Mit 14 bekam Chloe ihre Periode - dann blutete sie 5 Jahre lang nonstop

Die Australierin Chloe Christos hatte fünf Jahre am Stück ihre Tage. Erst spät fanden Ärzte den Grund dafür: das Von-Willebrand-Syndrom, eine Blutgerinnungsstörung.

Viele Mädchen und Frauen fühlen sich während ihrer Periode unwohl, haben Schmerzen, sind erschöpft. Für Chloe Christos aus dem australischen Perth war das mehr als fünf Jahre lang ein Dauerzustand: Mit 14 bekam sie ihre erste Menstruation und hörte nicht mehr auf. Innerhalb weniger Tage verlor sie mehr als einen halben Liter Blut - bei einer normalen Periode sind es etwa 20 bis 60 Milliliter. Chloe erzählte niemandem davon:

"Ich wusste, dass etwas mit mir nicht stimmt, aber ich habe mich zu sehr geschämt, um mich jemandem anzuvertrauen", sagte die heute 27-Jährige gegenüber ABC News. "Ich fühlte mich anders und ziemlich allein."

Die Blutarmut erschwerte Chloe den Schulalltag, den Abschluss schaffte sie nur knapp. Sie konnte sich schlecht konzentrieren, fühlte sich ständig müde und schwindelig und fiel regelmäßig in Ohnmacht. Sie holte sich medizinischen Rat, aber ihr Arzt erkannte ihre Krankheit nicht. Er verschrieb ihr Medikamente gegen den Eisenmangel, jede Woche bekam sie Eiseninfusionen. Doch ihre Werte blieben viel zu niedrig.

Von-Willebrand-Syndrom ist häufiger als Hämophilie

Chloe landete in fast jedem Land in der Notaufnahme.

Chloe wechselte den Arzt und erhielt schließlich die richtige Diagnose: Sie hat das Von-Willebrand-Syndrom, eine unheilbare Erbkrankheit. Bei Betroffenen ist der sogenannte von-Willebrand-Faktor defekt oder zu gering. Das Eiweiß sorgt dafür, dass das Blut gerinnt, damit Wunden sich schließen und Blutungen stoppen. Es kommt zwar insgesamt selten vor, ist allerdings unter den angeborenen Erkrankungen des Blutgerinnungssystems die häufigste. Allein in Deutschland sind etwa 800.000 Menschen davon betroffen, schätzen Experten - Männer und Frauen gleichermaßen.

Trotz der richtigen Diagnose litt Chloe weiter und traf auch unter Ärzten auf viel Unverständnis. Sie bekam zwar ein Medikament, das ihre Blutung kurzzeitig stoppte - doch die Nebenwirkungen waren schrecklich, so Chloe, die als Stylistin arbeitet und viel umherreist, im Gespräch mit ABC. "Ich glaube, ich bin in so ziemlich jedem Land in der Notaufnahme gelandet."

Zeitweise überlegten die Ärzte sogar, ihr die Gebärmutter zu entfernen, um ihre Periode dauerhaft zu unterbinden. Chloe entschied sich dagegen: "Ich weiß nicht, ob ich jemals Kinder haben möchte. Aber ich wollte auf keinen Fall das verlieren, was mich zur Frau macht. Und der Gedanke, mit Mitte 20 in die Wechseljahre zu kommen, hat mir Angst gemacht."

Dank eines neuen Medikaments hat Chloe endlich eine normale Menstruation.

Nach weiteren schmerzvollen Jahren wandte sich Chloe an eine Spezialklinik für Hämophilie im australischen Adelaide. Sie bekam ein Medikament, das eigentlich für Bluter gedacht ist - auch eine vererbte Blutgerinnungsstörung, die vor allem bei Männern auftritt. Die neue Behandlung veränderte ihr Leben, sagt Chloe. Vor kurzem hatte sie zum ersten Mal eine Periode, die nur vier bis fünf Tage dauerte.

Auch wenn ihr Leidensweg lang war, weiß Chloe, dass sie Glück hatte - viele betroffene Frauen werden noch immer falsch oder gar nicht behandelt. Damit sich das in Zukunft ändert, hat sich Chloe mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit gewandt. Auf ihrer Facebook-Seite berichtet sie von ihren Fortschritten und mit einer Crowdfunding-Kampagne sammelt sie Spenden, um mehr Menschen über das Von-Willebrand-Syndrom aufklären zu können.

nw
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