Solarium: Wer früher bräunt, wird schneller alt

Nach UV-Licht gerät jetzt auch Infrarot-Strahlung in Solarien unter Verdacht, uns schneller altern zu lassen. Und Jugendlichen schadet die Strahlung besonders. Das Sonnenbank-Verbot unter 18 ist bereits geplant.

Aus Düsseldorf kommen selten gute Nachrichten für Sonnenbankfreunde. Schon seit Jahren untersucht das dortige Institut für Umweltmedizinische Forschung, wie sich echte und künstliche Sonne auf unsere Haut auswirken - und die Botschaft ist auf jeden Fall eindeutig: Gesundes Bräunen? Gibt es nicht.

Auch was die Forscher um Professor Jean Krutmann nun vorlegen, macht nicht gerade Lust aufs Solarium. Dass speziell die langwellige UVA-Strahlung bis ins Bindegewebe vordringt und dort allergische Reaktionen und Hautalterung fördert, war bereits hinlänglich bekannt. Jetzt aber gerät auch die Infrarot-Strahlung durch neue Untersuchungen unter Verdacht, uns schneller alt aussehen zu lassen.

Infrarot entsteht quasi als "Abfallprodukt", wenn auf der Sonnenbank bräunende UV-Strahlen erzeugt werden. Und es ist besonders ein ganz bestimmtes Infrarot- Spektrum (die so genannten Infrarot- A-Strahlen - nicht die wärmende Strahlung aus der Infrarot-Lampe!), dem man in Düsseldorf kein gutes Zeugnis ausstellt. "Wir haben schon vor einigen Jahren vermutet, dass auch Infrarot A die Hautalterung beschleunigt", so Institutsleiter Jean Krutmann. Inzwischen hätten eigene und andere Studien gezeigt, dass die Strahlen die Produktion von Eiweißstoffen anfachen, die Kollagenfasern regelrecht verdauen. Kollagen aber ist der wichtigste Baustein des Bindegewebes, das unsere Haut stützt und sie straff aussehen lässt. Alle Forschungen haben nachgewiesen: Unter Infrarot-Einfluss erzeugen die Hautzellen deutlich mehr Kollagen-Fresser.

Und das ist nicht das Einzige: Wie die UVA-Strahlung wirkt auch das Infrarot A auf die Mitochondrien, die "Kraftwerke" in unseren Zellen, die für die Energieherstellung zuständig sind. Die Strahlung bewirkt, dass sich vermehrt Fehler in die inneren Produktionsabläufe einschleichen. Krutmann ist sich deshalb sicher: "Nach der Diskussion um UV wird die Infrarot- Strahlung das nächste große Thema." Wer früher bräunt, wird schneller alt. Auf diese einfache Wahrheit läuft eine zweite Studie hinaus, die herausfinden wollte, wer besonders unter der Strahlung leidet. Die Wissenschaftler baten verschiedene Testgruppen auf die Sonnenbank und untersuchten dann, bei wem die Hautzellen am meisten Schaden genommen hatten. Das Ergebnis: Bei den 18- bis 26-Jährigen, die zum ersten Mal ein Solarium benutzten, schnellte die Schadensrate am Erbgut um das 3,5-fache nach oben (18 Jahre war das Mindestalter in dem Versuch).

Sie sind besonders empfänglich für die negative Wirkung der Strahlen. "Genau diese Schäden aber sorgen dafür, dass die Zellen nicht mehr genügend Energie bekommen, in der Folge altert das Gewebe", erklärt Jean Krutmann. Und erschlaffende Haut ist nur die harmlose Seite der Medaille. Wer von jungen Jahren an regelmäßig Solarium-Kunde ist, zahlt nämlich kräftig auf sein Hautkrebs-Konto ein. "Die meisten der Schäden am Erbgut kann der Körper reparieren. Aber wenn man ihm sehr viel Bestrahlung zumutet, ist er überfordert", so Beate Volkmer von der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention. Aus dieser Häufung der Zellschäden können Gen-Veränderungen entstehen, die später zu Hautkrebs führen. Das gilt besonders für die vier Millionen Intensiv-Nutzer, die zweimal wöchentlich die Sonnenbank besuchen. Macht allein rund 100 künstliche Sonnenbäder pro Jahr. Hautärzte und das Bundesamt für Strahlenschutz empfehlen aber nicht mehr als 50 jährlich - Solarium und Strand zusammengerechnet.

Um wenigstens Minderjährige besser zu schützen, plant das Bundesumweltministerium für 2009 ein Gesetz, das Sonnenbank- Besuche unter 18 verbietet. Schon jetzt soll eigentlich das Siegel "Geprüftes Sonnenstudio" dafür sorgen, dass Teenager nicht unter die Röhren dürfen; Studios, die so zertifiziert sind, verpflichten sich unter anderem, besonders auf das Alter ihrer Kunden zu achten. Doch schon das Vorgänger-Logo fand wenig Anklang: Innerhalb von vier Jahren ließen sich nur 140 Studios zertifizieren - von insgesamt etwa 5000. Kein Wunder, viele Studios setzen besonders auf ganz junge Kundinnen, für die Alterung oder Krebs noch überhaupt kein Thema sind. Der Solarienverband SLS gibt zu, dass Studios in der Nähe von Schulen ein gesetzliches Verbot wirtschaftlich deutlich spüren werden.

Dass die Bundesregierung mit dem Solarien- Verbot für Jugendliche gleichzeitig einen UV-Grenzwert einführt und Altgeräte aus dem Verkehr ziehen wird, findet bei "Haut-Schützern" zwar Zustimmung. Dennoch weist der Krebs-Experte und Hautarzt Professor Eckhard Breitbart darauf hin, dass die Solarien-Nutzung auch dann nicht harmlos ist: "Die neuen Geräte sind immer noch so stark wie die Mittagssonne am Äquator." Und für die kennt die Weltgesundheitsorganisation WHO nur einen Rat: Ab in den Schatten.

Die gesunde Alternative: Selbstbräuner

Die Sonne aus Tube und Flasche ist garantiert hautfreundlich. Um das perfekte Winter-Braun zu bekommen, sollten Sie ein paar Tipps beachten:

  • Streifen und Flecken entstehen durch unebene Haut. Deshalb vorher mit einem Peeling glätten. Bei empfindlicher Haut nur mit dem Handtuch abrubbeln.
  • Direkt vor dem Selbstbräunen nicht baden, aufgeweichte Haut nimmt den Wirkstoff anschließend nicht so gut auf.
  • Ellenbogen, Fersen und Nagelhaut vorher mit Bodylotion eincremen - hier ist die Haut dicker, verfärbt sich schnell dunkler.
  • Besonders natürlich wirken Bodylotions mit einem leichten Wirkstoff-Mix (DHA und Erythrulose, z. B. von Dove).
  • Wer trockene Haut hat, sollte auf ein Produkt mit viel Feuchtigkeitsbinder achten (speziell für trockene Haut am Körper z. B. von Vichy oder Neutrogena).
  • Wer einen sonnigen Teint möchte, nimmt Selbstbräuner fürs Gesicht - die gibt es inzwischen auch mit Anti-Falten-Wirkstoffen (z. B. mit Q10 von Nivea Visage). Augenbrauen und Haaransatz nach dem Auftragen mit einem feuchten Tuch abwischen - der Wirkstoff verfärbt helle Härchen.
BRIGITTE Heft 03/08 Text: Markus Brügge

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