Tennisellenbogen

"Unter Profis gibt es ihn nur sehr selten", sagt Edgar Giffenig, Bundestrainer beim Deutschen Tennisbund. Obwohl sie sich täglich mit dem Ball abmühen, haben Anke Huber und Tommy Haas wahrscheinlich noch nie unter einem Tennisellenbogen (Tennisarm) gelitten.

Doris Heintze dagegen hat noch nie einen Schläger in der Hand gehalten. Trotzdem muss sie sich mit einem Tennisarm herum plagen. Ob sie die Kaffeetasse anhebt oder eine Hand schüttelt, sofort schießt ihr der Schmerz von der Außenseite des Ellenbogens bis in die Hand. Manchmal werden solche Beschwerden über einen langen Zeitraum ganz allmählich schlimmer. In Härtefällen pocht die schmerzende Stelle selbst im Ruhezustand. Aber was sind die Ursachen? Warum bekommt Doris Heintze einen Tennisarm, nicht aber Anke Huber?

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Die Ursachen

Weil der Tennisarm seinen Namen zu Unrecht trägt - "Computerarm" beispielsweise wäre treffender. Denn mehr als 90 Prozent aller Erkrankten ziehen sich den Tennisellenbogen durch allzu einseitige Belastung bei der Arbeit oder im Haushalt zu. "Die Schmerzen sind immer die Folge überlasteter Sehnenansätze", sagt Dr. Ralf Hilgert, Unfallchirug an der Universitätsklinik Eppendorf. Sie verbinden den Oberarmknochen mit der Muskulatur des Handgelenks. Diese Sehnenansätze sind fast bei allen Handarbeiten gefordert. Mutet man ihnen zuviel zu, bleibt das oft nicht ohne Folgen. Ähnlich einem spröden Gummiband kann eine einzige Überbeanspruchung mikroskopisch kleine Risse im Sehnengewebe zurücklassen. Solche Miniverletzungen zusammen mit Entzündungsprozessen verhärten das Gewebe und lösen die Schmerzen aus. Relativ gut geschützt davor sind nur ganz junge Leute: Bis ca. 30 Jahre sind die Sehnen sehr elastisch, sie bleiben selbst bei starker Belastung meist intakt.

Risikogruppen

Ein besonders hohes Erkrankungsrisiko tragen alle, die täglich viel mit der Computertastatur arbeiten oder die Kasse im Supermarkt bedienen müssen, außerdem Handwerker wie Bauarbeiter, die ihre Arme sehr beanspruchen. Problematisch wird es vor allem dann, wenn so vorbelastete Personen plötzlich ungewohnte Bewegungen sehr oft hintereinander machen. Wer die ganze Woche lang stundenlang das Telefon bedient oder Daten in den Computer eingibt, und am Wochenende eine ganze Schrankwand zusammenschraubt, riskiert einen Tennisellenbogen. Das kann auch passieren, wenn man nach wochenlanger Pause beim Tennis oder Badminton bis zum Umfallen Bälle über das Netz haut. Im Gegensatz zu Freizeitsportlern bekommen Profis nur selten einen Tennisarm: Sie stärken ihren Arm durch tägliches Training. Außerdem ist eine ausgeklügelte Technik beim Schlagen viel schonender für das Gelenk.

Therapie-Maßnahmen

Was aber tun, wenn der Arm plötzlich weh tut? Versuchen Sie unbedingt, die Beschwerden gleich in den Griff zu bekommen. Das klappt meist mit ein paar einfachen Mitteln (siehe Kasten). Halten die Schmerzen schon ein paar Wochen an, brauchen Sie unter Umständen einige Geduld, um sie wieder ganz los zu werden. Denn es gibt über 40 Therapieverfahren - aber keines davon ist unter Experten als sicher wirksames Mittel anerkannt. Weder Tabletten, noch Salben oder Spritzen lindern die Symptome garantiert, und auch Massagen, Akupunktur, Wärmetherapie, elektrische Nervenstimulation oder Ultraschall helfen nicht immer. Die meisten Patienten müssen deshalb ausprobieren, auf welche Methode sie am besten ansprechen. Nach spätestens ein paar Monaten ist es dann aber fast immer geschafft - vorerst zumindest. Denn ein Jahr nach der Behandlung sind nur noch annähernd 30 Prozent der Patienten beschwerdefrei, schätzt Wolfgang Menke, Professor am Institut für Sportorthopädie der Deutschen Sporthochschule Köln.

