Schlafstörungen im Alter: Das hilft wirklich!

Der Schlaf kommt von allein, sagt Schlafforscher Professor Ingo Fietze. Und auch Fernsehen im Bett findet er völlig in Ordnung.

Professor Fietze, dass man im Alter automatisch unter Schlafstörungen leidet, halten Sie für einen Mythos ...

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Ingo Fietze: Genauso ist es! Allein diese Annahme wirkt sich bei einigen Menschen wie eine selbsterfüllende Prophezeiung aus. Das halte ich für problematisch, denn 3o Prozent sind begnadete Schläfer und bleiben es ihr Leben lang. Weitere 30 Prozent sind sensible Schläfer. Sie stören sich, besonders in der Einschlafphase, an jeder Lichtquelle, am Ticken der Uhr oder am Atmen des Menschen neben sich. Wirklich schlafgestört sind sie deshalb noch nicht.

Es ist ja so: Wenn wir älter werden, bekommen wir nicht nur Falten, auch unser Schlaf altert: Wir haben ein bisschen weniger Tiefschlaf, träumen etwas weniger, haben häufiger kurze, nächtliche Wachphasen. Aber die bekommen wir nicht mit – und schlafen weiter. Das ist alles ganz natürlich und nichts, worum man sich sorgen muss.

Kann sich denn der Schlaftypus ändern? Wird man von der morgendlichen Lerche zur Nachteule oder umgekehrt?

Nein. Vielmehr tendieren wir in jungen Jahren zur Eule, die spät ins Bett geht und spät aufsteht. Das Verhalten normalisiert sich im Laufe des Lebens. Wenn wir älter werden, neigen wir tatsächlich eher zur Lerche. Anders ist es aber nicht dramatisch, wenn man bereits um 20 Uhr müde wird und früh um vier hellwach. Dann hat man zwar noch gesunde siebeneinhalb Stunden Schlaf, aber eine vorverlegte Schlafphase. Man kann diese Phase wieder anpassen, damit man am sozialen Leben teilhaben kann. Hilfe bieten notfalls auch Spezialisten oder Schlafzentren in Krankenhäusern.

Aber was ist, wenn ich nachts wach werde und nicht mehr einschlafen kann?

Steh auf, lies, stricke. Tu einfach irgendwas. Der Schlaf kommt von allein. Oder guck eine möglichst langweilige Tier-Doku.

Bildschirme strahlen wach machendes blaues Licht ab. Brauchen wir nicht Dunkelheit, um das Schlafhormon Melatonin zu bilden?

Wenn dir Fernsehen beim Einschlafen hilft, ist es völlig in Ordnung. Und die Wirkung von Melatonin wird etwas überschätzt. Es ist ein eher schwaches Schlafhormon.

In Milch steckt das Schlafhormon Tryptophan – ein Schlummertrunk?

Wenn du schlaffördernde Milchmengen zu dir nehmen willst, musst du schon etliche Liter trinken! Aber etwas Warmes als Einschlafhilfe ist schon eine gute Idee. Denn der Magen arbeitet dann und zieht dazu auch Blut ab aus dem Gehirn. Das macht schläfrig – denk an das Tief nach dem Mittagessen.

Dann hilft auch das berühmte Betthupferl, um besser einzuschlafen?

Absolut! Statt hungrig zu Bett zu gehen, ist es besser, eine Kleinigkeit zu essen. Das, was du zu dir nimmst, sollte warm, aber auch süß, beziehungsweise kohlenhydratreich sein. Ein Stück Käse zu knabbern, tut nicht so gut, denn Eiweiße halten wach.

Professor Ingo Fietze leitet das Interdisziplinäre Schlafmedizinische Zentrum an der Charité und ist Autor des Bestsellers "Die übermüdete Gesellschaft" (240 S., 20 Euro, Rowohlt).

BRIGITTE WIR 2/2019

Wer hier schreibt:

Angela Schoeneck Ingo Fietze
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