Auch nette Männer haben Syphilis: Warum wir über Geschlechtskrankheiten reden müssen

Die Syphilis-Zahlen in Deutschland haben sich verdoppelt. Schluss mit Tabus: Mädels, wir müssen über Geschlechtskrankheiten reden!

Hast du beim ersten Date schon einmal über Syphilis geredet? Bist du nach dem ersten Date schon einmal im Bett desjenigen gelandet? Ist dabei das Kondom gerissen – oder habt ihr im Eifer des Gefechts von vornherein darauf verzichtet? Spätestens wenn die Antwort auf letztere Frage "Ja“ lautet, sollte sie es auch auf erstere sein.

Es gibt wohl kaum weniger anregende Gesprächsthemen als Geschlechtskrankheiten. Aber auch kaum aktuellere: Denn die Syphilis-Infektionen in Europa nehmen zu. Das zeigt  ein aktueller Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitsprävention und -kontrolle. Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr demnach in Deutschland.

Syphilis-Fälle verdoppelt

Das Zentrum hat sich die Entwicklung der Syphilis-Erkrankungen zwischen 2007 und 2017 angeschaut. Insbesondere Deutschland fällt im Europa-Durchschnitt auf. Hierzulande haben sich die Fälle mehr als verdoppelt – von 4 auf 9,1 Fälle pro 100.000 Bürger.

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion und tritt in mehreren Stadien auf. Anfangs verursacht die Krankheit manchmal nichtmal Symptome, unbehandelt kann sie jedoch lebensbedrohlich sein. Antibiotika töten das Bakterium in der Regel ab - deswegen ist es aber wichtig, die Erkrankung zu erkennen. Anzeichen können zunächst kleine Geschwüre an der Übertragungsstelle sein. Verschwinden diese wieder, folgen allgemeine Krankheitssymptome wie Gelenkschmerzen, Fieber oder Hautausschläge. Schlimmstenfalls kann der Erreger sich auf den gesamten Körper ausbreiten.

Wer denkt, das betreffe ihn nicht: Besonders verbreitet ist Syphilis unter Männern zwischen 25 und 34 Jahren aus deutschen Großstädten. Hamburg und Berlin fallen dabei mit überdurchschnittlich vielen Erkrankungen auf. Na, hattest du schon einmal einen Sex-Partner, der ins Raster passt?

Syphilis macht nicht vor Einkommen, Gepflegtheit, Bildung oder Sympathie halt. Das gilt ebenso für alle anderen Geschlechtskrankheiten. Trotzdem hält sich das Vorurteil in unseren Köpfen wacker: Der ist nett, der ist vernünftig – der hat schon nichts.

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Vertrauen wächst, Verhütung schwindet?

Wer sich über Sex unterhält, kann in vielen Bekanntenkreisen einen besorgniserregenden Trend beobachten: Selbst die vernünftigste Frau lässt beim Sex mal das Kondom weg. Weil sie die Pille nimmt, weil sie – oder er – das Gummi nicht mag, weil er vorher rauszieht (was immer noch die schlechteste Idee überhaupt ist), oder weil sie schlichtweg die Lust übermannt. Leidenschaft hin oder her, liebe Ladys – beim nächsten positiven STI-Test (für sexuell übertragbare Krankheiten) vergeht die Lust dann von selbst.

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Wenn man in einer festen Beziehung ist, wird oft auf mechanische Verhütungsmittel verzichtet. Dann ist die Sexualität jedoch meist auch exklusiv. Trotzdem zeigt sich dieser Trend nicht nur in Beziehungen, sondern auch in Affären. Und selbst, wenn man die große Liebe vor sich hat: Eigentlich sollten wir vor jedem Sex ohne Kondom sicherstellen, dass beide Partner gesund sind. Dafür sind STI-Tests doch da.

Wann werden STI-Tests endlich normal?

Eigentlich. Praktiziert wird aktuell jedoch vor allem nach der Annahme, Vertrauen würde Geschlechtskrankheiten heilen. Kaum lernen wir jemanden besser kennen, gehen wir davon aus, er sei gesund. Schwachsinn! In puncto Geschlechtskrankheiten gilt definitiv: Vertrauen ist gut – Kontrolle aber besser.

Jeder Mensch kann sich auf Geschlechtskrankheiten testen lassen. Das geht beim Gynäkologen oder Urologen (Männer sind von dieser Vorsorge nicht ausgeschlossen!), oder aber bei anonymen Anlaufstellen. Dort kann man übrigens ebenfalls einen HIV-Test machen. Denn nicht jeder, der infiziert ist, weiß es auch. Viele Geschlechtskrankheiten verursachen lange Zeit nicht einmal Symptome.

Das Thema STI-Test anzusprechen, sollte also längst kein Tabu mehr sein! Denn ist es nicht eigentlich sogar sexy, sich um seine eigene Gesundheit zu kümmern? Lasst uns die steigenden Syphilis-Zahlen doch zum Anlass für steigende Test-Zahlen nehmen!

Lasst uns über Geschlechtskrankheiten sprechen!

Wenn wir näher darüber nachdenken, kann es also eigentlich kein besseres Thema als Geschlechtskrankheiten geben. Schließlich ist Gelassenheit eine der Hauptvoraussetzungen für guten Sex – und wem gibt man sich schon lieber hin, als einem gesunden Partner?

Ohne Sorge vor Syphilis und Co. liebt es sich doch viel lässiger.

mjd
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