Depression: Bekah trägt ihr Leid auf der Haut

Eine 20-jährige Studentin erregt Aufsehen im Netz - mit einem Tattoo und einem Facebook-Post, der ihre Depression sichtbar und fühlbar macht.

(Dear mom and dad, please don’t kill me over this permanent choice. I want you to hear me out.) Today, I am coming out...

Gepostet von Bekah Miles am Sonntag, 23. August 2015

Die Krankheit aus der Tabuzone holen

Oft haben wir keine Ahnung davon, wie es in den Menschen aussieht, mit denen wir Tag für Tag zu tun haben. Wer von ihnen leidet an Depressionen oder einer Angststörung? Anders als ein Infekt oder ein gebrochenes Bein werden psychische Krankheiten tabuisiert und versteckt.

Bei Bekah Miles wussten nicht mal die Eltern Bescheid. Das wollte sie ändern. Um andere auf ihre Depression aufmerksam zu machen, ließ sich die 20-Jährige aus Oregon ein Tattoo stechen: Auf ihrem Oberschenkel steht "I'm fine" ("Mir geht's gut") für alle zu lesen – doch aus Bekahs Perspektive steht dort "Save me" ("Rette mich"). Sechs Buchstaben als Anagramm, das das Dilemma psychisch kranker Menschen sichtbar macht: Die wenigsten wissen, wie schwarz es in den Betroffenen aussieht.

In einem Facebook-Post, der sich an ihre Eltern und Freunde richtet, spricht die Studentin darüber, was hinter ihrem Tattoo steckt, was sie damit bezweckt, und wie sich die Krankheit anfühlt.

So fühlen sich Depressionen an

"Letztes Jahr bekam ich die Diagnose Depression. Wenn ich ehrlich bin, glaube ich, dass das schon länger ein Problem war, aber es wurde so schlimm, dass ich kaum mehr funktioniert habe.

Also habe ich mir heute das Tattoo stechen lassen. Ich denke, mein Bein war der beste Ort für die Bedeutung dahinter. Für alle sieht es aus wie „I’m fine“, aber aus meiner Perspektive heißt es „Save me“. Für mich bedeutet es, dass andere diese Person sehen, der es okay zu gehen scheint, aber der es in Wahrheit überhaupt nicht okay geht. Es erinnert mich daran, dass Leute, die glücklich zu sein scheinen, womöglich mit sich selbst zu kämpfen haben. [...]"

Bekahs Leidens-Liste

  • Depression sind die Morgen, an denen ich nicht in der Lage bin, aufzustehen
  • Depression ist zu viel oder zu wenig Schlaf
  • Depression ist die Hausarbeit, die ich nie fertig bekomme, weil ich mich nicht in der Lage dazu fühle
  • Depression sind die Zusammenbrüche, die ich wegen absolut nichts habe
  • Depression ist zu viel oder zu wenig zu essen
  • Depression sind die Nächte, in denen ich anfange zu weinen, obwohl alles gut läuft
  • Depression sind die 20 Kilo, die ich die ganze Zeit in meiner Brust trage
  • Depression ist der Zwang, permanent abgelenkt zu sein (im Internet, mit Computerspielen, Filmen, TV oder duch Arbeiten), weil ich meinen Gedanken nicht länger als 3 Minuten trauen kann
  • Depression sind die Freundschaften, die unter meiner Unfähigkeit, zu funktionieren, gelitten haben
  • Depression sind die schmerzhaften Gedanken, die ich über mich selbst habe
  • Depression sind die Tränen, die ich weine, weil ich nicht weiß, warum ich mich so wertlos fühle, obwohl ich glücklich sein sollte

"Bitte, bitte, bitte hört nicht auf, darüber zu sprechen"

"Wir kümmern uns um unsere körperliche, aber kaum um unsere psychische Gesundheit. Und das ist ein ernstes Problem. Psychische Krankheiten treffen wahrscheinlich jeden irgendwann im Leben. Wenn es so ein großes Thema ist, warum reden wir dann nicht darüber? [...]"

Dank Bekah redet heute fast eine halbe Million Menschen mehr über die Krankheit - so viele Likes sammelte ihr Post. Sie freut sich, dass ihr Thema so viel Aufmerksamkeit erhält und bittet die Netz-Gemeinde: "Bitte, bitte, bitte hört nicht auf, darüber zu sprechen. Das muss weitergehen!"

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