Rezeptfreie Schmerzmittel: Hilfe mit Nebenwirkungen

Rezeptfreie Schmerzmittel lindern Schmerzen und Entzündungen - eine neue Übersichts-Studie zeigt jedoch: Wer regelmäßig Schmerzmittel nimmt, muss mit schweren Nebenwirkungen rechnen. Ein Überblick.

ASS (Acetylsalicylsäure): Der Klassiker der rezeptfreien Schmerzmittel ("Aspirin") hat gleichzeitig eine entzündungshemmende Wirkung. ASS ist geeignet gegen Kopf- und Zahnschmerzen, Regel- und Gelenkschmerzen, sowie gegen Migräne und die Beschwerden bei leichten Virusinfektionen. Allerdings kann der Wirkstoff oft die Magenschleimhaut reizen und sogar Magenbluten auslösen. Deshalb ASS immer mit viel Flüssigkeit und nur nach dem Essen einnehmen. ASS setzt außerdem die Blutgerinnung herab. Deswegen sollte vor Operationen (auch Zahn-OPs) kein ASS genommen werden. Und auch Schwangere, stillende Mütter, sowie Kinder und Menschen mit Blutgerinnungsstörungen müssen auf ASS verzichten.

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Paracetamol: hilft gegen Schmerzen und Fieber. Es ist etwas weniger wirksam als ASS, dafür aber besser verträglich, da es den Magen nicht angreift. Allerdings bringt das rezeptfreie Schmerzmittel keinerlei Entzündungshemmung und ist wirkt deshalb nicht so gut gegen Rheumaschmerz oder entzündliche Gliederschmerzen. Außerdem sind die Dosierungsanweisungen unbedingt einzuhalten (Tageshöchstdosis für einen Erwachsenen 4 g, bei Kinder gewichtsabhängig). Denn Paracetamol kann leicht überdosiert werden und kann dann zu schweren Leberschäden oder sogar Leberversagen führen.

Ibuprofen: wirkt wie ASS schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend, ist dabei aber meist verträglicher. Es belastet Magen und Darm weniger als ASS und auch der Effekt der Blutverdünnung ist nicht ganz so stark ausgeprägt. Und bei manchen Gelenkbeschwerden hilft es sogar besser als ASS. Einer Studie zufolge verdreifacht sich jedoch das Risiko für einen Schlaganfall, wenn man regelmäßig Ibuprofen nimmt, das Herzinfarkt-Risiko steigt um den Faktor 1,3.

Diclofenac: ist in einer Konzentration von bis zu 25 mg frei in der Apotheke erhältlich. Das Mittel wird vor allem bei entzündlichen Gelenkbeschwerden eingesetzt, da es neben Schmerzen auch gegen Entzündungen wirkt. Diclofenac eignet sich wie ASS nicht für Patienten mit Magenproblemen und nicht für Schwangere und Kinder, weil es ebenfalls die Blutgerinnung hemmt. Auch Diclofenac erhöht bei regelmäßiger Anwendung das Risiko für einen Schlaganfall, das Herzinfarkt-Risiko vervierfacht sich sogar.

Naproxen: lindert ebenfalls gleichzeitig Schmerzen und Entzündungen. Vor allem aber ist er länger wirksam als andere Mittel und eignet sich deswegen gut gegen lang andauernde Schmerzen. So hilft Naproxen oft Frauen, die unter Regelschmerzen leiden. Naproxen kann jedoch starke Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt verursachen.

Triptane: sind keine Schmerzmittel. Sie lindern Migräne, da sie direkt auf die Blutgefäße im Gehirn wirken. Allerdings kommt der Schmerz oft nach zwei bis vier Stunden zurück - häufig stärker als vorher. Eine erneute Tabletteneinnahme hilft dann nur, wenn die Schmerzen nach der ersten Einnahme verschwunden waren. Die Triptane gibt es in Einheiten von zwei Tabletten ohne Rezept, die Ursachen der Migräne sollten aber unbedingt vorher von Arzt oder Ärztin abgeklärt wurden.

Kombinationspräparate: Viele Schmerzmittel vereinen mehrere Wirkstoffe oder enthalten zusätzlich Koffein. Studien bestätigen, dass vor allem die Dreier-Kombination aus ASS, Paracetamol und Koffein Schmerzen schneller lindert als Mittel mit nur einem Wirkstoff. Trotzdem bleiben die Kombi-Präparate umstritten, denn die Nebenwirkungen der einzelnen Wirkstoffe können sich ungünstig addieren. Manche Experten, wie der Kieler Schmerzspezialist Hartmut Göbel, sehen noch ein weiteres Problem: "Wer mit Medikamentenkopfschmerz zu uns kommt, hat oft Mittel genommen, die mehrere Präparate und/oder Koffein enthalten."

Schmerzen durch Schmerzmittel

Frei verkäufliche Medikamente eignen sich gut als schnelle Selbsthilfe gegen akute Schmerzen. Viele Menschen greifen jedoch viel zu oft zur frei verfügbaren Tablette: allein 1,5 Millionen sogar täglich. Sie geraten damit in einen fatalen Teufelskreis: Die Mittel wirken nicht mehr, sondern beginnen selbst Kopfschmerzen auszulösen. Wer daraufhin erneut Tabletten nimmt, macht alles nur noch schlimmer, selbst wenn er ein anderes Präparat wählt.

Die einzige Therapie besteht im Absetzen der Medikamente. Der Entzug sollte ärztlich begleitet sein oder in einer Klinik stattfinden. Um diese so genannten Medikamentenschmerzen zu vermeiden, dürfen alle aufgeführten Schmerzmittel und auch die Triptane nicht häufiger als an zehn Tagen im Monat geschluckt werden.

Text: Regina Naumann, Antje Kunstmann Foto: Fotolia.com

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