Bei ganz hartnäckigen Beschwerden kann die Stoßwellentherapie helfen. Mit den unsichtbaren Wellen zertrümmern Mediziner schon lange Nierensteine in winzige Teile, und auch beim Tennisellenbogen lassen sich so Verhärtungen lockern. Die Kasse allerdings zahlt für das schonende Verfahren nicht automatisch. "Bei fünf bis zehn Prozent der Patienten bleibt nur noch eine Operation", sagt Prof. Menke. Dabei entfernt ein Chirurg zum Beispiel krankhaft verändertes Sehnengewebe oder Nerven im schmerzenden Bereich. Ein Jahr danach weisen zwei Drittel bis drei Viertel der Patienten noch gute Ergebnisse auf. Alle, die ihren Arm endlich wieder unbeschwert bewegen können, sollten aber vorsichtig bleiben und Belastungen möglichst vermeiden. Prof. Menke empfiehlt zusätzlich gezielte Kraft- und Dehnungsübungen: Sie können die betroffenen Muskeln und Sehnen stärker und flexibler machen und Ungleichgewichte beseitigen, die durch tägliche einseitige Beanspruchungen entstanden sind. Sprechen Sie darum Ihren Arzt auf Krankengymnastik an - und machen Sie unsere BRIGITTE-Übungen (siehe nächste Seite).

Noch besser ist es natürlich, solchen langwierigen Beschwerden gleich aus dem Weg zu gehen. Wer den ganzen Tag an der Kasse oder am Computer sitzt, sollte nicht einfach loslegen. Ideal ist ein kleines Warm-up, bevor Sie die Wände streichen oder die verkalkten Badezimmerfliesen scheuern. Aber auch die Arme ein paar Minuten lang kreisen zu lassen, bringt bereits viel.

Gegen die Schmerzen

  • Die Handgelenkstreckmuskulatur darf jetzt nicht weiter gestresst werden,
  • vielmehr ist Ruhe angesagt. Tätigkeiten, die zu den Beschwerden
  • geführt haben, strikt meiden.
  • Schmerzen und Entzündung lassen sich durch Kälte lindern.
  • Deshalb sofort nach Auftreten der Schmerzen die entsprechenden Stellen
  • mit Eis kühlen, etwa 30 Minuten lang und das jede Stunde wiederholen.
  • Aber Vorsicht: Eis auf der nackten Haut kann Kälteschäden
  • hervorrufen, daher immer ein Tuch dazwischen legen.
  • Zusätzlich helfen Präparate wie Aspirin gegen Schmerz und
  • Entzündung. Ein Arzt kann bei Bedarf stärkere Mittel verschreiben.
  • Sobald die Schmerzen weg sind, unterstützen gezielte Dehnungs-
  • und Kräftigungsübungen den Heilungsprozeß (siehe unten).
  • Spezielle Bandagen können die Belastung reduzieren und einem
  • Rückfall vorbeugen.

So stärken Sie Muskeln und Sehnen

Wenn die Schmerzen vergangen sind, beugen diese Übungen einem Rückfall vor. Sie sollten sie mehrmals am Tag machen - auch im Büro oder im Stau.

  • Legen Sie ein Gummiband um Ihre Finger und spreizen Sie Ihre
  • Finger soweit auseinander wie Sie können, die Handfläche zeigt
  • dabei zum Fußboden. In diesem Zustand jeweils etwa drei Sekunden
  • halten. Machen Sie so viele Wiederholungen bis Finger und Unterarm ermüden.
  • Am einfachsten ist es, wenn das Gummiband sich weit unten befindet.
  • Je weiter Sie es in Richtung Fingerspitzen schieben, um so mehr Kraft
  • benötigen Sie. Fällt Ihnen schließlich alles leicht,
  • können Sie zu einem dickeren Gummiband übergehen.
  • Halten Sie einen Tennisball in der Hand und drücken ihn
  • immer wieder fest zusammen

Spezielles Hanteltraining

Hilfreich ist ausserdem ein zusätzliches Hanteltraining, entwickelt vom Institut für Sportmedizin und Rehabilitation in Virginia. Jetzt wird die Belastung für die Handgelenksmuskulatur allerdings größer, deshalb vorher etwas Aufwärmen, zum Beispiel fünf Minuten Fahrradfahren oder Joggen. Beginnen können Sie mit Hanteln ohne zusätzliches Gewicht und mit zehn Wiederholungen einer Übung und davon zwei Sätze. Schaffen Sie 30 Wiederholungen, können Sie zur nächsten Gwichtsklasse übergehen: etwa 500 Gramm mehr. Bei allen Übungen liegt der Unterarm auf dem Unterschenkel oder auf einen Tisch, Gelenk und Hand ragen dabei über die Tischkante.

  1. Der Handrücken zeigt nach oben, Hantel umfassen und aus dem Handgelenk nach oben drücken und etwa zwei Sekunden so halten. Ein Satz Übung 1 können Sie im Wechsel mit einem Satz Übung 2 ausführen.
  2. Der Handrücken zeigt jetzt nicht nach oben sondern nach unten, Hantel umfassen und aus dem Handgelenk nach oben drücken und etwa zwei Sekunden so halten.
  3. Der Handrücken zeigt nach unten, Hantel umfassen (an einem Ende und nicht in der Mitte) und den Unterarm drehen bis der Handrücken nach oben zeigt, etwa zwei Sekunden so halten.

Nach Beendigung des Hanteltrainings den Ellenbogen 10 bis 20 Minuten mit Eis kühlen.

Rudert/Helfrich
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