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Therapieplatz finden Tipps, die deine Suche erleichtern

Frau schaut aus dem Fenster und sitzt nachdenklich auf dem Sofa
© fizkes / Adobe Stock
Du bist auf der Suche nach psychotherapeutischer Hilfe und weißt nicht so richtig, wie du schnell an einen Therapieplatz kommst? Hier findest du Tipps, die dir in dieser schweren Zeit weiterhelfen.

Wenn du nach einem Psychotherapieplatz suchst, kannst du stolz auf dich sein. Du hast den ersten großen Schritt gewagt. Du hast dir eingestanden, dass du etwas Hilfe benötigst. Und dass dieser Schritt nicht von Schwäche, sondern von Stärke zeugt. Dieser Entschluss erfordert Mut und sollte belohnt werden. Was dich aber stattdessen erwartet, sind weitere Hürden.

Der steinige Weg zum Therapieplatz ist gepflastert mit Absagen, Wartelisten, Anrufbeantwortern und neuen Wörtern, die kaum jemand versteht. Um einen Psychotherapieplatz zu finden, bedarf es eines klaren Kopfes, Energie, Zuversicht und Geduld. Eben genau das, was man nicht hat, wenn man an psychischen Krankheiten leidet. Deshalb findest du hier Unterstützung.

Wie kommt man schnell an einen Therapieplatz?

Wie die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) berichtet, warten laut einer rbb24-Recherche aus dem Jahr 2022 mehr als 50 Prozent der Patient:innen mindestens vier Monate nach dem ersten Kontakt auf eine psychotherapeutische Behandlung. Schnell an einen Therapieplatz zu gelangen, ist also gar nicht so leicht.

Aktuell erhalten nur 6,2 Prozent aller depressiven Patient:innen und 10,2 Prozent der schwer depressiven Patient:innen eine Psychotherapie. Das ist fatal. Zumal es eigentlich ausreichend Psychotherapeut:innen gäbe. Eigentlich. Denn die Anzahl an Psychotherapeut:innen mit Kassensitz ist begrenzt. Dabei kommt es gerade auf diese an. Um die Psychotherapie mit den gesetzlichen Krankenkassen abzurechnen, benötigen die Praxen diesen Kassensitz. Ist dies nicht der Fall, handelt es sich um Privatpraxen, die für Privatversicherte und Selbstzahlende infrage kommen. Doch kaum jemand hat die Möglichkeiten, pro Sitzung rund 100 Euro auf den Tisch zu legen.

Tipps für die Therapieplatz-Suche

Wie man sich einen Therapieplatz sucht, lernt man leider nicht in der Schule. Wo fängt man an, welche Telefonnummern sind wichtig und auf welche Ansprechpartner:innen ist Verlass? Wir haben dir die wichtigsten Schritte und Tipps für die Therapieplatz-Suche zusammengestellt.

Status-quo abfragen

Wie geht es dir aktuell? Kannst du dein Wohlbefinden etwas einordnen?

  1. Hast du Suizidgedanken, Panikattacken und kannst gar nicht mehr klar denken? In diesem Fall solltest du keine Zeit verlieren und den Notarzt (112) rufen oder dich – wenn möglich – selbstständig in die Notaufnahme begeben. Alternativ kannst du auch den Krisendienst (116117) kontaktieren oder dich in eine nahegelegene psychiatrische Klinik begeben, die du leicht über Google finden kannst. In diesen Fällen kannst du auch einen Notfallkontakt in deinem engsten Bekanntenkreis auswählen, der oder die in solchen Situationen an deiner Seite ist.
  2. Du hast Schwierigkeiten, deine Arbeit zu meistern und kommst nur schwer durch den Alltag? Hier empfiehlt sich der Gang zum Hausarzt, beziehungsweise zur Hausärztin. Er oder sie wird dich krankschreiben und das weitere Vorgehen mit dir besprechen.
  3. Aktuell bist du stabil, wirst aber hin und wieder von depressiven Episoden heimgesucht? Dies ist ein guter Moment, um die vorhandene Energie darauf zu verwenden, ein Erstgespräch bei der Psychotherapie zu vereinbaren.

Die Suche

Findest du dich in Punkt zwei und drei wieder, gibt es verschiedene Wege, um einen Therapieplatz zu suchen. In einer psychotherapeutischen Sprechstunde kannst du deine Beschwerden äußern und herausfinden, ob eine Psychotherapie für dich infrage kommt. Das Gute: Praxen mit Kassensitz sind dazu verpflichtet, Sprechstunden anzubieten – auch wenn es eigentlich keinen freien Therapieplatz gibt. Dies kann sich über mehrere Sitzungen erstrecken und bringt meist schon etwas Licht ins Dunkel. Hier wird auch schriftlich deine Indikation festgehalten.

