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Rat der Apothekerin Was hilft bei wehen Gelenken?

Rat der Apothekerin: Eine Frau sitze auf dem Bett und hält sich das Knie
© 9nong / Adobe Stock
Schlucken oder cremen? Die BRIGITTE WOMAN-Redakteurin und Apothekerin Diana Helfrich hat da einen Rat.

"Einmal Ibuprofen, bitte!" In der Apotheke heißt es das sehr oft, und eigentlich müsste man jedes Mal zurückfragen: "Als Tablette? Oder zum Auftragen?" Denn es sind ja längst nicht immer solche Schmerzen das Problem, die nach ein paar Tabletten einfach (erst mal) nicht wiederkommen, wie etwa Kopfschmerzen. Wenn das Knie oder die Hüfte wehtut und man nicht gerade hingefallen ist, liegt häufig ein Gelenkverschleiß zugrunde. Und dann ist der Knorpel leider nicht schon bald wieder wie neu.

Oft wird eine längere Behandlung nötig, und nicht wenige Betroffene therapieren auf eigene Faust. Das Problem dabei: Sobald man Schmerz- und Entzündungshemmer auf Dauer schluckt, haben sie einige ernste Nebenwirkungen im Gepäck, und das sind nicht nur Magen- und Nierenprobleme. Paradoxerweise können sie auch Kopfschmerzen auslösen, den "medikamenteninduzierten Kopfschmerz". Genau das ist der Grund, warum immer nur der Bedarf für vier Tage ohne Rezept über den Tresen gehen darf.

Und jetzt das Gute: Bei der äußerlichen Anwendung fallen die genannten Nebenwirkungen weg, weil sehr viel weniger Wirkstoff im Blut zirkuliert. Klar, Rötungen oder Brennen zum Beispiel kommen vor, dort, wo man die Salbe aufträgt. Die sind aber nicht häufiger als bei einem Placebo. Die "topische Applikation" von Schmerz- und Entzündungshemmern solle "vor der oralen erwogen werden", so steht es auch in den Leitlinienempfehlungen der Fachgesellschaften zur Behandlung der Kniearthrose. Oder einfacher: Erst schmieren, und nur schlucken, wenn das nicht genug bringt.

Creme oder Gel?

Und was ist dann besser, Creme oder Gel? Sowohl Diclofenac als auch Ibuprofen sind vergleichsweise lipophil, halten sich also gern in Fett auf und lösen sich gar nicht gut in Wasser. Darum bleiben sie in einer Salbe oder Creme, die Fett enthält, eher als im wässrigen Gel, statt sich aufzumachen in die Haut. Eine kleine Laborstudie ergab, dass innerhalb von 30 Stunden viermal so viel Wirkstoff in die Haut geht wie bei einer Creme. Weiterer Vorteil des Gels: Durch seinen hohen Wassergehalt entsteht beim Auftragen ein leicht kühlender Effekt.

Bleibt noch die Frage: Ibuprofen oder Diclofenac? Diclofenac ist zwar etwas stärker wirksam. Aber es hat ein massives Umweltproblem, das "im medizinischen Bereich nahezu unbekannt ist", so heißt es in der Abschlusserklärung des vom Bundesumweltministerium gestarteten runden Tisches zum Umgang mit diesem Arzneistoff. Weil er so stabil ist, bleibt er im Wasser und greift zum Beispiel die Niere von Fischen an.

Wer auf "Diclo" schwört, sollte so vorgehen: Nach dem Auftragen die Hände mit einem Papiertuch abwischen, und sie erst danach waschen. Das Tuch dabei nicht einfach zwischen den Händen zerknüllen, sondern nach dem Abreiben einer Hautpartie in der Mitte falten und mit der noch salbenfreien Oberfläche an der nächsten Hautpartie weitermachen. Das ist zwar ein bisschen mühsam, kann aber einer Studie zufolge den Eintrag ins Abwasser um ganze 66 Prozent reduzieren. Alternative sind Einweg-Handschuhe. Ja, die machen auch Müll. Aber der wird verbrannt, und das übersteht auch Diclofenac nicht.

Diana Helfrich ist Apothekerin, Redakteurin und Autorin "Ich glaub, ich hab da was für Sie" (272 S., 15 Euro, Mosaik).

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Brigitte

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