Sport mit Kind - 5 Erkenntnisse, warum es sich lohnt

Manchen Müttern reicht es nicht, ihre Kinder beim Sport nur anzufeuern, sie fangen schließlich selber an. Ist das für alle ein Gewinn?

Sylvia Koch hat eine neue Leidenschaft: Einmal die Woche riggt sie ihr Boot auf und segelt los. "Meine drei Kinder und mein Mann waren beim Segeln immer so glücklich, das hat mich angesteckt", sagt die 43-Jährige. Seit Januar übt sie selber Knoten und Binnenschifffahrtsregeln, damit sie auch offiziell alleine die Jolle steuern darf. Während sie früher oft vom Strand aus zugeschaut hat, wenn die Kinder Regatten segelten, sitzt sie jetzt selbst im Boot und ist damit im doppelten Sinn näher dran: räumlich, und weil sie die gleichen Erfahrungen macht. "Seit ich selber segle, bin ich als Mutter einfach mehr dabei."

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Erkenntnis 1: Kinder lernen schneller

Eine Erfahrung, die Koch gemacht hat und die auch für andere Sportarten gilt: Kinder lernen deutlich schneller und intuitiver und trauen sich mehr zu. Erwachsene dagegen denken mehr nach, sind oft vorsichtiger. Deshalb sind die Kurse auch in der Regel getrennt. Und beim gemeinsamen Sport muss man als Mutter damit leben können, dass die Kinder oft besser sind.

So war es auch bei Sybille Rolf-Weinkopf und ihrer Tochter Annika, die eine Zeit lang zusammen in einer Mannschaft waren. Es hatte in einem Ferienkurs mit Tennis angefangen. Die Mutter wollte nicht nur das Kind herumkutschieren und nutzte die Gelegenheit, um selber nach längerer Pause wieder anzufangen. Als Annika 16 war, brauchte sie noch eine Spielerin für ihre Mannschaft. Sie fragte ihre Mutter. Die sagte spontan zu, auch wenn sie die einzige Erwachsene und ihre Tochter deutlich laufstärker und schlagsicherer war als sie. "Zum Glück hat meine Tochter mir die Befangenheit genommen. Sie stand voll hinter mir und fand das überhaupt nicht peinlich."

Erkenntnis 2: Das Gemeinschaftserlebnis verbindet

Rolf-Weinkopf erinnert sich an ein Spiel in Göttingen, bei dem es um den Aufstieg ging: "Es war ein extrem heißer Tag, der Platz lag in der prallen Sonne, und wir spielten seit 2 ½ Stunden. Ich war erschöpft und wollte nicht mehr." Doch ihre Tochter motivierte sie zum Durchhalten, feuerte sie an: "Mama, du kannst das!" Am Ende haben sie gewonnen. Dass sie es gemeinsam geschafft haben, "das war absolut toll", sagt die Mutter.
Das Gemeinschaftserlebnis ist es auch, das viele einmal im Jahr zum Braunschweiger Nachtlauf motiviert. Verena Böschen war Joggen eigentlich immer zu öde, aber seit sie mit ihrem Sohn zusammen läuft, hat sie Spaß daran gefunden. Seit einigen Monaten unterstützt sie die Sportlehrerin an der Grundschule ihres Achtjährigen beim Training für und trainiert mit den Kids. "Das Laufen ist gemeinsame Zeit, die uns im Alltag oft fehlt", sagt Böschen.

Erkenntnis 3: Loslassen ist wichtig

Am Anfang wollte ihr Sohn lieber mit seinem älteren Bruder laufen. Er ließ sich nicht davon abbringen, hängte sich an die Großen ran. Verena ließ ihn machen: "Er hat dann am eigenen Körper zu spüren bekommen, dass das keine gute Idee war." Genau richtig, sagt Marion Sulprizio, Psychologin an der Deutschen Sporthochschule Köln. Für sie ist klar: "Das Kind braucht auch beim Sport eigenen Freiraum und eigene Erfahrungen."

Erkenntnis 4: Nicht jede Sportart ist für beide geeignet

Tatsächlich ist ein gemeinsamer Sport nicht immer eine gute Idee. Psychologin Sulprizio empfiehlt, sich vorher zu fragen: "Was ist meine Präferenz beim Sport, welche die des Kindes?"  Und dann schaut man, ob das zusammenpasst. Heißt: Eine Mutter, die extreme Höhenangst hat, wird beim Klettern nicht glücklich werden. Ein Kind vielleicht nicht beim Schwimmen, weil das zu langweilig ist. Und: Man sollte so ehrlich zu sich sein, dass man getrennt voneinander trainiert, wenn es nicht läuft. Vielleicht weil das Niveau zu unterschiedlich ist oder sich im Laufe der Zeit auseinanderentwickelt, so dass alle Beteiligten mehr davon haben, in ihrer Leistungs- und Altersgruppe zu trainieren – und die Erlebnisse beim Abendessen auszutauschen.

Es kann aber auch sein, dass das Kind lieber alleine zum Sport geht. Psychologin Sulprizio sagt ganz klar: "Respektieren Sie unbedingt die Wünsche Ihres Kindes. Man muss als Mutter nicht bei allem dabei sein." Aus körperlicher Sicht rät der Sportwissenschaftler Professor Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln: "Alle Sportarten, die technisches Lernen, Koordination und Beweglichkeit erfordern, sind für Grundschulkinder gut geeignet." Er empfiehlt alles, was auf dem Wasser, mit dem Wind, im Schnee oder mit einem Ball stattfindet. Wenn es um die Ausdauer geht, sind Jugendliche die besten Trainingspartner für ihre Eltern. Ab etwa zwölf Jahren beginnt der Körper des Kindes, Energie für längere Belastungszeiten bereitzustellen, indem er Fett verbrennt. Das kann er vorher noch nicht so gut.

Erkenntnis 5: Es lohnt sich !

Was in jedem Fall ein Plus ist: "Die Mütter fangen mit dem Sport an oder wieder an", sagt Sulprizio. Das sei großartig, denn Sport bewirke so viel Positives: "Er macht gute Laune, stärkt das Immunsystem, kräftigt die Muskeln und schützt vor Herzkreislauf-Erkrankungen." Und wenn man die gleichen Interessen hat, stärkt er zudem die Bindung zum Kind. So wie bei Tennisspielerin Sybille: Ihre Tochter Annika ist inzwischen ausgezogen, doch die gemeinsame Zeit beim Tennis verbindet sie. Wenn sie sich sehen, spielen sie manchmal noch. Aber vor allem erinnern sie sich gerne: an die gemeinsame Zeit und die gemeinsamen Siege.

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BRIGITTE 21/2019

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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