Vitamin D – was ist dran an dem Hype?

Immer mehr Menschen nehmen Vitamin D, besonders jetzt in der dunklen Jahreszeit. Was ist wirklich dran am neuen Hype?

Wofür braucht der Körper Vitamin D?

Es sorgt zum Beispiel dafür, dass Kalzium in Knochen und Zähne eingebaut und die Muskulatur ebenfalls damit versorgt wird. Ein langfristiger Mangel macht deshalb die Knochen weich – bei Kindern spricht man dann von Rachitis –, bei Älteren trägt er zu Knochenschwund (Osteoporose) bei. Vitamin-D-Rezeptoren finden sich aber auch in fast allen anderen Organen und Geweben, vom Gehirn bis zum Darm.

Wie nimmt man es auf?

Zehn bis 20 Prozent stammt aus der Nahrung, vor allem aus fettem Seefisch wie Hering oder Lachs, deutlich weniger steckt in Eiern oder Pilzen. Den weitaus größeren Teil bildet der Körper unter dem Einfluss von Sonnenlicht über die Haut. Dafür am besten in den Sommermonaten je nach Hauttyp und Tageszeit für fünf bis 25 Minuten ohne Sonnenschutz mit unbedecktem Gesicht, Händen und Armen in die Sonne gehen – ohne dabei einen Sonnenbrand zu riskieren. Da der Körper die Produktion bald von selbst drosselt, gilt eh nicht: je länger, desto mehr. Und: Der Körper speichert Vitamin D und ruft es dann im Winter ab.

Wie verbreitet ist ein Mangel?

Glaubt man selbsternannten Vitamin-D-Aposteln: praktisch flächendeckend. Seriöse Studien kommen zu anderen Ergebnissen: Das Robert Koch-Institut (RKI) hat den Vitamin-D-Spiegel von rund 7000 Erwachsenen gemessen. Das Ergebnis: Etwa 30 Prozent liegen unter 12 ng/ml bzw. 30 nmol/l (Nanogramm pro Milliliter bzw. Nanomol pro Liter; in diesen Einheiten wird der Spiegel der Vitamin-D-Form gemessen, die im Blut transportiert wird), sind demnach also unzureichend versorgt.

Nachdem allerdings die Messmethoden vereinheitlicht worden waren, wiesen nur noch gut 15 Prozent einen Mangel auf. Aber wo beginnt der überhaupt? Das RKI gibt einen Mindestwert von 12 ng/ml (30 nmol/l) an, Fachgesellschaften in den USA empfehlen 20 ng/ml (50 nmol/l), andere Experten wie Prof. Andreas Kurth vom Dachverband Osteologie sehen einen ausreichenden Spiegel erst ab 30 ng/ml (75 nmol/l) erreicht.

Bin ich selbst davon betroffen?

Junge, gesunde Menschen, die im Sommer regelmäßig draußen sind, brauchen sich laut Prof. Heide Siggelkow, Fachärztin für Endokrinologie an der Universitätsmedizin Göttingen, keine Gedanken um ihren Vitamin-D-Status zu machen. Aber es gibt auch Risikogruppen wie dunkelhäutige Menschen, Frauen, die nur verschleiert ins Freie gehen, und Patienten, die chronisch an Leber, Nieren oder am Magen-Darm-Trakt erkrankt sind oder an Osteoporose leiden. Gefährdet sind außerdem ältere Menschen, denn bei ihnen sinkt die Fähigkeit, Vitamin D zu bilden.

Also soll ich nun Tabletten nehmen?

Eindeutig empfohlen wird die Vitamin-D-Gabe für Babys. Wer dagegen zu einer der oben erwähnten Risikogruppen gehört, sollte den Spiegel am besten zunächst beim Arzt bestimmen lassen und mit diesem besprechen, ob und welche Präparate Sinn machen. Außerdem sollte die Messung nach einigen Monaten wiederholt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät, nur dann Vitamin D einzunehmen, wenn weder durch die Ernährung noch über die Sonne eine Verbesserung des Wertes möglich ist.

Welche Dosierung wird empfohlen?

Unbedenklich ist eine tägliche Dosis von 800 bis 1000 Internationalen Einheiten (I.E. ist eine Maßeinheit für die biologische Aktivität einer Substanz und wird auf vielen Präparaten genannt). Für Babys sieht die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin 400 bis 500 I.E. bis zum zweiten Frühsommer ihres Lebens vor. Als maximal tolerierbare tägliche Zufuhr gelten 4000 I.E. für Erwachsene (Kinder: 2000 I.E.). Es gibt allerdings Anhänger einer Hochdosis-Therapie, die mehr einnehmen. Das kann ernste Folgen haben: Ende letzten Jahres berichtete die Arzneimittelkommission der Ärzteschaft von zwei Patienten mit akutem Nierenversagen. Sie hatten täglich 10000 bzw. 50000 I.E. eingenommen.

Ist Vitamin D wirklich ein Wundermittel?

Es geht längst nicht mehr nur um die Knochen, sondern um Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bestimmte Arten von Krebs, Multiple Sklerose, Parkinson und Demenz. "Daten zeigen, dass es denjenigen, die höhere Vitamin-D-Spiegel haben, gesundheitlich besser geht", sagt Heide Siggelkow. Doch: "Vielleicht sind die Menschen gesünder, weil sie sich mehr draußen bewegen. Der höhere Spiegel wäre dann lediglich Folge ihres Lebensstils." Größere Studien, wie sich Menschen mit und ohne Vitamin-D-Gabe entwickeln, laufen noch. Eine mit 25000 Frauen und Männern brachte gerade erst ernüchternde Resultate. Fazit der Stiftung Warentest: "Die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten kann nach derzeitiger Erkenntnis weder Krebs noch Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden vorbeugen."

Videotipp: Gesund und schön: Auf diese Vitamine solltest du nicht verzichten!

Vitamintabletten mit Kräutern und Pillenglas
BRIGITTE 02/2019

Wer hier schreibt:

Monika Herbst
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