Halitosis: 13 Tipps gegen Mundgeruch

Die anderen bemerken ihn immer zuerst: beim ersten Date, beim vertraulichen Geflüster oder beim Gute-Nacht-Kuss. Mundgeruch oder "Halitosis" kann ein Beziehungskiller sein. Wo er herkommt und was wir dagegen tun können.

Tipps gegen Mundgeruch: Frau versteckt Mund unter Decke
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Tatort Mundhöhle

Auch die empfindlichste Nase nimmt das Aroma des eigenen Atems nicht wahr - selbst wenn die für andere zumutbare Schmerzgrenze längst überschritten ist. Bemerkt wird die Peinlichkeit Mundgeruch immer nur von anderen - und die sagen nur selten, was sie stört.

Zum Glück haben sich Forscher des kleinen medizinischen Problems und seiner mitunter großen Folgen angenommen. Mel Rosenberg zum Beispiel, Professor für Zahnheilkunde und Mikrobiologie an der Universität von Tel Aviv, geht Halitosis schon seit fünfzehn Jahren auf den Grund: "Schlechter Atem stammt entgegen weit verbreiteter Meinung fast nie aus dem Magen, sondern zu 85 bis 95 Prozent direkt aus der Mundhöhle." Und dagegen lässt sich etwas tun - am wirkungsvollsten da, wo er entsteht.

Wer sind die Übeltäter?

In der Mundhöhle wachsen täglich rund 100 Milliarden Bakterien heran. Sie fühlen sich wie im Schlaraffenland und drängeln sich auf Zahnfleisch, Zunge und Zähnen. Essen gibt es dort im Überfluss und das mehrmals täglich. Allerdings tragen nicht alle Mundhöhlenbewohner zur Halitosis bei. Übeltäter sind bestimmte Bakterien, die eine Vorliebe für eiweißhaltige Kost haben. Wenn sie sich über Fisch- oder Käsereste hermachen, produzieren sie gleich einen ganzen Cocktail von Geruchsstoffen mit einer Note, die an verfaulte Eier erinnert.

Normalerweise sorgt ständiger Speichelfluss für die laufende Beseitigung solcher Stoffe. Ist die mundeigene Wasserspülung allerdings defekt, wird der Mund trocken. Dadurch bleiben mehr Essensreste zurück und deren Zersetzung fängt an zu riechen.

Gründe für Mundtrockenheit gibt es viele

Nach Einnahme bestimmter Medikamente (zum Beispiel Antidepressiva), während des Fastens oder einer Diät, in Phasen großer Anspannung, vor Prüfungen, unter Stress oder auch nach Dauergesprächen kann der Mund trocken werden. Der morgendliche Mundgeruch kommt auch daher. Die Speichelproduktion wird während des Schlafs eingestellt oder auf Sparflamme gesetzt. Der Mund trocknet aus.

Das Gute: Mundgeruch warnt vor chronischen Krankheiten

So wichtig Mundhygiene ist - auch mit gründlich geputzten Zähnen und geschrubbter Zunge kann Mundgeruch entstehen. Wird schlechter Atem zu einem Dauerzustand, sollte man nach den Ursachen fahnden, denn dahinter können sich zahlreiche, zum Teil sogar chronische Erkrankungen verbergen.

Der Geruch kann sogar Hinweise für die Diagnose geben. Dazu allerdings muss der behandelnde Arzt seine Nase zum Einsatz bringen. Riecht der Atem aus der Nase deutlich schlechter als die Luft aus dem Mund? Das spricht für eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung, Nasenpolypen oder trockene Nasenschleimhäute. Riecht der Patient über einen langen Zeitraum hinweg direkt aus dem Mund, könnte es sich um eine chronische Bronchitis handeln. Schmerzt gleichzeitig der Hals, kommt eine chronische Mandelentzündung als Ursache infrage.

Auch kranke innere Organe produzieren Geruchsstoffe. Faulige Geruchsnoten können auf eine Lungenerkrankung, sauer-faulige auf eine chronische Gastritis hinweisen. Riecht es nach Fisch oder Urin liegt es möglicherweise an einer kaputten Niere. Frischer Lebergeruch entsteht bei einer Leberzirrhose. Ein Geruch nach Aceton zeigt an, dass sich ein Zuckerkranker in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet. Er hat zuviel Zucker im Blut und benötigt dringend Insulin.

