Schweinegrippe: Muss ich mir jetzt Sorgen machen?

Die Schweinegrippe-Fälle in Deutschland steigen sprunghaft an. Was heißt das für uns? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Ist die Schweinegrippe gefährlicher geworden?

Weltweit sind inzwischen fast 95.000 Menschen erkrankt, in Deutschland wurden am Dienstag 1818 Fälle bestätigt. Die meisten Erkrankungen verlaufen laut WHO aber so mild, dass eine Behandlung nicht nötig ist. Bisher gab es weltweit 429 Todesfälle - zum Vergleich: Nach Angaben der WHO sterben jedes Jahr 250.000 bis 500.000 Menschen weltweit an Grippe. Die Schweinegrippe ist also sehr ansteckend, aber bisher relativ harmlos.

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Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Mitte Juni die so genannte Pandemie-Warnstufe 6 ausgerufen - die höchste Warnstufe. Das bedeutet aber nicht, dass die Krankheit jetzt gefährlicher verläuft. Die Warnstufen geben lediglich Auskunft darüber, wie ansteckend ein Virus ist und wie weit es sich bereits verbreitet hat. Warnstufe 6 wird verhängt, wenn das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird und in mehreren Regionen der Welt gleichzeitig auftritt.

Kann ich mich vor dem Virus schützen?

Es gelten die gleichen Schutzmaßnahmen wie bei anderen Grippeviren. Man sollte sich oft und gründlich, mindestens 15 bis 20 Sekunden lang, die Hände waschen. Vor allem sollten die ungewaschenen Hände nicht in Kontakt zum Gesicht, zu Mund, Nase und Augen kommen. Um die Verbreitung der Viren möglichst gering zu halten, sollte man außerdem Taschentücher bereits nach einmaligem Gebrauch entsorgen, und nach dem Niesen wiederum die Hände waschen.

Eine Atemmaske, die Mund und Nase bedeckt, bietet keinen absoluten Schutz vor Grippeviren. Bereits Infizierte sollten diese allerdings unbedingt tragen.

Übrigens, auch wenn alle von der Schweinegrippe sprechen: Sie können weiter Schweinefleisch essen. Das neue Virus ist zwar im Schwein entstanden (daher der Name), aber durch Mutationen sozusagen zu einem menschlichen Virus geworden.

Ich fühle mich schlecht. Bin ich infiziert?

Eine Grippe kennzeichnet sich allgemein durch folgende Symptome: Kopf- und Gliederschmerzen, über 39 Grad Celsius Fieber, Abgeschlagenheit. Diese Krankheitsanzeichen beginnen außerdem plötzlich. Auch Erbrechen und Übelkeit sind in Zusammenhang mit dem neuen Erreger aufgetreten. Machen Sie dazu auch unseren Test: "Hab ich wirklich Grippe?"

Spezifische Symptome des H1N1-Virus gibt es aber nicht. Die Erkrankung kann eindeutig nur durch einen Labortest nachgewiesen werden. Eine bestätigte Infektion oder auch nur der Verdacht einer Erkrankung sind meldepflichtig.

Wie werden Schweinegrippe-Viren übertragen?

Der Ansteckungsweg verläuft bei dem neuen Virus mit dem offiziellen Namen H1N1 wie bei anderen Grippeerregern: über Tröpfcheninfektion. Infizierte niesen oder husten das Virus zusammen mit Sekret aus, so dass es in die Atemwege anderer Menschen gelangen und sich dort vermehren kann.

Die virusbeladenen winzigen Sekrettröpfchen legen in der Luft maximal drei Meter zurück. Aber auch ohne solch dichten Kontakt kann das Virus von Mensch zu Mensch springen, wenn etwa die Tröpfchen auf Türklinken gelangen, von dort auf die Hand und von dieser, zum Beispiel beim Essen, in das Gesicht und die Atemöffnungen.

Ich bin gegen Grippe geimpft. Muss ich mir trotzdem Sorgen machen?

Die Grippeimpfung schützt vor der bekannten Form der menschlichen, saisonalen Grippe. Das neue Virus enthält zwar auch Bestandteile dieser "menschlichen" Viren. Diese haben sich aber im Schwein mit Schweine- und wohl auch Vogelerregern vermischt.

Möglicherweise bietet die herkömmliche Grippeschutzimpfung zumindest einen geringen Schutzeffekt vor den neuen Erregern, Genaueres weiß man bis jetzt nicht.

Kann ich mich denn bald auch gegen den neuen Erreger impfen lassen?

Die Entwicklung eines Impfstoffes wird voraussichtlich im Herbst 2009 abgeschlossen sein. Die Produktion von Impfstoffen ist aufwendig. Das Verfahren, das dafür meist eingesetzt wird, erfordert pro Impfdosis ein Hühnerei mit Embryo. Damit der neue Impfstoff dann in großem Ausmaß hergestellt werden kann, muss deswegen die Produktion des herkömmlichen Grippeimpfstoffs gedrosselt werden.

Viren verändern sich außerdem so schnell, dass sie die Schutzwirkung einer Impfung wiederum unterlaufen können.

Gibt es Medikamente, wenn ich infiziert bin?

Wie bei anderen Grippeerkrankungen werden die so genannten Neuraminidasehemmer gegeben. Diese sind vor allem unter dem Markennamen Tamiflu bekannt. Nach bisherigem Erkenntnisstand schlägt auch das neue Virus auf diese Mittel an. Wichtig ist, dass die Arzneien schnell und unter Aufsicht des Arztes zum Einsatz kommen.

Eine vorbeugende Einnahme hat dagegen keinen Nutzen. Im Gegenteil: Sie kann die Entwicklung von resistenten Virenstämmen sogar fördern.

Ich will verreisen. Wo ist Urlaub noch sicher?

Zwar war das Virus erstmals in Mexiko aufgetreten, inzwischen hat es sich aber weltweit verbreitet. Insgesamt 75 Länder haben der WHO Fälle von Schweinegrippe gemeldet. Wer in eins dieser Länder reist, muss am Flughafen mit verstärkten Kontrollen rechnen. In jüngster Vergangenheit haben sich vor allem viele Spanien-Touristen im Urlaub mit der Schweinegrippe angesteckt.

Eine aktuelle Länderliste mit Reise- und Sicherheitshinweisen zum Thema Schweinegrippe gibt es auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes.

Text: Antje Kunstmann, Angelika Unger Foto: Getty Images

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Antje Kunstmann
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