Rauchstopp: Pille statt Kippe

Neun von zehn Rauchstopp-Versuchen enden mit einem Rückfall. Was Medikamente bringen und wo sie auch schaden können.

Mit dem Rauchen aufhören ist nicht leicht, besonders wenn eine wirkliche Sucht im Spiel ist. Und Frauen gelingt, das zeigen Studien, die Nikotin-Entwöhnung sogar noch ein bisschen seltener als Männern, auch wenn sie sehr genau um alle gesundheitlichen Nachteile des Rauchens wissen.

Sprechen im Schlaf ist in diesem Fall ein Anzeichen von Krankheit

Die meisten haben es schon ein paar Mal versucht, bevor sie zu Arzt oder Ärztin gehen und fragen: Gibt es nicht doch ein Medikament? Tatsächlich kann die Kombination aus ärztlicher Beratung und Medikamenten die Erfolgsraten der Nikotin-Entwöhnung bei starken Rauchern (mehr als 10 Zigaretten am Tag) verdoppeln bis verdreifachen. Allerdings greifen insbesondere die verschreibungspflichtigen Medikamente in den Hirnstoffwechsel ein, sie wirken nicht bei jedem gleich und können ähnliche Nebenwirkungen auslösen wie der Nikotin-Entzug selbst, etwa depressive Verstimmungen oder Schlafstörungen.

In Deutschland sind drei Wirkstoffe zur Raucherentwöhnung zugelassen:

Nikotinersatz (rezeptfrei) in Form von Kaugummi, Pflaster, Lutschtabletten oder Inhaler: Die Dosis richtet sich danach, wie stark man geraucht hat, und wird nach sechs bis acht Wochen schrittweise reduziert. Einer neuen US-Studie zufolge ist die beste Strategie die Kombination eines Nikotinpflasters, das einen konstanten Nikotinspiegel über 24 Stunden erzielt, mit beispielsweise Nikotin-Lutschtabletten, wenn man zwischendurch trotzdem mal "Japp" auf eine Zigarette hat. Weil die Nikotin-Wirkung viel langsamer eintritt als bei Zigaretten, geben Nikotin-Ersatzpräparate aber keinen Kick und gelten deshalb nicht als süchtig machende Ersatzdroge. Nebenwirkungen sind unter anderem Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder auch Übelkeit.

Bupropion (auf Rezept): Der Wirkstoff erhöht die Menge und Konzentration der Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin im Gehirn und wurde ursprünglich als Antidepressivum zugelassen. Er imitiert die entspannende, Angst lösende und anregende Nikotin-Wirkung. Die Tabletten werden ungefähr zwei Monate lang eingenommen. Häufige Nebenwirkungen sind Schlafstörungen, Zittern, Kopfschmerzen, Schwindel, Mundtrockenheit und Depressionen. Sehr selten können epileptische Anfälle und Selbstmordgedanken auftreten, ein enger Kontakt zum Arzt ist deshalb wichtig.

Vareniclin (auf Rezept) hat eine zweifache Wirkung: Einerseits ahmt das Medikament, das mehrere Wochen oder Monate lang genommen wird, die Nikotin-Wirkung in abgeschwächter Form nach und reduziert so die Entzugssymptome. Andererseits blockt es die Nikotin-Andockstellen im Gehirn, so dass man bei einem Rückfall keinen Kick von der Zigarette bekommt und das Rauchen deshalb uninteressant wird.

Die häufigsten Begleiterscheinungen sind allerdings unangenehm: Übelkeit, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Albträume. Schwere Nebenwirkungen wie Halluzinationen oder Selbstmordgedanken sind sehr selten, dennoch ist enger Kontakt zum Arzt wichtig. Von allen Substanzen für Nikotin-Entzug ist die langfristige Erfolgsquote bei Vareniclin am höchsten. Die Herstellerfirma bietet begleitend ein kostenloses Motivationsprogramm an, mit täglichen Durchhalte-SMS, vielen Infos und einem Tagebuch.

Die Medikamente kosten 50 bis 100 Euro pro Monat und müssen selbst bezahlt werden. Bleibt die Frage: Soll man schwere Nebenwirkungen riskieren, um das Rauchen aufzugeben? Ja, findet Dr. Frank Mathers, Experte für Nikotin-Entwöhnung: "Jedes Jahr sterben 140.000 Menschen in Deutschland am Rauchen. Da sind die Medikamente das kleinere Übel."

Dr. Martina Pötschke-Langer, Expertin für Krebsprävention und Tabakkontrolle am Deutschen Krebsforschungszentrum, sieht das anders: "Über 90 Prozent der Ex-Raucher haben es ohne Medikamente geschafft", erklärt sie. Viele Entzugswillige scheitern ihrer Meinung nach eher, "weil sie sich zu wenig Gedanken machen, was ihnen beim Ausstieg helfen könnte, zum Beispiel sportliche Aktivitäten."

Das bringt der Rauchstopp

Nach 8 Stunden: Der Gehalt an Sauerstoff im Blut steigt. Nach 2 Tagen: Riechen und Schmecken werden intensiver. Nach 3 Tagen: mehr Puste bei körperlicher Anstrengung. Nach 1 Monat: Der Raucherhusten verschwindet, das Immunsystem wird stärker. Nach 1 bis 2 Jahren: Das Herzinfarktrisiko sinkt um die Hälfte. Nach 10 Jahren: Das Risiko für Lungenkrebs halbiert sich.

Infos, Test und Hilfe:

Wie abhängig sind Sie von Zigaretten? Testen Sie sich auf www.brigitte.de/rauchertest. Mehr Infos und ein ganzes Rauchstopp-Programm: www.brigitte.de/nichtrauchen. Außerdem: Rauchertelefone des Deutschen Krebsforschungszentrums 062 21/42 42 00 und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 018 05/31 31 31 (14 Cent/Minute).

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann Ein Artikel aus Heft 19/2010
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