Psychisch krank: Was steckt dahinter?

Du fühlst dich seit Monaten leer und weißt nicht, ob das noch normal ist? Ab wann man psychisch krank ist und wie man es herausfinden kann, erfährst du hier.

Psychisch krank: Was bedeutet das überhaupt?

Begriffe wie Depression, Stress und Burnout sind heutzutage als psychische Erkrankungen weit verbreitet. Doch der Umgang und die Berichterstattung mit psychischen Krankheiten fällt nach wie vor sehr einseitig aus. Psychische Störungen werden in der Gesellschaft immer noch stark tabuisiert und niemand möchte sich mit dem Label "psychisch krank“ abstempeln lassen.

Doch was bedeutet es überhaupt, psychisch krank zu sein? Laut "Internationaler Klassifikation der Krankheiten" (ICD) handelt es sich um Abweichungen von der Norm des Erlebens, Befindens und des Verhaltens, die drei Kriterien erfüllen:

  • Häufig
  • Intensiv
  • Lange andauernd

Das ICD klassifiziert die psychischen Krankheiten als psychische Störungen und Verhaltensstörungen. Folgende Krankheiten fallen beispielsweise darunter:

  • Depression
  • Angststörungen
  • Schizophrenie
  • Manisch-depressive Erkrankungen

Psychisch krank: Bin ich betroffen?

Es gibt nicht nur zwei oder drei Indikatoren, anhand derer du ganz schnell testen kannst, ob du an einer psychischen Krankheit leidest. Die Grenzen sind oft fließend und letztendlich kann sowieso nur professionelle Hilfe Aufschluss darüber geben.

Aber bevor wir Hilfe in Anspruch nehmen, stellen wir uns ja selbst Fragen wie:

  • Bin ich einfach faul oder komplett antriebslos?
  • Trauere ich schon viel zu lange um eine verstorbene Person oder eine beendete Beziehung?
  • Trinke ich nur, um mich vorübergehend abzulenken oder bin ich schon komplett abhängig?

Mit verschiedenen Personen aus deiner Familie über deine Probleme zu reden, ist grundsätzlich eine gute Idee. Jedoch solltest du dir nicht aufgrund ihrer Reaktion eine Erkrankung ein- oder ausreden lassen. Viele Freunde reagieren entweder übertrieben oder spielen die potenzielle Erkrankung herunter als "schlechte Phase“.

Psychisch krank: Stell dir diese Fragen für eine erste Einschätzung

  • Hält mich mein Leiden davon ab, dass zu tun, was ich gerne machen möchte?
  • Kann ich mich gar nicht mehr glücklich fühlen?
  • Kann ich meinen Lebensbereichen (zum Beispiel Job oder Familie/Freunde) noch nachgehen, oder leiden diese schon unter meiner potenziellen Erkrankung?
  • Habe ich mich im Vergleich zu vorher stark verändert und gibt es dafür einen Grund?
  • Habe ich sogar Selbstmordgedanken?
  • Bin ich häufig krankgeschrieben?
  • Bemerken andere (Familie/Freunde) die Veränderung?
  • Geht diese Phase schon lange? Länger als drei Monate?
  • Kann ich noch durchschlafen oder habe ich Probleme?
  • Ist mir alles egal, was passiert?
  • Leide ich unter körperlichen Erkrankungen?

In Anlehnung an: "Rosemarie Piontek – Mut zur Veränderung. Methoden und Möglichkeiten der Psychotherapie“

Psychisch krank: Was sind die Ursachen?

  • Menschen wollen immer für alles eine Erklärung. Aber die gibt es nicht immer, auch wenn es für psychische Störungen natürlich Einflussfaktoren gibt, die diese mit ausgelöst haben können. Zuerst kommt da natürlich die Familie in Betracht. Gab es schon psychische Krankheiten bei deinen Eltern? Aber selbst wenn das der Fall ist, muss es nicht heißen, dass du sie auch bekommst.
  • Oft sind es persönliche Schicksalsschläge im Leben: der Verlust des Partners, Frust im Job oder finanzielle Probleme. Jeder Mensch geht auch anderes mit Stress und Belastungen um und im Endeffekt weißt du wahrscheinlich selbst am besten, welche Punkte in deiner Situation den Ausschlag gegeben haben könnten, dass du nicht mehr glücklich leben kannst.
  • Gib dir auf keinen Fall selbst die Schuld für die Situation. Ob du eine Veranlagung für die Erkrankung hast oder nicht – Krankheiten sind menschlich und psychische Erkrankungen lassen sich genauso gut behandeln wie körperliche.

Psychisch krank: Hilfe holen

  • Viele wenden sich nicht an einen Arzt oder Therapeuten, in der Angst, dann gebrandmarkt zu sein und vielleicht sogar in eine Klinik zu kommen. Doch keine Angst! Niemand wird gegen deinen Willen entscheiden, dich irgendwo festzuhalten oder dir eine Therapie verschreiben, die du nicht machen möchtest. Eine stationäre Aufnahme gegen deinen Willen kommt nur in Frage, wenn du eine Gefahr für dich oder deine Umgebung darstellst.
  • Psychiater und Therapeuten gibt es viele, jedoch dauert es meist lange, bis du einen Termin bekommen kannst. Wenn du entschlossen hast, dich an diese zu wenden, hole dir mal von verschiedenen Anlaufstellen Informationen, zu wann du einen Termin bekommen kannst und schreibe es dir auf. Dann kannst du dich auch an deine Krankenkasse wenden und ihnen die Situation schildern. Es gibt die Möglichkeit, dass dir die Krankenkasse die Kosten bei einer privaten Einrichtung übernimmt, wenn es sonst in naher Zukunft keine anderen Optionen gibt.

Burnout vermeiden – wir haben tolle Tipps zur Prävention für dich. Außerdem  gibt es viele Wege zum Stress abbauen. Stress im Job ist auch oft ein Grund, der uns dauerhaft mitnimmt.

Videotipp: Robbie Williams Essstörung und Depression

Robbie Williams

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