Funktioniert das Prinzip Abschreckung?

Schwarze Lungen, faule Zähne, Raucherbeine: Ab Mai werden neue Zigaretten-Packungen mit Schockfotos versehen. Doch wirken die Abbildungen wirklich abschreckend auf Raucher?

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Seit rund 13 Jahren zieren deutlich sichtbare Warnhinweise die Breitseiten der Zigaretten-Packungen, nun werden die Texte mit abschreckenden Bildern kombiniert. Ab Mai 2016 sollen rund zwei Drittel der neu produzierten Packungen mit Schockfotos von faulenden Zähnen, zerstörten Lungenflügeln und riesigen Geschwüren am Hals versehen sein. Eine Maßnahme, die weltweit schon seit Jahren praktiziert wird, nun zieht Deutschland nach. Übrigens: Auch E-Zigaretten-Nutzer werden nicht verschont. Künftig ist den E-Zigaretten ein Beipackzettel über Risiken und Nebenwirkungen beigefügt.

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Studie zeigt: Schockfotos zeigen Wirkung

Wie ein Team um Psychologin Abigail Evens von der Ohio State Universität in Columbus in einer Studie ermittelt hat, wirken Schockfotos tatsächlich abschreckend auf Raucher. Das Forschungsteam teilte 293 Raucher im mittleren Alter, die im Durchschnitt etwa 16 bis 17 Zigaretten pro Tag rauchten, in drei Gruppen ein. Gruppe eins erhielt die üblichen Packungen mit Warnhinweisen, Gruppe zwei probierte sich an Schachteln mit abschreckenden Bildern, Gruppe drei erhielt Zigarettenpackungen mit Bildern und ausführlichen Texthinweisen.

Das Resultat: Die meisten negativen Gefühle wurden bei Gruppe zwei ausgelöst – und das wirkte sich wiederum direkt auf die Absicht aus, mit dem Rauchen aufzuhören. Generell erinnerten sich die Probanden auch nach dem Ende der Studie besser und länger an die aufgedruckten Textinformationen, wenn diese im Bild-Zusammenhang standen. Das galt allerdings nur für die kurzen, bekannten Warnhinweise. Umfangreiche Informationen auf Zigaretten-Schachteln senkten überraschenderweise die Glaubwürdigkeit der Warnung.

Bilder steigern Glaubwürdigkeit

Dass die Schockfotos negative Emotionen bei den Probanden auslösten, belegt, dass das Prinzip Abschreckung auf fruchtbaren Boden stößt. Die negativen Affekte bewirkten, dass die Teilnehmer der Studie mehr Informationen über die Risiken des Rauchens einholten – und diese prüften. Die Bilder hätten die Informationen glaubwürdig gemacht, die Risikowahrnehmung erhöht und die Absicht verstärkt, Zigaretten aufzugeben. Natürlich sagt die Studie nichts darüber aus, wie viele Probanden das Rauchen aufgegeben haben. Doch letztlich geht es vor allem um die umfassende Gesundheitsinformation, auf deren Basis Raucher entscheiden können.

Übrigens: Deutschland ist neben Bulgarien das einzige europäische Land, dass immer noch Plakatwerbung, Werbung an Verkaufsstellen und Werbefilme im Kino ab 18 Uhr für Zigaretten erlaubt.

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