So gesehen ist Mundgeruch nicht nur eine Beleidigung für unsere feinen Nasen. Er warnt vor chronischen Krankheiten, hält Feinde fürs Immunsystem draußen und weist auf nachlässige Mundhygiene hin. Ist also eigentlich gar nicht so übel. Vor allem wenn uns Freunde rechtzeitig sagen, dass sie uns nicht mehr riechen können.

13 praktische Tipps gegen Halitosis

  1. Fettarme Nahrung: Durch fettarme Nahrung werden weniger Stoffwechselprodukte über die Atemluft ausgeschieden - unser Atem ist frischer.
  2. Esst viel Gemüse: Mit seiner basischen Wirkung gleicht Gemüse die mitunter saure Umgebung im Magen-, Darmbereich aus und wirkt der Halitosis entgegen.
  3. An apple a day ...: Diesen Spruch gibt es nicht umsonst, aber ihr könnt auch auf Karotten oder Sellerie zurückgreifen. Alle drei Rohkostsorten wirken wie eine natürlich Zahnbürste und reiben Fäulnisbakterien von euren Zähnen.
  4. Trinkt viel Wasser: Der eine oder andere mag oder kann am Tag nicht so viel trinken, wie er sollte. Wir können euch nur ans Herz legen, es trotzdem zu tun, eurer Mundhygiene zuliebe. Denn Wasser enthält weder Zucker noch Säure, die euren Atem verschlechtert, und spült Fäulnisbakterien aus dem Mund.
  5. Kaffee ist ein No-Go: Trinkt lieber grünen Tee, wenn ihr wach bleiben wollt. Er trocknet den Mund nicht aus wie das Koffein im Kaffee, enthält wenig Säure und wirkt basisch. Perfekt gegen Mundgeruch!
  6. Frische Minze kauen: Frische Minze oder Petersilie wirkt mit dem darin enthaltenen Chlorophyll gegen geruchsintensive Schwefelverbindungen im Mund. Dasselbe gilt für die ätherischen Öle in Gewürznelken und Fenchel.
  7. Probiotika gegen gärende Lebensmittel: Bestimmte Obstsorten, frische Hefeprodukte oder auch rohes Getreide sind stark gärende Lebensmittel. Deren Zersetzung im Magen äußert sich manchmal über schlechten Atem. Probiotische Nahrungsmittel wie Joghurt können Abhilfe schaffen.
  8. Benutzt täglich Zahnseide: Putzt eure Zähne nicht nur mit der Bürste, sondern reinigt die Zahnzwischenräume auch mit Zahnseide. Gerade in den kleinen Zwischenräumen lagern sich gern Essensreste ab, die riechen, wenn sie nicht beseitigt werden.
  9. Zunge putzen nicht vergessen: Bakterien tummeln sich besonders gern auf dem Zungenrücken. Forscher haben ihn inzwischen als eine der häufigsten Quellen für schlechten Atem ausgemacht. Warm, feucht, übersät von winzigen Vertiefungen und reich an kulinarischen Genüssen ist er ein luxuriöser Lebensraum für Mundbakterien. Benutzt einen Zungenschaber oder bürstet mit einer in Mundwasser getauchten Zahnbürste die Zunge ab - auch den hinteren Teil.
  10. Alkohol - noch ein No-Go: Vor allem im Mundwasser, denn Alkohol trocknet die Mundhöhle aus. Und ohne Speichelfluss werden die Bakterien nicht ausgespült. Daher empfehlen wir ein alkoholfreies Mundwasser für die tägliche Hygiene.
  11. Zuckerfreier Kaugummi: Bei Mundtrockenheit bringt Kaugummi den Speichelfluss in Gang. Zuckerfrei sollte er jedoch sein - sonst droht Karies und damit Mundgeruch.
  12. Duftender Lipgloss: Es gibt einfach Situationen, in denen wir nicht sofort die Zahnbürste zur Hand haben. Da hilft nur eins: Kaschieren. Und das am besten mit einem duftenden Lipgloss.
  13. Professionelle Zahnreinigung: Zahnarztpraxen bieten eine einstündige Grundreinigung ("Professionelle mechanische Reinigung") an und informieren individuell darüber, wo sich in eurem Mund versteckte Quellen für Mundgeruch befinden und was ihr in eurem Fall dagegen tun könnt.
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