Abgesehen davon, dass du wahrscheinlich mental nicht dazu in der Lage sein wirst, bringt das Abtelefonieren unendlich langer Psychotherapeut:innen-Listen oft leider nichts. In den meisten Fällen gibt es Wartelisten, auf die du dich trotzdem unbedingt setzen lassen solltest. Daneben gibt es Mittel, die die Suche erleichtern.

  • Als gesetzlich versicherte Person kannst du die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung anrufen: 116117. Hier erzählst du, dass du auf der Suche nach einem Therapieplatz bist. Binnen kürzester Zeit bekommst du einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde. Der Vorteil: Du musst nicht selbstständig in den Praxen anrufen und einen Termin vereinbaren. Enttäuschenderweise ist das keine Garantie für einen Therapieplatz, aber immerhin ein Anfang, bei dem du dir den Ballast von der Seele reden kannst. Nach der Sitzung wird eine Indikation festgehalten, die dir im Zweifel beim Kostenerstattungsverfahren helfen kann.
  • Es liegen mehrere psychotherapeutische Sprechstunden hinter dir, aber du findest einfach keinen Therapieplatz? Dann kannst du auch eine Privatpraxis aufsuchen. Mithilfe des Kostenerstattungsverfahrens übernimmt deine Krankenkasse die Psychotherapie in Privatpraxen, wenn du durch die Indikation beweisen kannst, dass du bereits etliche Praxen mit Kassensitz aufgesucht hast, eine Therapie benötigst, aber niemand einen freien Platz für dich hat.
  • Über Psych-info.de kannst du außerdem selbstständig nach geeigneten Psychotherapie-Praxen in deiner näheren Umgebung suchen. 
  • Auch die Webseite Therapie.de bietet einiges an Informationsmaterial und hat ebenfalls einen guten Suchfilter.
  • Eine Alternative zu überfüllten Praxen mit Wartelisten sind Ambulanzen von psychotherapeutischen Instituten oder psychologischen Fakultäten. Hier behandeln unter anderem auch Auszubildende, die noch keine Wartelisten haben.

Die Probesitzung

Hast du endlich einen freien Platz gefunden? Gratulation! Nun stehen die Probesitzungen an. Diese erstrecken sich meist über etwa drei bis fünf Sitzungen. Hier findet eine ausführliche Diagnostik statt, ihr könnt einander besser kennenlernen und falls die Harmonie passt, einen Behandlungsplan aufstellen. Sei nicht enttäuscht, wenn du kein gutes Gefühl bei der Therapeutin oder dem Therapeuten hast. Bei manchen Menschen fühlt man sich eben nicht so gut aufgehoben wie bei anderen. Und auch wenn in diesem Fall wieder ein anstrengender Weg vor dir liegt, lohnt es sich, weiterzusuchen. Die Therapie ist nicht zielführend, wenn ihr aneinander vorbeiredet.

Stimmt die Chemie am Ende der Probesitzungen? Perfekt! Jetzt könnt ihr gemeinsam eine Psychotherapie bei der Krankenkasse beantragen. Alles, was du dafür sonst noch benötigst, ist ein Konsiliarbericht vom Hausarzt oder der Hausärztin, in dem andere körperliche Ursachen für deine Beschwerden ausgeschlossen sind.

Tipps, um die Wartezeit zu verkürzen

In den meisten Fällen wirst du leider nicht um eine Wartezeit herum kommen. Doch merke dir immer: Du bist nicht allein. Neben psychotherapeutischen Praxen gibt es auch weitere Anlaufstellen, denen du deinen Kummer anvertrauen kannst.

  • Gruppentherapien klingen vielleicht erstmal abschreckend, doch vielleicht ist dir ja doch danach, eine Selbsthilfegruppe aufzusuchen. Solche Therapieformen gibt es in vielen Städten. Tatsächlich kann es oft hilfreich sein, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. 
  • Die Nummer gegen Kummer erreichst du montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr. 
  • Über U25 Deutschland bekommst du kostenlose Beratungen per Mail. Genauso wie über die Jugendnotmail.
  • Die Telefonseelsorge ist 24 Stunden jeden Tag für dich erreichbar.

Verwendete Quellen:

  • Wartezeiten für Psychotherapieplätze sind weit höher als von Krankenkassen angegeben, rbb24.de (Stand: August 2022)
  • Erhebliche Defizite in der Versorgung von Menschen mit Depressionen, bptk.de (Stand: August 2022)
Brigitte

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