Schon gewusst? Medikamente wirken bei Frauen anders!

Nicht nur der Verlauf von Krankheiten kann bei Männern und Frauen unterschiedlich sein – sondern auch die Wirkung von Medikamenten. Doch die Forschung hängt bei dem Thema hinterher.

Wenn dein Mann schon einmal den berühmten Männerschnupfen hatte, weißt du, wie elendig unsere Liebsten leiden können. Aber ganz von ungefähr kommt das Phänomen nicht: Studien belegen, dass am Männerschnupfen tatsächlich etwas dran ist. Generell verlaufen viele Krankheiten bei Männern und Frauen unterschiedlich – nicht nur in ihrem Schweregrad. Aber genauso, wie der Krankheitsverlauf anders sein kann, so unterscheidet sich auch die Wirkung von Medikamenten bei Männern und Frauen.

Darum wirken Medikamente bei Frauen anders als bei Männern

Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Körperfettanteil und Größe: Frauen haben einen höheren Körperfettanteil als Männer und sind in der Regel kleiner – dadurch verteilen sich Wirkstoffe aus Medikamenten unterschiedlich schnell im Gewebe.
  • Enzyme als Aktivator: Enzyme im Körper sorgen überhaupt erst dafür, dass Wirkstoffe aus Medikamenten aufgenommen werden können. Das Problem: Männer und Frauen haben meist unterschiedlich viele Enzyme.
  • Nebenwirkungen: Bei Frauen treten Nebenwirkungen öfter auf als bei Männern.
  • Weg der Tablette: Die Wirkung verschiedener Tabletten wird auch oft an verschiedenen Orten im Körper gebraucht. Aber oft benötigen die Tabletten bei Männern und Frauen unterschiedlich lange für ihren Weg durch den Körper.

Forschung tritt auf der Stelle

Und warum werden nicht einfach mehr Studien mit Frauen gemacht, um die Behandlungen geschlechtsspezifisch zu machen? Dafür gibt es im Wesentlichen zwei Gründe: Zum einen werden Medikamentenstudien in der Regel an gesunden Freiwilligen durchgeführt – und die meisten davon sind junge Männer. Zum anderen wirkte der sogenannte Contergan-Skandal lange nach: In den 50er und 60er Jahren wurde ein scheinbar harmloses Schlaf-Medikament an schwangeren Frauen getestet. 

Bei vielen Probandinnen schädigte das Medikament das ungeborene Kind – die Babys kamen mit verstümmelten Armen, Beinen oder Ohren zur Welt. Bei manchen Säuglingen waren die Schädigungen so gravierend, dass sie kurz nach der Geburt verstarben. Danach war die Bereitschaft der Pharmahersteller, Frauen in ihre Studien einzuschließen, lange Zeit geringer.

Nun verlangt das deutsche Gesetz, dass Medikamente, die von beiden Geschlechtern verwendet werden können, auch von Männern und Frauen getestet werden müssen. Und das ist auch bitter nötig: Untersuchungen haben nämlich belegt, dass bei Frauen im Vergleich mit Männern häufig andere Dosierungen der Medikamente eingesetzt werden müssen.

Und es ist generell sinnvoll, Medikamente von allen Bevölkerungsgruppen testen zu lassen, die sie später auch verwenden sollen. Dazu zählen eben junge und alte Frauen sowie Männer. Tipp: Frauen sollten darauf achten, ihren Arzt bei auffallend starken Nebenwirkungen durch Medikamente zu informieren und die richtige Dosis mit ihm zusammen bestimmen.

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