Suizid durch Pille? Hersteller müssen Beipackzettel ergänzen

Eine Studie weist auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei der Verwendung der Antibabypille hin. Ab jetzt muss eine entsprechende Warnung auf dem Beipackzettel stehen.

Dass die Antibabypille das Risiko für Thrombosen erhöhen kann, ist mittlerweile bekannt. Als Reaktion auf eine Studie müssen die Hersteller der Pille ab jetzt aber noch weitere mögliche Nebenwirkungen aufführen: Demnach kann sich durch die Einnahme das Risiko für Depressionen und Suizid erhöhen. Angeregt wurde die Änderung im November 2018 von der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA).

Beipackzettel müssen aktualisiert werden

Es gibt bereits mehrere Studien, die belegen, dass hormonelle Verhütung depressive Verstimmungen oder Depressionen auslösen kann. Die Untersuchung, die nun den Anstoß für die Änderung der Beipackzettel gegeben hat, stammt aus Dänemark. Ein Gynäkologenteam um Prof. Øjvind Lidegaard vom Universitätsklinikum Kopenhagen hat dafür Daten von 500.000 dänischen Frauen zwischen 15 und 34 Jahren ausgewertet. Von den Teilnehmerinnen versuchten 6.999 einen Suizid, 71 beendeten ihr Leben. Dabei fiel auf: Frauen, die die Pille nutzten, hatten ein rund doppelt so hohes Risiko für einen Suizidversuch und ein etwa dreifach so hohes Risiko für eine vollendete Selbsttötung. Die Studienergebnisse wurden im Fachblatt American Journal of Psychiatry veröffentlicht.

Die Forscher weisen daraufhin, dass die Untersuchung keine direkte Kausalität zwischen der Einnahme der Pille und einem möglichen Suizidrisiko belegen kann. Aber es gilt schon lange als erwiesen, dass die Hormone Östrogen und Gestagen die Stimmung negativ beeinträchtigen können.

Besonders junge Frauen und Mädchen sind betroffen

Es ist nicht die erste Untersuchung Lidegaards, die die Auswirkungen der Pille beleuchtet. In einer früheren Analyse konnte der Forscher bereits belegen, dass vor allem jüngere Frauen und Mädchen zwischen 15 und 19 häufiger Antidepressiva verschrieben bekamen, wenn sie hormonell verhüteten. 80 Prozent der betroffenen Frauen, die eine Östrogen-Gestagen-Pille einnahmen, bekamen demnach erstmalig Antidepressiva verschrieben. Bei reinen Gestagenpräparaten war die Verschreibung um 120 Prozent höher als bei Frauen, die nicht hormonell verhüteten. 

Experten fordern Frauen deshalb auf, sich ärztliche Hilfe zu suchen, wenn sie kurz nach Beginn einer hormonellen Verhütung depressive Verstimmungen bei sich feststellen.

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