Schilddrüsenüberfunktion: Was steckt dahinter?

Eine Schilddrüsenüberfunktion sorgt für einen Überschuss an Hormonen, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann. Hier erfährst du mehr darüber.

Was ist eine Schilddrüsenüberfunktion?

Die Schilddrüse beeinflusst eine Vielzahl von Prozessen im menschlichen Körper. Aber sie ist auch störanfällig: Aus verschiedenen Gründen kann sich eine Schilddrüsenüberfunktion ("Hyperthyreose") entwickeln, durch die die Schilddrüse zu große Mengen der Hormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) produziert. Dadurch treten verschiedene Symptome wie zum Beispiel ständige Unruhe und Gewichtsabnahme auf, weil der Stoffwechsel beschleunigt wird. Je nach Ursache lässt sich die Schilddrüsenüberfunktion beispielsweise durch eine Einnahme von Schilddrüsenblockern behandeln.

Ursachen: Wie entsteht eine Schilddrüsenüberfunktion?

Es gibt verschiedene mögliche Gründe dafür, warum die Schilddrüse zu viele Hormone produziert. Folgende Ursachen kommen in Betracht:

  • Autonomie der Schilddrüse: Die Schilddrüse fährt die Hormonproduktion selbstständig hoch, ohne die eigentliche Regulation durch das Gehirn zu beachten. Diese Ursache einer Schilddrüsenüberfunktion kommt bei älteren Menschen vor und geht in den meisten Fällen auf einen chronischen Jodmangel zurück. Ohne eine ausreichende Jodzufuhr kann die Schilddrüse nicht genügend Hormone produzieren – um das auszugleichen, wächst sie. Dadurch können Knoten entstehen. Haben diese Knoten eine gewisse Größe erreicht, kann plötzliche Jodzufuhr zu einer Überproduktion an Hormonen führen. Tipp zur Vorbeugung: Für die regelmäßige Jodaufnahme eignen sich jodiertes Speisesalz und diverse Gemüsesorten wie beispielsweise Champignons, Brokkoli und Spinat.

Dr. med. Iris van de Loo, Fachärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie der Endokrinologie Bremen:

Jod ist der Grundstoff für die Produktion der beiden wichtigsten Schilddrüsenhormone T3 und T4. Es muss über die Nahrung aufgenommen werden, da der Körper es nicht selbst synthetisieren kann.

  • Morbus Basedow: Eine häufige Ursache für eine Schilddrüsenüberfunktion ist eine Autoimmunreaktion des Körpers – das bedeutet, das Immunsystem greift das eigene Gewebe mit Antikörpern an, weil es dieses fälschlicherweise als gefährlich einstuft. Zu einer solchen Reaktion kommt es auch bei der Erkrankung Morbus Basedow, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Oft tritt Morbus Basedow bei Erwachsenen (vor allem Frauen) zwischen 30 und 50 Jahren auf, aber auch Kinder können betroffen sein. Wie die Krankheit entsteht, ist nicht restlos geklärt, Experten vermuten aber ein Zusammenspiel aus Faktoren wie erblicher Veranlagung, Stress und Rauchen.

Es gibt auch seltenere mögliche Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion – dazu zählen die Schilddrüsenentzündung, bestimmte Formen von Schilddrüsenkrebs und zu viel Jodkonsum. Außerdem können Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion in die Überfunktion rutschen – wenn sie eine zu große Menge an Hormonen einnehmen.

Symptome: So erkennt man eine Schilddrüsenüberfunktion

"Die meisten Patienten stellen sich mit Herzrasen, Schwitzen und innerer Unruhe vor. Oft geht es ihnen diffus schlecht und sie können sich nicht erklären, warum das so ist", so Fachärztin van de Loo. Ähnlich wie die Schilddrüsenunterfunktion macht sich auch die Überfunktion durch verschiedene Symptome bemerkbar:

  • Schneller Herzschlag bis Herzrasen
  • Schlafstörungen, dadurch Müdigkeit
  • Erhöhter Blutdruck
  • Innere Unruhe und Nervosität
  • Stimmungsschwankungen
  • Starkes Schwitzen
  • Hohe Wärmeempfindlichkeit
  • Starker Durst
  • Zittern und Muskelschmerzen
  • Menstruationsstörungen
  • Ständiger Heißhunger – bei gleichzeitiger Gewichtsabnahme
  • Schilddrüse ist vergrößert
  • Durchfall / Erbrechen

Ist Morbus Basedow die Ursache der Erkrankung, können zusätzlich Beschwerden an den Augen auftreten – zum Beispiel Druck- oder Fremdkörpergefühl, starkes Tränen oder Sehstörungen.

Frau Dr. med. van de Loo stellt außerdem heraus, wie schwierig es ist, die Beschwerden bei älteren Menschen zu deuten:

Bei älteren Menschen bleiben die Symptome oft unspezifisch und der Betroffene fühlt sich einfach nur schwach. Dann ist es besonders schwierig, die richtige Diagnose zu finden.

Behandlung: Was macht der Arzt bei einer Schilddrüsenüberfunktion?

Der Arzt wird je nach Schwere der Hyperthyreose, der Ursache und dem generellen Gesundheitszustand des Patienten die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion planen. Häufig wird mit Medikamenten behandelt: Sogenannte Thyreostatika ("Schilddrüsenblocker") verhindern, dass zu viele Schilddrüsenhormone im Blut zirkulieren. Die Dosis wird regelmäßig durch Bluttests überprüft und angepasst. 

Ist Morbus Basedow für die Schilddrüsenüberfunktion verantwortlich, haben sich die Symptome meist nach einem Jahr zurückentwickelt und treten bei rund 50 Prozent aller Patienten auch nicht mehr auf. Bei der anderen Hälfte der Patienten wird meist eine Radio-Jod-Therapie oder eine Operation empfohlen, da die Thyreostatika auf Dauer Nebenwirkungen haben können.

Dr. van de Loo: "Medikamente sind oft der erste Schritt in der Therapie einer Schilddrüsenüberfunktion. Je nach Auslöser möchte man aber eine medikamentöse Langzeitbehandlung vermeiden oder sie greift nicht ausreichend, sodass eine Operation der Schilddrüse erwogen wird."

Was kann ich bei einer Schilddrüsenüberfunktion selbst tun?

Neben der medikamentösen Therapie sollten Betroffene einer Schilddrüsenüberfunktion noch einiges im Alltag beachten:

  • Ernährung: Durch den gepushten Stoffwechsel nimmt man häufig ab. Deshalb sollten Patienten darauf achten, genügend Kalorien zu sich zu nehmen – bestenfalls durch eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung. Arbeitet der Stoffwechsel wieder normal, sollten wieder weniger Kalorien aufgenommen werden. Alkohol, Cola und Kaffee werden besser nicht konsumiert – durch das enthaltene Koffein wird der Stoffwechsel nur noch mehr gepusht.
  • Blutkontrolle: Gerade wer sich noch in der Einstellung für die richtige Dosis der Schilddrüsenhormone befindet, sollte regelmäßig die Schilddrüsenwerte beim Arzt kontrollieren lassen.
  • Jodzufuhr: Bei einer Schilddrüsenüberfunktion darf nicht auf einmal zu viel Jod konsumiert werden, z. B. durch jodhaltige Kontrastmittel beim Röntgen.

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Quellen: 

Schilddrüsen-Überfunktion: Mit mehr Wissen zur richtigen Diagnose und Behandlung. Morbus Basedow – Hashitoxikose – heiße Knoten: Grundlagenbuch zur Schilddrüse

Deutsches Schilddrüsenzentrum.de

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