Was bedeutet es, wenn man schnarcht?

Einer schnarcht, der andere ist schwer genervt. Und ständig unausgeruht. Dabei gibt es gute Lösungen, um die Nacht wieder für alle erholsam zu machen.

Stell dir vor, dein Bett würde neben einer großen Verkehrskreuzung stehen. Ständig rumpelt und knattert es, selbst in den kurzen Pausen dazwischen wäre an Schlaf nicht zu denken. Klingt absurd? Wer einen schnarchenden Bettgenossen hat, kann die Situation jede Nacht nachfühlen: Bis zu 90 Dezibel erreicht dabei der Geräuschpegel – das ist so laut wie ein vorbeifahrender Lkw. Wie der Körper das schafft und warum man deshalb nicht gleich in getrennte Schlafzimmer ziehen muss, weiß Schlafmedizinerin Maritta Orth, Chefärztin am Theresienkrankenhaus in Mannheim und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

Wie häufig ist das Problem?

Viele Menschen leben mit einem schnarchenden Bettgenossen – meistens sind es Frauen, die darunter leiden, dass ihr Mann schnarcht. 20 bis 46 Prozent aller Männer im mittleren bis höheren Alter schnarchen, bei gleichaltrigen Frauen sind es nur acht bis 25 Prozent, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Einer finnischen Studie zufolge fühlt sich mehr als die Hälfte der nicht-schnarchenden Bettpartner durch die Lärmbelästigung fast jede Nacht gestört. Bei etwa einem Drittel aller betroffenen Paare kommt es deswegen sogar zeitweise zu Beziehungskrisen.

Woher kommt der Lärm?

Wenn jemand schnarcht, erschlafft die Muskulatur von Gaumen und Zunge so sehr, dass sie durch die Ein- und Ausatmung bewegt werden. "Wenn man ein- und ausatmet, fangen die Weichteile an zu flattern", sagt Schlafmedizinerin Orth, "vor allem das Zäpfchen." Alkohol verstärkt den Entspannungseffekt – deshalb schnarchen manche erst recht, wenn sie etwas getrunken haben. Auch bei einer Erkältung kann es laut werden, weil die Schleimhäute angeschwollen sind oder die Nase verstopft ist. Ähnlich ist es bei Polypen oder großen Rachenmandeln. "Nach solchen Veränderungen schaut man als Erstes, wenn jemand schnarcht", so die Expertin.

Bettposition: So schläft es sich endlich besser!

Schnarchen Männer anders als Frauen?

Ja, denn eine häufige Ursache für Schnarchen ist Übergewicht, und hier sorgen anatomische Gründe dafür, dass Männer eher schnarchen als Frauen. Sie nehmen Gewicht vor allem in der oberen Körperhälfte zu – auch am Hals, wo die zusätzliche Masse die Atmungswege verengt. "Ab einem Halsumfang von mehr als 43 Zentimetern schnarchen Männer mit Atemaussetzern mit einer 100-prozentigen Wahrscheinlichkeit", sagt die Expertin.

Bei Frauen dagegen lagert sich Gewicht eher an der Hüfte an. Mit den Wechseljahren verändert sich jedoch der weibliche Körper und die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron nimmt ab. Das beeinflusst nicht nur den weiblichen Zyklus, sondern auch die Atmung, so Professor Orth: "Fällt die Progesteron-Produktion bei Frauen mit den Wechseljahren ab, fehlt auch der stimulierende Einfluss auf Atmung und Rachenmuskulatur." Das Geschlechterverhältnis unter Schnarchern gleicht sich dann fast aus.

Ab wann ist die Sache nicht mehr nur nervig?

"Man darf Schnarchen nicht verharmlosen", sagt die Schlafmedizinerin. Trotzdem muss es nicht in allen Fällen zwingend behandelt werden. "Es wird erst gefährlich, wenn man entweder davon aufwacht und dadurch nicht genügend Schlaf hat oder wenn es mit Atmungsaussetzern einhergeht." Denn die erhöhen das Risiko für Schlaganfälle, Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und plötzlichen Herztod.

Sie entstehen, wenn die erschlaffte Gaumenmuskulatur den Atemweg blockiert. Die Zunge fällt dann zum Beispiel auf den Kehldeckel. "Der Patient macht weiter Atmungsbewegungen, Brust und Bauch dehnen sich aus", sagt Orth, "aber die Luft kommt nicht durch die Kehle." Derweil baut sich Druck auf Bauch- und Brustmuskulatur auf, der erst durch ein lautes Röcheln gelöst wird. Bis zu fünf Aussetzer pro Stunde sind normal.

Ist das eigene Schnarchen gefährlich?

Welche anatomischen Gründe das Schnarchen verursachen, kann man nicht hören. Auch eigene Aufnahmen von Schlafgeräuschen helfen laut der Schlafmedizinerin nur bedingt. Klar ist: Wenn man sich das Bett mit jemandem teilt und dabei schnarcht, wird einem der Partner oder die Partnerin das sagen.

Es gibt aber auch darüber hinaus Hinweise auf nächtliche Atmungsaussetzer, etwa wenn man sich tagsüber ständig gerädert fühlt, unkonzentriert ist oder schläfrig. Spätestens dann sollte man eine Pneumologin oder Kardiologin aufsuchen. Bei einer Voruntersuchung wird man dann mit einem kleinen Gerät ausgestattet, ähnlich wie einem Langzeit-EKG. Es misst Atmung und Herz-Kreislauf-Aktivität daheim und im Schlaf – und zeigt, ob gefährliche Atemaussetzer vorliegen. Ist das der Fall, sollte man sich bei einem Schlaflabor vorstellen. Dort werden über Nacht zusätzliche Messwerte aufgenommen wie Hirnströme, Augen- und Muskelbewegungen.

Was sorgt für ruhigere Nächte?

Sind Polypen oder Rachenmandeln der Auslöser, wird es oft schon besser, wenn sie entfernt werden. Schlaffe Rachenweichteile lassen sich ebenfalls durch eine Operation raffen. "Es bringt aber nichts, den lauten Schnarcher nur zu einem leisen Schnarcher zu machen", sagt Schlafmedizinerin Orth, denn auch nach dem Eingriff können noch Atmungsaussetzer vorhanden sein. Deshalb sollten der Schlaf und die Atmung danach wiederum medizinisch in einem Schlaflabor überprüft werden. Von Schnarchsprays und anderen Medikamenten rät die Ärztin dagegen ab, weil sie keinen Nutzen haben.

Die Standardtherapie ist eine Atemmaske, die man nachts trägt. Diese sogenannte CPAP-Maske gibt einen permanenten Überdruck auf die Atemwege und verhindert so, dass die oberen Atmungswege verschlossen werden. Wenn das zu umständlich ist, kann bei leichten bis mittelgradigen Beschwerden auch eine Schnarchschiene für den Ober- und Unterkiefer helfen. Damit werden beide nach vorne "gezogen", sodass die oberen Atmungswege geweitet werden und nicht eingeengt sind. Tritt das Schnarchen nur in Rückenlage auf, kann ein Kissen am Rücken oder eine spezielle Weste einen Reiz zum Umdrehen bieten. Und natürlich sollte man als Leidtragende neben einem Schnarcher auch den Mut haben zur (zumindest kurzfristig) einfachsten Lösung: in einem anderen Zimmer zu schlafen. 

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BRIGITTE 24/2019

Wer hier schreibt:

Caroline Ring
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