Dickmacher: Diese Medikamente steigern das Gewicht

Zu Risiken und Nebenwirkungen sehen Sie bitte auch auf Ihre Waage: Nicht wenige Medikamente sind echte Dickmacher, die das Gewicht nachweislich steigern.

Oft mögen es nur ein oder zwei Kilo mehr sein, seit die Ärztin oder der Arzt die neuen Tabletten verordnet hat. Aber das reicht eben schon, die Hose kneift, man fühlt sich unwohl. "Viele Patienten leiden auch bei einer geringen Gewichtszunahme bereits spürbar", sagt der Psychiater Dr. Markus Wittmann vom Bezirkskrankenhaus Passau. "Und im Einzelfall ist es eben auch mal viel mehr. Mit dem bei Psychosen eingesetzten Mittel Olanzapin zum Beispiel kann es zu einem Plus von bis zu 50 Kilo kommen."

Und je mehr Pfunde, desto häufiger ist das Problem längst nicht "nur" ein kosmetisches: Wer massiv zunimmt, läuft Gefahr, dass der gesamte Stoffwechsel in eine gefährliche Schieflage gerät. Diabetes, Bluthochdruck und ein deutlich erhöhtes Risiko zum Beispiel für einen Herzinfarkt können die Folge sein. "Da muss man sehr aufpassen. Denn wir wollen den Patienten ja kein zweites Problem verschaffen", so Wittmann.

Bei welchen Medikamenten Sie mit gewichtigen Nebenwirkungen rechnen müssen, welche oft zu Unrecht verdächtigt werden - und was Sie dagegen tun können:

Was kann ich tun?

Zur Beruhigung zunächst einmal Folgendes: Nur weil ein Mittel statistisch gesehen dick macht, muss das längst nicht bei jeder Patientin der Fall sein. In der Studie zur Kopfschmerz-Prophylaxe war es bei Propranolol nicht mal jeder Zehnte, bei Valproinsäure jeder Vierte, und bei Amitryptilin waren es ungefähr zwei von dreien. Wenn Sie aber ein Medikament im Verdacht haben, Ihre Figur zu ruinieren, ist zunächst das Allerwichtigste: Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt - setzen Sie es auf keinen Fall auf eigene Faust ab! Das könnte gefährlich werden, Sie nehmen es ja nicht ohne Grund. Auch in Eigenregie statt einer ganzen etwa nur noch eine halbe Tablette zu nehmen, kann riskant sein. Und bringt womöglich gar nichts, da der Dickmacher-Effekt nicht immer im Zusammenhang mit der Dosierung steht.

Besser ist es, wöchentlich Gewicht und Bauchumfang zu notieren, um sich ein objektives Bild zu verschaffen und um besser auf den nächsten Termin in der Praxis vorbereitet zu sein. "Glücklicherweise haben Mediziner heute ein viel größeres Bewusstsein für das Problem als noch vor ein paar Jahren", sagt Psychiater Dr. Markus Wittmann. Seine Strategie: "Von Anfang an genau hinsehen und nicht erst dann gegensteuern, wenn der Patient schon zehn Kilo zugenommen hat." Das geht unter anderem mit Ernährungs- und Bewegungsprogrammen. Manchmal muss man aber auch das Präparat wechseln. Bei Antidepressiva und Epilepsie-Mitteln gibt es dann sogar Alternativen, die tendenziell dünner machen.

Diese Mittel stehen zu Unrecht unter Verdacht

Die Pille: Man liest es auf den Beipackzetteln, und viele Frauen sind sicher, dass die Antibabypille sich auf der Waage bemerkbar macht. Wäre ja auch ganz logisch: Das weibliche Hormon Östrogen darin sorgt nachweislich für Wassereinlagerungen. Und die ebenfalls enthaltenen Gestagene sind natürlicherweise im Körper vor allem dazu da, eine mögliche Schwangerschaft aufrechtzuerhalten - da ist es nun mal wichtig, dass die werdende Mutter nicht vom Fleisch fällt. Trotzdem: Wissenschaftliche Studien, die systematisch nach einem Zusammenhang gesucht haben, fanden ihn nicht. Die renommierte Cochrane Collaboration, ein Netzwerk von Forschern und Ärzten, konnte keinen klaren Beweis erkennen, und auch die letzte große Übersichtsarbeit vom Januar legt nahe, dass die Pille keinen ernstzunehmenden Einfluss aufs Gewicht hat.

Vitamine, Mineralstoffe oder Spurenelemente: Auch wenn es manchem so vorkommt, als würde man die Nahrung besonders gut verwerten, wenn es unserem Körper an nichts fehlt: "Bis heute gibt es keine Hinweise darauf, dass Nahrungsergänzungsmittel dick machen könnten", erklärt Professor Stephan Bischoff von der Universität Hohenheim. "Im Gegenteil, einzelne Studien legen nahe, dass Kalzium und vor allem Zink das Abnehmen möglicherweise sogar erleichtern." Allenfalls bei Eisen ließe sich erklären, dass sich auf der Waage etwas tut. Denn das Spurenelement sorgt nachweislich für eine schleppende Verdauung, so dass man sich verstopft und "fülliger" fühlt - und vorübergehend vielleicht auch etwas mehr wiegt als sonst.

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Text: Diana Helfrich BRIGITTE 10/2014
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