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Schlafapnoe: Ursache, Symptome, Behandlung

Schlafapnoe: Frau schläft schlecht
© Twinsterphoto / Shutterstock
Bei einer Schlafapnoe leiden Patienten im Schlaf unter mehrfach auftretenden Atemaussetzern. Hier erfährst du, wie das Syndrom entsteht und was dagegen hilft.

Was ist eine Schlafapnoe?

Bei einer Schlafapnoe (Apnoe = griechisch für Windstille, auch "Schlafapnoe-Syndrom") haben die Betroffenen sich wiederholende, nächtliche Atemaussetzer im Schlaf. In vielen Fällen zählt starkes Schnarchen zu den Symptomen. Meist merkt der Patient selbst gar nichts von der Schlafapnoe – es sind eher die Partner, denen die einzelnen Atemaussetzer auffallen, denn diese dauern meist zwischen zehn und 30 Sekunden. Da die Schlafapnoe zu Folgeerkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck führen kann und vor allem müde macht, sollte sie unbedingt behandelt werden, beispielsweise mit einer speziellen Atemmaske, die nachts getragen wird.

Folgen: Wie gefährlich ist das Schlafapnoe-Syndrom?

Eine stockende Atmung löst immer ein Alarmsignal im Gehirn und auch im Körper aus. Dadurch passiert Folgendes:

  • Herzfrequenz wird erhöht
  • Blutdruck wird erhöht
  • Vegetatives Nervensystem wird aktiviert

Bei hohem und vor allem nächtlich hohem Blutdruck sollte immer geprüft werden, ob eine Schlafapnoe vorliegt, damit diese behandelt werden kann. Denn der sonst dauerhaft hohe Blutdruck kann Folgeerkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt auslösen, wie auch Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums, Facharzt für Innere Medizin, Pulmologie und Somnologie an der Charité Berlin bestätigt: "Die Atmungsaussetzer belasten das Herzkreislauf-System, die nächtlichen Sauerstoffabfälle das Gehirn. Langzeitfolgen sind neben dem Bluthochdruck auch Herzrhythmusstörungen, Diabetes, dementielle und andere Erkrankungen." 

Schlafapnoe: Prof. Fietze
Prof. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums, Facharzt für Innere Medizin, Pulmologie und Somnologie an der Charité Berlin
© Anke Illing

Durch den schlechten Schlaf können außerdem folgende häufige Symptome auftreten:

  • Verringerte Leistungsfähigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Anhaltende Müdigkeit, was auch gelegentliches Einnicken begünstigt. Im Straßenverkehr kann das beispielsweise extrem gefährlich sein.

Ursachen und Risikofaktoren: Obstruktive und zentrale Schlafapnoe

In der Medizin werden zwei verschiedene Formen der Schlafapnoe unterschieden, die auch die hauptsächlichen Ursachen beschreiben:

Obstruktive Schlafapnoe

Die obstruktive Schlafapnoe ist die häufigere der zwei Formen und entsteht, wenn die oberen Atemwege nachts kollabieren. Dafür gibt es eine Ursache und verschiedene provozierende Umstände: Ursache ist eine Fehlfunktion der Nerven, die nachts die Muskulatur im Rachen ansteuern/aktivieren. Provozierende Faktoren sind:

  • Übergewicht: Übergewicht ist einer der Risikofaktoren für Schlafapnoe – die Krankheit ist unter übergewichtigen Menschen weit verbreitet. "Übergewicht provoziert Schnarchen und Atmungsstörungen durch geringe Fettablagerungen im Rachen und durch den zunehmenden Halsumfang, ist aber meist keine alleinige Ursache", erklärt Prof. Fietze.
  • Rückenlage: Wenn die Muskulatur im Rachen erschlafft, dann auch der Zungengrund. Bei der Rückenlage spielt daher die Zunge bei der vorübergehenden Verlegung des Atemweges eine entscheidende Rolle.
  • Übermäßig starke Muskelentspannung: Bestimmte Genussmittel wie Medikamente, Zigaretten, Drogen oder Alkohol können die Muskelentspannung noch verstärken und begünstigen dadurch Schlafapnoe.
  • Anatomie: Anatomische Besonderheiten wie beispielsweise ein stark zurückliegender Unterkiefer oder extrem vergrößerte Mandeln  erhöhen den Atemwiderstand und engen den Rachenraum ein.

