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Trockener Mund Was jetzt hilft

Trockener Mund: Frau trinkt Glas Wasser
© Robert Brown Stock / Shutterstock
Wenn der Mund ständig trocken ist, kratzt das nicht nur am Wohlbefinden, es kann auch gesundheitliche Folgen haben. Die wichtigsten Fakten rund um ein oft unterschätztes Phänomen.

Kennst du das? Ein wichtiger Termin steht an, eine Prüfung oder Präsentation – und es fühlt sich an, als wäre im Mund nur Staub? Die Trockenheit entsteht, weil der Körper in einer stressigen Situation in den Fluchtmodus schaltet: Die Aufmerksamkeit wird geschärft, Muskeln spannen sich an, und die Speichelproduktion fährt zurück. "Das ist aber nur vorübergehend und unproblematisch", sagt Dr. Greta Barbe, Zahnmedizinerin an der Universitätsklinik Köln. Ein Schluck Wasser hilft, die Situation zu überbrücken.

Anders ist es dagegen, wenn sich der Mund dauerhaft trocken anfühlt, man deshalb nachts womöglich aufwacht, oder sich das Geschmacksempfinden durch den Speichelmangel verändert.

Wer ist betroffen?

Genaue Zahlen gibt es nicht – wenn die Zähne nicht bereits offensichtlich angegriffen sind (siehe auch "Wie wirkt es sich aus?"), fällt das Problem in der Medizin oft eher unter den Tisch. Schätzungen gehen aber davon aus, dass etwa ein Viertel bis ein Fünftel aller Erwachsenen zumindest zeitweise unter Mundtrockenheit leidet. Im Alter steigt die Häufigkeit an, etwa die Hälfte aller Menschen über 65 sind betroffen. Frauen übrigens insgesamt wesentlich häufiger als Männer – vor allem nach den Wechseljahren. Ein Grund dafür können die hormonellen Umstellungen und ihre Auswirkungen auf die Speicheldrüsen sein.

Was sind die Ursachen dafür?

Neben hormonellen Veränderungen (s. o.) kann etwa eine Strahlentherapie im Kopf-Hals-Bereich die Speicheldrüsen beeinträchtigen. Auch das Sjögren-Syndrom geht mit Mundtrockenheit einher; es kann als Begleiterscheinung von rheumatischen Erkrankungen wie Lupus oder Arthritis auftreten. Mundtrockenheit kann zudem eine Nebenwirkung von Medikamenten sein oder durch die Interaktion verschiedener Arzneien entstehen. Dazu gehören beispielsweise Blutdrucksenker, Antihistaminika, Schmerzmittel, manche Schlaf- und Beruhigungsmittel, Antidepressiva oder Chemotherapeutika. "Je mehr Medikamente ein Mensch einnehmen muss, desto wahrscheinlicher tritt das Problem auf", sagt Zahnmedizinerin Greta Barbe.

Wie wirkt es sich aus?

Speichel hat viele wichtige Funktionen: Zum einen enthält er Enzyme, die unsere Nahrung vorverdauen, zudem schützt der gleichmäßige Flüssigkeitsfilm die Mundschleimhaut vor Keimen. Darüber hinaus spült er Nahrungsreste und Bakterien kontinuierlich weg, die sich auf Zähnen und Zahnfleisch anlagern – auch solche, die Karies oder Zahnfleischentzündungen verursachen. Speichel ist also notwendig, um die gesunde Mundflora intakt zu halten, ein Mangel über längere Zeit kann Schäden verursachen: Wenn sich "schlechte" Bakterien verstärkt vermehren können, steigt das Risiko für Zahnerkrankungen – vor allem an Stellen, wo die Bürste nicht hinkommt. Auf lange Sicht sorgt ein Mangel an Speichel sogar dafür, dass Zähne früher ausfallen oder entfernt werden müssen.

Zu den weiteren möglichen Auswirkungen gehören: Mundgeruch, ein unangenehmes Brennen, Störungen des Geschmackssinns sowie Kau-, Sprech- und Schluckbeschwerden. Außerdem können gefährliche Keime leichter in die Atemwege gelangen und dort schwere Erkrankungen hervorrufen. "Neben den Folgen für die Mundgesundheit ist Mundtrockenheit auch häufig ein subjektiv empfundenes Problem", sagt Greta Barbe. Selbst bei normaler Speichelproduktion kann man also das Gefühl von zu wenig Feuchtigkeit im Mund haben.

Wann genau ist es "zu trocken"?

Die Speicheldrüsen im Mund sind ständig aktiv: Im Ruhezustand produzieren sie pro Minute rund 0,3 Milliliter Speichel – das sind etwa sechs Tropfen. Angeregt werden die Drüsen durch Reize, die dem Körper die Nahrungsaufnahme ankündigen. Der Geruch von Essen lässt einem deshalb das Wasser im Mund zusammenlaufen, genau wie der Geschmack von Lebensmitteln oder Kaubewegungen. Dann werden rund 1,5 Milliliter pro Minute abgesondert.

In der Praxis wird der Speichelfluss gemessen, indem man die produzierte Menge über 15 Minuten auffängt. Speichelmangel besteht, wenn dabei pro Minute in Ruhe weniger als 0,2 Milliliter und bei Anregung weniger als 0,6 Milliliter zusammenkommen.

In jedem Fall sollte man bei Mundtrockenheit die Zahnärztin oder den Zahnarzt auf das Problem hinweisen. Gemeinsam lässt sich dann herausfinden, ob wirklich ein verminderter Speichelfluss die Ursache ist und vor allem: Was Linderung verschafft.

Was hilft?

Die eigentliche Ursache für Mundtrockenheit lässt sich oft nicht direkt beseitigen. Gut tut aber, viel zu trinken, vor allem Wasser und Ungesüßtes – Kaffee und Alkohol dagegen nur in Maßen, beides wirkt entwässernd. Doch regelmäßige Flüssigkeitszufuhr ersetzt nicht den gleichmäßigen Schutzfilm auf Zähnen und Zahnfleisch. Kurzfristig können Mundsprays aus der Apotheke Abhilfe schaffen, auch regelmäßiges Ölziehen verhindert das Trockenheitsgefühl. Und: "Mechanische Reize helfen, den Speichelfluss anzuregen", sagt Greta Barbe – Kaugummis etwa oder Lutschbonbons. In jedem Fall sollten die Produkte zuckerfrei sein, damit die Zähne nicht zusätzlich angegriffen werden.

Wenn sich der Speichelfluss trotz allem nicht dauerhaft auf ein normales Niveau heben lässt, sollte zumindest dafür gesorgt werden, dass die Folgen des Speichelmangels möglichst gering bleiben. Das heißt, die Mundhygiene muss besonders sorgfältig sein, um schädigende Bakterien und Keime zu entfernen. Fluoridhaltige Zahnpasta und Spülungen helfen, angegriffenen Zahnschmelz zu stabilisieren. Produkte dagegen, die Menthol oder andere scharfe oder saure Stoffe enthalten, reizen trockene Schleimhäute. Sie sollten durch pH-neutrale Produkte ersetzt werden.

Für schwere Fälle gibt es außerdem Speichelersatzmittel, allerdings kommen die den vielen Eigenschaften und Komponenten des natürlichen Speichels bisher nur bedingt nahe. In jedem Fall sind regelmäßige Termine bei der Zahnärztin oder dem Zahnarzt notwendig, um mögliche Folgen der Mundtrockenheit frühzeitig abzuwenden.

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