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Seelische Belastungen "Ich will, dass alles wieder normal ist"

Seelische Belastungen: Bedrückte Frau im Bademantel
© UfaBizPhoto / Shutterstock
Ihr Leben war eine Zeit lang recht unstet: viele Jobs, viele Umzüge. Aber Laura Binder, 26, fühlte sich eigentlich gut. Doch immer wieder blieb ihre Regelblutung aus – ohne irgendeinen Befund. 

Es gibt schönere Dinge im Leben, als einmal im Monat zu bluten. Trotzdem bin ich neidisch, wenn ich Frauen höre, die sich darüber beschweren. Meine Tage bleiben manchmal drei Monate aus. Manchmal habe ich sie drei Wochen am Stück. Als meine Periode das erste Mal nicht kam, hatte ich gerade nach zehn Jahren die Pille abgesetzt. Mein Körper brauche einfach Zeit, sich an den Hormonentzug zu gewöhnen, sagte meine Frauenärztin. Zur gleichen Zeit endete mein Studium. Ich entwickelte mich von einer Studentin mit einem halbwegs geregelten Alltag zu einer, die nicht wusste, was in zwei Wochen ist.

Ausbleiben der Regelblutung durch Stress 

Ich jobbte hier und da oder gar nicht. Ich zog von Hamburg nach Berlin und nach drei Monaten wieder zurück. Eine Zeit lang pendelte ich jeden Tag für einen Job in die Hauptstadt. Ich arbeitete als Freiberuflerin, als Teilzeitverkäuferin bei einer Modekette, dann war ich wieder selbstständig. Kein Tag glich dem anderen. Mal stand ich um 5 Uhr morgens auf, mal um 15 Uhr. Ich fühlte mich jung und frei. Und irgendwie doch beschissen. Wie viel Stress ich mit diesem Lebensstil hatte, wurde mir erst klar, als ich weinend auf der Liege meiner Frauenärztin saß. "Was ist denn mit mir?", fragte ich.

Zwei Jahre lang spielte meine Periode nun verrückt. Auch meine Ärztin hatte keine eindeutige Erklärung mehr. Obwohl ich ein neues Verhütungsmittel nutzte, pinkelte ich nicht selten auf Schwangerschaftstests. Ich wollte zumindest eine Sache selbst ausschließen können. Aber die Angst wurde dadurch nur größer. Habe ich Krebs? Kann ich nie Kinder bekommen? Es gibt unzählige Krankheiten, die das Ausbleiben der Regelblutung verursachen können. Mein Übergewicht oder Zysten wurden diskutiert. Man untersuchte mich auf Wucherungen an der Gebärmutter. Verklebte Eierstöcke. Einen Tumor. Dann waren sich meine Ärzt*innen einig: Es ist mein Kopf. Besser gesagt der Stress. "Ihr Leben ohne festen Alltag macht es dem Körper nicht leicht", sagte meine Gynäkologin.

Mein Lebensstil hatte meinen Biorhythmus kaputt gemacht. Mein Körper rebellierte gegen den Stress. Und die Unruhe verstärkte sich, wenn meine Tage wieder mal keine Punktlandung hinlegten. Unbefriedigender hätte diese Antwort nicht sein können. Etwas "Handfestes" wie eine Zyste zum Beispiel kann man entfernen. Ich hätte gern etwas, das ganz offensichtlich da ist. "Seelische Belastungen" sehe ich nicht – und fühle sie oft erst später. "Ich will einfach nur, dass alles wieder normal wird", sagte ich zu meinem dritten Arzt. Er empfahl mir, ein Ventil zu finden, um Stress zu reduzieren, meine "innere Mitte" zu suchen und auf meinen Körper zu hören.

Auszeit nehmen und innere Balance finden

Sport machen, Entspannungsrituale, feste Hobbys. "Sie dürfen sich aber nicht darauf verkrampfen. Wenn Sie Entspannung erzwingen, wird es nicht besser", mahnte er. Ich fühlte mich noch schlechter. Die Diagnose liegt neun Monate zurück. Ich habe wieder einen Job, der mir Struktur gibt. Mein neuer Alltag tut mir gut, ich versuche, mir bewusst Auszeiten zu nehmen. Manchmal liege ich einfach nur abends auf der Couch und starre aus dem Fenster, anstatt irgendetwas vermeintlich "Sinnvolles" zu tun.

Ich habe mir ein Schlauchboot gekauft und fahre mit Freunden und einer Flasche Wein auf die Alster raus. Ich lese wieder mehr, anstatt Fernsehen zu gucken. Nach Feierabend lege ich mein Handy weg und koche. Und meinem Körper geht es besser. Siehst du, es ist psychisch, sage ich mir. Aber in mir gibt es manchmal trotzdem eine unterschwellige Angst, dass es doch etwas anderes ist.

Laura Binder macht derzeit ihre journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule. Und findet, dass sie auf einem guten Weg ist, wenn sie nicht gerade ein Umzug oder eine Pandemie wieder aus der Bahn wirft.

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BRIGITTE 19/2020

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