Sind die Atemwege einmal verengt, erhält die Atemmuskulatur zwar vom Gehirn weiterhin den Befehl, Luft zu holen. Die Muskeln sind aber nicht stark genug, die Luft durch die geschlossenen Atemwege zu transportieren. Es entsteht eine Atempause – und dem Körper fehlt für diesen Moment Sauerstoff. Dadurch sinkt wiederum der Sauerstoffgehalt im Blut, es sammelt sich Kohlenstoffdioxid im Blut, im Gewebe und im Gehirn an. In letzterem wird dadurch automatisch ein Alarm ausgelöst. Der Körper erhöht durch einen Weckreiz augenblicklich seine Aktivität, was dazu führt, dass er plötzlich wieder Luft holen kann. Damit wird die Sauerstoffversorgung des Körpers wieder sichergestellt, bis es zum nächsten Atemaussetzer kommt.

Dieser Vorgang wiederholt sich bei Betroffenen mit Schlafapnoe mehrmals bis zu hunderte Male in der Nacht. Die Patienten können sich in der Regel am nächsten Tag nicht mehr daran erinnern, die Schlafapnoe sorgt aber dafür, dass ihr Schlaf nicht sehr erholsam ist. In der Folge leiden die Betroffenen meist an starker Müdigkeit am Tag.

Von der obstruktiven Schlafapnoe sind vor allem ältere Männer betroffen: Im Alter von 40 bis 60 leiden etwa 20 Prozent von ihnen an dem Schlafapnoe-Syndrom, zwischen 65 und 70 sind es schon 60 Prozent. Frauen bleiben oft bis zu den Wechseljahren von Schlafapnoe verschont. Aber warum ist das so? "Es ist bis heute nicht geklärt, ob es an unterschiedlichen Hormonen oder an der Anatomie liegt, oder es einfach unterschiedlich vererbt wird", so Prof. Fietze dazu.

Zentrale Schlafapnoe

Nur bei etwa jedem zehnten Fall von Schlafapnoe spricht man von der sogenannten zentralen Schlafapnoe, deren Ursache im Gehirn verortet ist und beispielsweise durch eine Herzkreislauferkrankung wie eine Herzschwäche oder einen Schlaganfall entstehen kann. Dabei sendet die Atemsteuerzentrale im Gehirn keinen Impuls mehr, um zu atmen. Erst wenn das nicht ausgeatmete Kohlendioxid über einen kritischen Wert im Blut steigt, sendet das Gehirn einen erneuten Atemimpuls. Bei manchen Patienten ist die Atmung vor dem Atemaussetzer sehr flach – das wird als Cheyne-Stokes-Atmung bezeichnet.

Die Wahrscheinlichkeit, an der zentralen Schlafapnoe zu erkranken, steigt mit dem Alter. Schätzungen zufolge ist jeder Vierte über 60 davon betroffen.

Muss ich beim Verdacht auf Schlafapnoe in ein Schlaflabor?

Steht der Verdacht auf Schlafapnoe im Raum, kann dieser meist zunächst von Zuhause aus überprüft werden. Dafür bekommt der Patient vom Arzt bestimmte Messgeräte ausgeliehen, die alle Informationen zur Atmung bzw. Atempausen, zum Puls, zum Sauerstoffgehalt im Blut und zur Körperlage aufzeichnen. Diese Messung wird als Polygraphie bezeichnet und reicht oft schon aus, um eine erste Diagnose zu stellen.

Für eine gründlichere Untersuchung oder um den Verdacht auf ein Schlafapnoe-Syndrom zu bestätigen, kann der Arzt den Betroffenen auch an ein Schlaflabor überweisen, wo die sogenannte Polysomnographie durchgeführt wird. Die dortigen Untersuchungen sind umfänglicher als die Messung zuhause, aber absolut schmerzfrei und stören die meisten Patenten auch nicht beim Schlaf.

