Ruhe bitte!

Es gibt etwas, das für viele Frauen noch schlimmer ist, als einen Schnarcher im Bett zu haben: selbst schnarchen.

Es ist einfach peinlich. Unsexy, unweiblich. Aber zumindest nicht ungewöhnlich: Ein Viertel aller Frauen zwischen 30 und 39 schnarcht, im Alter über sechzig sogar jede zweite. Das ist die gleiche Quote wie bei Männern dieses Alters. Der lästige Ton entsteht, wenn das weiche Gewebe im Rachen durch die Atemluft ins Flattern kommt, ähnlich einer Fahne im Wind. Das passiert vor allem in engen Rachenräumen - dann wirkt der Luftstrom besonders stark - und beim Atmen durch den Mund: Das so genannte Gaumensegel, das Nasen- und Mundhöhle voneinander trennt, kann dabei leichter als sonst in Schwingungen versetzt werden.

Manchmal sind Polypen oder vergrößerte Mandeln, verstopfte Nasennebenhöhlen oder eine krumme Nasenscheidewand schuld am Schnarchen. Meistens aber haben die unangenehmen nächtlichen Geräusche mehrere Ursachen. Deswegen gibt es leider keine Pillen oder schnelle Patentrezepte dagegen. Generell gilt aber: Alles, was die Atemwege verengt, erhöht automatisch das Schnarch-Risiko. Probieren Sie die folgenden Tipps, dann haben Sie gute Aussichten auf ruhigere Nächte. Peter Spork*

*Peter Spork: "Das Schnarchbuch. Legenden, Auslöser, Gegenmittel", 8,50 Euro, Rowohlt

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Das können Sie selbst tun

Auf der Seite schlafen. Wer auf dem Rücken liegt, schnarcht besonders häufig. Schuld ist die Schwerkraft, die Zunge und Unterkiefer nach unten drückt. Im Rachen wird es dadurch eng. Also beim Einschlafen besser auf die Seite drehen - auch mitten in der Nacht, wenn Ihr völlig genervter Partner Sie womöglich wachgerüttelt hat. Den Rat, sich einen Tennisball in das Rückteil des Schlafanzugs zu nähen, sollten Sie allenfalls für wenige Nächte befolgen. Dem Rücken tut's nicht gut, außerdem wachen Sie häufig auf und fühlen sich am nächsten Tag entsprechend mies.

Wasser statt Wein. Alkohol lockert nicht nur den Umgang mit anderen Menschen, sondern auch die Muskeln. Und das macht es dem Gewebe im Rachen leicht, sich lautstark in Bewegung zu setzen.

Weniger rauchen. Zigaretten reizen die Schleimhäute und können darum leichte Schwellungen hervorrufen. Außerdem steht Nikotin unter Verdacht, ähnlich wie Alkohol Gewebe erschlaffen zu lassen.

Das richtige Abendprogramm. Wer generell schlecht schläft, schnarcht auch besonders oft. Versuchen Sie, mehr Zeit für sich zu reservieren und vor dem Schlafengehen zu entspannen. Außerdem gut: Verzichten Sie abends auf üppige Mahlzeiten und zu heiße oder kalte Bäder.

Vorsicht mit Tabletten. Viele Arzneien, z. B. manche Mittel gegen Allergien, Übelkeit oder Husten, setzen die Muskelspannung herab - und das wirkt sich auch im Rachenraum aus. Lesen Sie deshalb die Beipackzettel von Medikamenten besonders genau. Wer Schlaf- oder Beruhigungsmittel nimmt, sollte das mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Möglichst durch die Nase atmen. Viele Frauen schnarchen, weil sie mit offenem Mund schlafen. Wenn Sie erkältet sind, kann eine Nasenspülung mit Salzwasser schon etwas bringen. Schnell und zuverlässig hilft ein Nasenspray. Aber nicht länger als eine Woche anwenden, sonst leidet die Nasenschleimhaut.

Aufs Gewicht achten. Fettpolster verengen auch den Rachen. Für Mollige gilt deshalb: Mit jedem Kilo weniger werden ruhige Nächte wahrscheinlicher.

So können Ärzte helfen

Den Unterkiefer verlagern. Es gibt spezielle Zahnspangen (ähnlich den Beißschienen für Knirscher), die manche Zahnärzte anfertigen. Sie schieben den Unterkiefer nachts ein wenig nach vorn und schaffen so mehr Platz im Rachen. Allerdings haben die Spangen auch Nebenwirkungen: Verspannungen, Schluck- und Beißprobleme sind möglich.

Schneiden gegen Schnarchen. Bei extremem Schnarchen können spezialisierte HNO-Ärzte das Gewebe an Gaumensegel und Zäpfchen straffen: mit dem Skalpell, dem Laser oder - seit neuestem - mit einer Nadel, die Radiowellen aussendet. Die Krankenkassen zahlen nur in Einzelfällen. Vorsicht: Langfristige Risiken sind zumindest bei Laser- und Radiowellen-Operation noch nicht abschätzbar, und die Eingriffe helfen nicht immer. Zudem können sie mehr schaden als nutzen, wenn die Patientin z. B. ein Schlafapnoe-Syndrom hat. Seriöse Ärzte operieren deshalb erst nach einer ausführlichen Untersuchung im Schlaflabor.

Wann wird’s gefährlich?

Wenn Sie sehr laut und unregelmäßig schnarchen, morgens oft wie gerädert aufwachen und tagsüber extrem müde und schlapp sind, könnte das so genannte obstruktive Schlafapnoe-Syndrom schuld daran sein. Bei dieser gefährlichen Krankheit verschließen sich mitunter mehrere hundertmal pro Nacht für zehn Sekunden bis zwei Minuten die Atemwege vollständig. Die Schlafende wacht ständig auf, um weiterzuatmen, erinnert sich aber nicht daran. Die Folge des schwer gestörten Schlafes sind Bluthochdruck und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt und Schlaganfall sowie Depressionen. Wer stark schnarcht, sollte sich deswegen unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Die Hausarztpraxis oder ein schlafmedizinisches Zentrum sind die richtigen Adressen. Oft verordnet der Arzt oder die Ärztin eine Maske, die durch einen geringen Überdruck verhindert, dass sich der Rachenraum verengt.

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