Schilddrüsenunterfunktion: Was steckt dahinter?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion sind nahezu alle Stoffwechselvorgänge im Körper verlangsamt. Was das bedeutet, und wie die Krankheit behandelt wird, lest ihr im Folgenden.

Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion bildet die Schilddrüse weniger Hormone, als der Körper braucht. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion dagegen ist genau das Gegenteil der Fall. Thyroxin und Trijodthyronin beeinflussen nahezu alle Stoffwechselvorgänge. Wenn diese Hormone aber kaum noch produziert werden, wird die gesamte Stoffwechselaktivität gedrosselt, was wiederum Beschwerden verursacht. Daneben beeinflussen die Schilddrüsenhormone den Kreislauf sowie das Gemüt. 

Insbesondere bei Kindern kann die Hypothyreose, wie die Erkrankung fachsprachlich genannt wird, schwere Folgen haben. Der Grund: Das Schilddrüsenhormon ist auch für den körperlichen Wachstum und die Entwicklung des Gehirns zuständig.

Welche Ursachen hat eine Hypothyreose?

Mediziner unterscheiden zwischen drei verschiedenen Formen der Schilddrüsenunterfunktion. Die primäre Schilddrüsenunterfunktion ist die häufigste Form – die Ursache für die Erkrankung liegt in der Schilddrüse selbst. Manche Kinder werden ohne oder mit fehlerhafter Schilddrüse geboren, andere bekommen eine Unterfunktion infolge einer chronischen Entzündung der hormonproduzierenden Drüse. In diesem Fall spricht man von Hashimoto Thyreoiditis, einer Autoimmunerkrankung: Der Körper bildet aus unerfindlichen Gründen spezielle Antikörper, die das eigene Schilddrüsengewebe zerstören. Die Schilddrüse kann somit keine ausreichenden Mengen an Schilddrüsenhormonen mehr produzieren.

Seltener ist die sekundäre Schilddrüsenunterfunktion, deren Ursache in einer erkrankten Hypophyse (Hirnanhangdrüse) liegt. Noch seltener ist die tertiäre Schilddrüsenunterfunktion, die auf eine Schädigung des Hypothalamus zurückgeht. Übrigens: In Deutschland leiden etwa ein Prozent der Bevölkerung an einer Unterfunktion der Schilddrüse Etwa eines von 3.500 neugeborenen Babys kommt mit angeborener Hypothyreose zur Welt.

Welche Symptome kündigen die Hypothyreose an?

Die Stoffwechsel-Erkrankung kündigt sich schleichend an – und wird zu Beginn selten erkannt. Die geringe (oder fehlende) Produktion der Hormone wirkt sich auf unterschiedliche Körperorgane, das Nervensystem sowie auf eure Psyche aus. Folgenden Symptomen solltet ihr Aufmerksamkeit schenken, denn sie deuten auf eine Schilddrüsenunterfunktion hin:

  • Leistungs- und Konzentrationsschwäche sowie Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Teilnahmslosigkeit und erhöhtes Schlafbedürfnis (gleichzeitig oft Schlafstörungen), Kälteempfindlichkeit
  • verlangsamte Reflexe und Muskelverkrampfungen
  • Gewichtszunahme und erhöhte Blutfettwerte (insbesondere Cholesterin) ohne Änderung der Essensgewohnheiten
  • kühle, blasse und trockene Haut
  • spröde, brüchige und ausfallende Haare
  • heisere, tiefe Stimme und langsame Sprache
  • Störungen im Menstruationszyklus
  • Verminderung der Libido und der Potenz bei Männern
  • Schwellungen des Unterhautbindegewebes und des Gesichts; Betroffene wirken "aufgeschwemmt"
  • chronische Verstopfung
  • Kropf an der Schilddrüse, der durch Jodmangel verursacht wird - kann durch Jodzufuhr vermieden werden
  • Verlangsamung des Herzschlags, Vergrößerung des Herzens, niedriger Blutdruck
  • niedriger Blutdruck

Wie wird die Stoffwechselerkrankung festgestellt?

Eine Schilddrüsenunterfunktion wird beim Arzt (z. B. in der Endokrinologie) festgestellt, der anhand der Schilderungen der Symptome eine Diagnose stellen kann. Zu Beginn steht eine Blutuntersuchung – und die Bestimmung des Laborwertes TSH, der Hinweise auf eine Hypothyreose gibt. Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert erhöht. Liegt eine sekundäre oder tertiäre Erkrankung vor, ist der TSH-Wert zu niedrig. Darüber hinaus werden im Bluttest die Schilddrüsenhormonwerte ermittelt. Liegt die Konzentration unter dem Normalwert, lautet ein ärztlicher Befund: Schilddrüsenunterfunktion.

Neben der Blutuntersuchung können auch Verfahren wie Ultraschall oder Szintigrafie wichtige Hinweise liefern. Liegt eine Entzündung der Schilddrüse vor, erscheint das Organ dunkel im Ultraschall. Bei einer Szintigrafie bekommt der Patient eine radioaktive Substanz in die Venen gespritzt – liegt eine Stoffwechselerkrankung vor, nimmt die Schilddrüse diese Substanz nur in geringem Maße oder überhaupt nicht auf.

Behandlung: Was kann man gegen eine Schilddrüsenunterfunktion tun?

Eine Schilddrüsenunterfunktion ist – mit einigen Ausnahmen – nicht heilbar und muss daher dauerhaft mit Medikamenten behandelt werden. Sind die Medikamente gut eingestellt, ist ein normales Leben für die Betroffenen möglich. Das Ziel einer Hypothyreose-Behandlung muss es natürlich sein, den entstandenen Hormonmangel auszugleichen, weshalb dem Körper auch synthetisch hergestelltes Thyroxin zugeführt wird, das auch die Produktion des anderen Schilddrüsenhormons anregt. Meist wird auch Jod verschrieben, da eine Unterfunktion oft mit Jodmangel einhergeht.

In der Regel wird den Patienten eine niedrige Dosis verschrieben, da zu hoch dosierte Präparate zu Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmus-Störungen führen können. Die Enddosis richtet sich jedoch nach dem basalen TSH-Wert sowie dem subjektiven Wohlbefinden des Patienten. Im Laufe der Zeit folgen bei einer Unterfunktion jährliche Kontrolluntersuchungen und Bluttests.

Noch mehr über die Schilddrüse erfährst du in unseren Artikeln Hashimoto Thyreoiditis, Hashimoto Symptome sowie Wie mich meine Schilddrüse fast in die Depression trieb.

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jg / sp
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Bei einer Schilddrüsenunterfunktion sind nahezu alle Stoffwechselvorgänge im Körper verlangsamt. Was das bedeutet, und wie die Krankheit behandelt wird, lest ihr im Folgenden.

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