker und Salz in der zweiten Zyklushälfte besonders gegen PMS-bedingte Beschwerden wie Wassereinlagerungen und Brustschmerzen helfen.

Prämenstruelles Syndrom: Was kann ich selbst gegen die Symptome tun?

Den eigenen Lebensstil zu verändern, fällt vielen Frauen ohne fachliche Unterstützung schwer. Deswegen hat der Fachbereich Psychologie der Philipps-Universtät Marburg im Jahr 2013 ein vielversprechendes Selbsthilfetraining, das "prämensis"-Programm, entwickelt.

Basierend auf einer kognitiven Verhaltenstherapie sollen Betroffene anhand verschiedener Module lernen, besser mit ihren prämenstruellen Beschwerden umzugehen und erkennen, was ihnen persönlich am besten hilft. Das kostenlose Programm richtet sich an Frauen zwischen 18 und 45 Jahren, dauert etwa acht Wochen und kann bequem von zu Hause aus durchgeführt werden.

Dr. med. Stefanie Grözinger arbeitet als Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Reutlingen. Seit mehreren Jahren engagiert sie sich zudem für die Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung e.V., die Informationsveranstaltungen in Schulen durchführt.

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Text: Dr. med. Stefanie Grözinger Redaktion: Nicole Wehr
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