Selektive Essstörung: Ein Leben lang nur Pizza und Pommes?

Könnt ihr euch vorstellen, euch ausschließlich von Pommes und Spiegelei zu ernähren - ein Leben lang? Für Menschen mit selektiver Essstörung ist dieses Szenario bittere Realität.

Pommes, Pizza & Co.

Jeden Tag Pommes und Spiegeleier: Für Katey Loughran aus Großbritannien standen diese Gerichte rund 30 Jahre auf dem täglichen Menüplan. Das hatte nichts mit Faulheit zu tun. Der Grund war: Wenn sie an andere Lebensmittel dachte, überkamen sie Panikattacken. "Sobald etwas anderes in die Nähe meines Mundes kommt, muss ich würgen", erklärte sie der britischen "Daily Mail". Selbst bei ihrer eigenen Hochzeit aß die Britin, die trotz Fastfood nicht stark übergewichtig war, ihr selbst ernanntes Leibgericht. Ihre Gäste genossen hingegen ein Drei-Gänge-Menü.

Etwas Ähnliches erlebten auch Stacey Irvin und Claire Simmons aus Großbritannien. Erstere aß 15 Jahre ihres Lebens fast ausschließlich Chicken McNuggets – Obst und Gemüse habe sie laut "Daily Mail" nie angerührt. Kaum verwunderlich, dass sie irgendwann mit schwerem Vitamin- und Mineralmangel ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Simmons hingegen machte ihre Vorliebe für Pizza Margherita im Jahr 2012 publik. Seit ihrem zweiten Lebensjahr hätte sie nichts anderes gegessen. Zu groß sei die Angst vor anderem Essen gewesen, erklärte sie damals der "The Sun".

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Was ist eine selektive Essstörung?

Wissenschaftler bezeichnen diese einseitige Form der Ernährung als selektive Essstörung oder auch 'Selective Eating Disorder' – die betroffenen Personen können zwanghaft nur eine Art Gericht essen, alle anderen Lebensmittel werden nicht akzeptiert. Meist tritt die bislang noch recht unerforschte Störung bereits im Kindesalter auf. Für die Betroffenen zieht die einseitige Ernährung aufgrund des gravierenden Vitamin- und Mineralmangels meist ernsthafte Krankheiten nach sich. Gemeint sind nicht nur Diabetes, Gallensteine, Gicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern auch psychische Probleme wie Depressionen und soziale Beeinträchtigungen. Die Gründe für eine selektive Essstörung können ganz unterschiedlicher Natur sein. Wie das britische Online-Magazin "Really" berichtet, kann das problematische Essverhalten durch ein Trauma oder negative Erinnerungen an bestimmte Gerichte hervorgerufen werden.

Was kann man dagegen tun?

Eins vorweg: Eine Patentlösung für die Krankheit gibt es nicht. Wer eine Essstörung behandeln möchte, sucht meist Hilfe in einer Psychotherapie. Im Falle von Katey Loughran half offensichtlich eine Hypnose-Therapie. "Direkt nach der Hypnose hat sie in eine Birne gebissen, hat Spinat, Kerne, Nüsse, Joghurt, Gurke, Bananen, Bohnen und Äpfel gegessen", erklärte Therapeut David Kilmurry. Langsam aber sicher erweitere sich ihr Speiseplan – ganz zur Freude ihres Mannes.

jg
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