Therapie: Wie lässt sich Schlafapnoe behandeln?

Eine Schlafapnoe wird in der Regel individuell behandelt, je nach Form können verschiedene Arten der Therapie zum Einsatz kommen. Folgende Behandlungsmethoden können angewendet werden:

  • Atemmaske: Die spezielle Atemmaske wird nachts getragen. Über ein mittels Atemschlauch verbundenes Gerät wird mithilfe von leichtem Überdruck Raumluft in die Nase (oder Nase und Mund) und damit in den Rachen und in die Lunge geblasen, wodurch der Verschluss der oberen Atemwege und damit Atmungsstörungen verhindert werden. Meist lernt der Patient im Schlaflabor, wie die Maske korrekt angewendet wird.
  • Abbau von Übergewicht: Bei einer obstruktiven Schlafapnoe hilft es oft, überschüssiges Gewicht abzubauen, um die Schlafapnoe zumindest zu lindern, selten mal auch loszuwerden.
  • Geräte, die die Rückenlage verhindern: Nur wenn die Schlafapnoe fast nur in Rückenlage auftritt, helfen Geräte, die einen Alarm auslösen, wenn sich der Schlafende auf den Rücken drehen will. Dazu kann es schon reichen, einen Tennisball in den Rückenteil des Schlafanzugs einzunähen. Zu empfehlen nur für sonst gute Schläfer. 
  • Hochgelagert schlafen: Wird der Oberkörper etwas hochgelagert, lässt sich zum Beispiel eher verhindern, dass die Zunge in den Rachenraum rutscht oder Flüssigkeit sich in den Halsbereich umlagert. Auch das kann ein Mittel gegen eine leichte Schlafapnoe sein.
  • Biss-Schienen: In leichten und mittelschweren Fällen können speziell angefertigte Biss-Schienen die Schlafapnoe verhindern.
  • Verzicht auf Genussmittel: Auf typische Genussmittel wie Alkohol und Zigaretten sollte verzichtet werden. 
  • Medikamentenwechsel: Wenn Medikamente die Schlafapnoe auslösen, sollte man mit dem Arzt darüber sprechen, ob es eventuell alternative Präparate gibt.

Operation gegen Schlafapnoe: Wie sinnvoll ist diese Therapie?

Hat die Schlafapnoe anatomische Gründe, kann je nach Fall eine Operation in Betracht gezogen werden, so Prof. Fietze: "Wenn die Zunge niedrig liegt und das Gaumensegel inklusive Zäpfchen den Atemweg relevant einengen, ist eine minimalinvasive Operation manchmal sinnvoll. Sie ist indiziert, wenn zusätzlich die Mandeln deutlich vergrößert sind." Bei einigen Patienten kann auch ein sogenannter Zungenschrittmacher eingesetzt werden, der den Nerv stimuliert, der die Zungenmuskulatur steuert. So werden die Atemwege nachts offen gehalten.

Welche Therapie in Betracht kommt, sollte der Patient individuell mit seinem Arzt klären.

Lesetipps: Hier erfährst du alles über Schlafstörungen, wie Stressmanagement dir dagegen helfen kann und was du über ein Burnout wissen solltest. Noch mehr Informationen zum Thema Schlaf gibt es in Prof. Fietzes Buch "Deutschland schläft schlecht: Wie Schlafmangel uns alle krank macht und was Sie dagegen tun können."

 

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Quellen:

Prof. Dr. med. Ingo Fietze, Leiter des Interdisziplinären Schlafmedizinischen Zentrums, Oberarzt, Facharzt für Innere Medizin, Pulmologe und Somnologe am Charité Berlin

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e. V.: HNO-spezifische Therapie der obstruktiven Schlafapnoe bei Erwachsenen (Stand September 2015)

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft Schlafmedizin der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V.: Diagnostik und Therapie des Schnarchens des Erwachsenen (Stand März 2017)

Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin: Nicht erholsamer Schlaf/Schlafstörung, Kapitel Schlafbezogene Atmungsstörungen bei Erwachsenen (Stand August 2017)


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