Stoßwellentherapie gegen Schulterschmerzen

Allein in Deutschland leiden rund zwei Millionen Menschen unter starken, dauernden Arm- oder Schulterschmerzen. Neben Massagen, Bestrahlungen oder Krankengymnastik kann auch die Stoßwellentherapie Linderung bringen.

Früher gab es bei Schmerzen in der Schulter nur wenige Möglichkeiten: Kortisonspritzen (die meist nur vorübergehend helfen) oder, als letztes Mittel, eine komplizierte Operation - ohne Garantie auf Heilung. Doch inzwischen haben Ärzte eine schonende und zugleich wirksame Methode gefunden, Verhärtungen und Verkalkungen in Schultern und Armen zu behandeln: die Stoßwellentherapie. Das Verfahren an sich ist nicht neu. Es wird bereits seit den frühen 80er Jahren eingesetzt, um Nieren- und Gallensteine zu zertrümmern.

1992 entdeckten deutsche Wissenschaftler, dass Stoßwellen zum Beispiel auch bei bestimmten Sehnen- und Gelenk-Erkrankungen helfen können. Seitdem wird die Methode zunehmend in orthopädischen Praxen und Kliniken eingesetzt. Experten empfehlen sie bei Tennisarm, Kalkschulter, Fersensporn und nicht heilenden Knochenbrüchen.

Eine Behandlung dauert zwischen 30 und 60 Minuten. Die (unsichtbaren) Stoßwellen, die sehr gezielt eingesetzt werden, zertrümmern Ablagerungen in kleinste Teile und lockern Verhärtungen auf. Das kann durchaus schmerzhaft sein, vor allem bei Kalkschultern. Anschließendes Kühlen mit einem Eisbeutel hilft gegen die Schmerzen. Viele empfinden bereits nach dem ersten Mal deutlich weniger Beschwerden. Spätestens nach drei Sitzungen sind die Schulter oder der Arm wieder beweglich. Der Heilungsprozess insgesamt kann länger dauern - vor allem, wenn sich die Beschwerden über Jahre hinweg stetig verschlimmert haben, wie es oft der Fall ist.

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Bloß keine falsche Schonung!

Doch das Abwarten lohnt sich: Aktuelle Untersuchungen belegen, dass die Stoßwellentherapie im Unterschied zu anderen Verfahren vor allem langfristig etwas bringt. An der Kasseler Universitätsklinik zum Beispiel haben Orthopäden bereits mehr als 2000 Patienten behandelt und sie ein Jahr später erneut untersucht und befragt. Von denen, die wegen eines Tennisarms behandelt worden waren, sagten zwei Drittel, die Schmerzen seien verschwunden oder deutlich geringer. Von den Befragten mit einer Kalkschulter hatten sogar drei Viertel keine oder viel weniger Beschwerden. Noch höher sollen die Erfolgsraten beim Fersensporn sein: Über 80 Prozent der behandelten Patienten, so die Deutsche Gesellschaft für Extrakorporale Stoßwellentherapie, können später wieder ohne Beschwerden laufen.

Dennoch ist die Stoßwellentherapie kein Wundermittel, denn gegen die eigentlichen Ursachen der Beschwerden kann sie nichts ausrichten: "Schmerzen im Bewegungsapparat sind oft ein Zeichen für falsche Gewohnheiten im Alltag", sagt der Hamburger Orthopäde Hans Ulrich Schmidt. Wenn Muskeln und Gelenke sich verspannen und verhärten, kann das verschiedene Gründe haben, und meist kommen mehrere zusammen: Bei der Arbeit bewegt man sich heute meist zuwenig, oder man muss den Körper einseitig belasten, zum Beispiel durch schweres Heben oder am Computer.

Auch geistige Konzentration und seelischer Stress beeinflussen zuerst den Bewegungsapparat. Wer unter Druck steht, spannt unbewusst die Muskeln an und zieht die Schultern hoch. Die Folge sind Schmerzen - vor allem dort, wo die elastischen Sehnen und Bänder an den Knochen ansetzen, also zum Beispiel in den Schultern. Mit der Zeit nimmt man unwillkürlich eine Schonhaltung ein und bewegt die schmerzende Region so wenig wie möglich. Doch das macht es eher noch schlimmer, weil dann zum Beispiel das Schultergelenk nicht mehr geschmiert wird und sich Ablagerungen bilden können.

Den Kassen ist die Methode zu teuer

Wenn solche Beschwerden länger als ein halbes Jahr anhalten und alle anderen Behandlungsmöglichkeiten versagen - aber nicht eher -, empfehlen Fachleute die Stoßwellentherapie. "Sie sollte nur angewandt werden, wenn andernfalls eine Operation unumgänglich wäre", sagt etwa der Heidelberger Mediziner Dr. Markus Loew, der an der Entwicklung beteiligt war. Im Idealfall ist die Behandlung dann ein Anstoß für die Betroffenen, krankmachende Gewohnheiten und Lebensumstände zu verändern. Die gesetzliche Kassen bezahlen eine Stoßwellentherapie normalerweise nicht.

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