Warum frieren Frauen eigentlich so schnell?

Die Medizinjournalistin Karin Hertzer beschäftigt sich viel mit Krankheiten. Weil sie jedoch selbst dauernd friert, machte sie sich auf die Suche nach den Gründen für ihr Frösteln - und fand nebenbei gute Tipps zum Aufwärmen.

BRIGITTE.de: Meist sind es ja Frauen, die darüber klagen, dass ihnen kalt sei. Ist das wehleidiges Gejammer? Oder frieren Frauen tatsächlich schneller und mehr als Männer?

Karin Hertzer: Fakt ist: Das Unterhautfettgewebe von Frauen ist dünner als das der Männer, deshalb verlieren sie schneller Wärme. Außerdem haben Frauen meist weniger Muskeln, doch gerade die produzieren mehr Wärme als anderes Gewebe und speichern sie auch länger. Und: Frauen verbrauchen weniger Kalorien als Männer und erzeugen entsprechend weniger Hitze. Aber natürlich gibt es sowohl Frauen, die nie oder nur selten frieren, als auch Männer, die mit Socken ins Bett gehen. Nur hört man von denen seltener.

BRIGITTE.de: Was ist mit organischen Ursachen? Gibt es die nicht?

Karin Hertzer: Doch, die gibt es auch. Zum Beispiel Durchblutungsstörungen als Folge von zu wenig Bewegung. Weitere Gründe können Flüssigkeitsmangel sein, zu viel Kaffee, zu starkes Rauchen oder zu niedriger Blutdruck. Es gibt auch eine Gefäßerkrankung, das so genannte Raynaud-Syndrom, auch Weißfingerkrankheit genannt, bei der die Blutgefäße von Fingern oder Zehen plötzlich verkrampfen und nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt werden. In all diesen medizinischen Bereichen kennen sich die meisten Ärzte auch gut aus.

BRIGITTE.de: Aber nicht beim Frieren?

Karin Hertzer: Über das typisch weibliche "Mir ist ständig kalt"-Phänomen wissen sie kaum Bescheid, vor allem nehmen sie es häufig gar nicht richtig ernst. Vielleicht ist es deshalb auch gar nicht so erstaunlich, das ich kein einziges medizinisches Fachbuch zum Thema Frieren gefunden habe - und das, obwohl quasi die Hälfte der Menschheit dauernd fröstelt. 

BRIGITTE.de: Welche Taktik wenden Sie selbst im Kampf gegen die Kälte an?

Karin Hertzer: Im Winter habe ich natürlich den ganzen Tag die Heizung an. Trotzdem kühle ich während meiner Arbeit am Schreibtisch schnell aus. Also bemühe ich mich, zwischendurch immer wieder aufzustehen und mich zu bewegen. Aber das Allerwichtigste für mich sind Pulswärmer: Selbst mit hoch gerutschten Ärmeln habe ich immer warme Hände. Außerdem benutze ich für meinen Fahrradsattel einen Lammfellbezug. Mit warmen Po Rad zu fahren, ist göttlich. 

BRIGITTE.de: Und was tun Sie, wenn Sie trotz allem frieren?

Karin Hertzer: Dann trinke ich Ingwer-Tee. Der hilft sofort. Ich versuche inzwischen auch gar nicht mehr, mit kalten Füßen ins Bett zu gehen und zu hoffen, die würden schon noch warm werden. Das werden sie nämlich nicht. Und den Schlaf kann man sowieso vergessen. Stattdessen mache ich mir ein Fußbad. Mit warmen Füßen ins Bett zu gehen, freut übrigens auch den Partner.

BRIGITTE.de: Kalte Hände, kalte Füße - gehört Frieren also zum Frausein dazu?

Karin Hertzer: Oft ja. Leider. Wärmebildaufnahmen zeigen, dass Frauen schon frieren, wenn Männer die Temperatur noch als angenehm empfinden: Dieser Unterschied zwischen den Geschlechtern kann bis zu fünf Grad betragen. Und die Wärmebilder weisen noch etwas Spannendes nach: Bei extremer Kälte zieht der Körper die Hitze von den Extremitäten ab, um die inneren Organe zu schützen. Herz und Nieren müssen ja versorgt sein; leben können wir schließlich auch ohne Hände und Füße. Es ist also eigentlich ein alter Überlebensmechanismus, wenn die Glieder kalt sind.

Lesetipp: Von Karin Hertzer ist im TRIAS-Verlag das Buch "Nie wieder frieren – Die 50 besten Tipps" erschienen.

gk

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