Welcher Zeckenschutz hilft?

Zeckenschutz-Mittel sind bei der Stiftung-Warentest durchgefallen: Keins erreichte "gut". Wie Sie sich trotzdem schützen können.

Die Zecken sind los! Je wärmer es wird, desto aktiver werden sie. Die harmlos aussehenden kleinen Blutsauger können gefährliche Krankheiten übertragen. Doch wie schützt man sich wirksam vor ihnen? Die Stiftung Warentest hat für ihre Mai-Ausgabe 20 Anti-Zecken-Mittel getestet. Das Urteil der Tester: vernichtend - 12 der 20 getesteten Produkte erhielten die Note "mangelhaft".

Der größte Kritikpunkt: Die Mittel, auch Repellents genannt, wirken nicht so lange wie versprochen. Je nach Hersteller werden vier bis acht Stunden Schutz vor Zecken garantiert. Tatsächlich schützten aber alle Mittel im Test nur über einen deutlich kürzeren Zeitraum, manche sogar nur wenige Minuten lang.

Blähungen, Gas

Zudem reizten viele Produkte die Schleimhäute, darunter auch vermeintlich schonendere natürlichen Mittel. Unter den Repellents mit natürlichen Wirkstoffen fand die Stiftung Warentest gleich fünf, die gar keine Zulassung als Biozid hatten: Sie hätten nicht verkauft werden dürfen.

Am besten wurde das Produkt "Anti Brumm Naturel" bewertet - es schreckte die kleinen Blutsauger immerhin drei Stunden lang ab und erhielt die Note 2,6. In der Bewertung folgen "Quartet Anti Zecke Hautspray" und "Autan family Care Zeckenschutz". Doch selbst diese Mittel können umsichtiges Verhalten und schützende Kleidung nicht ersetzen.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

In Deutschland, schätzt das Robert-Koch-Institut, stecken sich jährlich 60.000 bis 80.000 Menschen durch Zecken mit der Infektionskrankheit Lyme-Borreliose an. Bei etwa der Hälfte der Betroffenen rötet sich die Einstichstelle einige Tage oder Wochen nach dem Zeckenstich. Die Erkrankten fühlen sich müde, bekommen Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf- und Gelenkschmerzen. Wird die Infektion nicht erkannt, können chronische Beschwerden entstehen, etwa Gelenkentzündungen oder Schäden am Nervensystem.

Borreliose lässt mit Antibiotika behandeln, vorausgesetzt, man erkennt sie rechtzeitig. Eine Impfung gibt es nicht - um gegen Borreliose vorzubeugen, hilft nur eins: Zeckenstiche vermeiden.

Sehr selten können Zecken auch Frühsommer-Meningo-Enzephalitis übertragen, kurz FSME. Die Symptome ähneln zunächst denen einer Sommergrippe, zwei Drittel der Erkrankten werden danach wieder gesund. Manchmal entwickelt sich aber auch eine Hirnhaut- oder gar die noch gefährlichere Gehirnentzündung; es kann auch zu Lähmungen kommen. Bis zu zwei Prozent der FSME-Patienten in Mitteleuropa sterben.

Soll ich mich gegen FSME impfen lassen?

FSME tritt regional begrenzt auf. Das Robert-Koch-Institut (RKI) weist jedes Jahr Risikogebiete in einer Deutschlandkarte aus: Vor allem betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Südhessen. Wer in einem Risikogebiet lebt oder arbeitet und dabei womöglich mit Zecken in Kontakt kommen könnte, sollte sich mit einer Impfung vor FSME schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission des RKI.

Die meisten Krankenkassen übernehmen inzwischen die Kosten für eine solche Impfung. Für einen schnellen, zeitlich begrenzten Schutz sind zwei Impfungen im Abstand von 14 Tagen erforderlich. Eine vollständige Immunisierung, die drei Jahre schützt, ist aufwendiger: zwei Impfungen im Abstand von ein bis drei Monaten, dann eine dritte Impfung nach neun bis zwölf Monaten.

Wie kann ich mich vor Zeckenstichen schützen?

Ziehen Sie feste Schuhe, Socken und lange Hosen an, wenn Sie im Wald unterwegs sind, möglichst auch ein Hemd mit langen Ärmeln. Auf helle Kleidung erkennen Sie krabbelnde Zecken leichter.

Zecken sitzen auf Gräsern, Sträuchern und im Unterholz. Bleiben Sie beim Wandern und Joggen möglichst auf Wegen. Gefährdet sind Sie auch beim Picknick auf der Wiese oder bei Gartenarbeiten.

In Kombination mit geeigneter Kleidung sind auch Anti-Zecken-Mittel geeignet, Zecken abzuschrecken - zumindest für einen begrenzten Zeitraum. Verlassen Sie sich jedoch nicht auf die von den Herstellern versprochenen Schutzzeiten.

Über 1000 Metern Höhe leben normalerweise keine Zecken mehr. Allerdings können Rehe, die zu den Wirten der Zecke gehören, im Sommer höher ins Gebirge ziehen - und dabei Zecken mitnehmen.

Und wenn mich doch eine Zecke gestochen hat?

Wenn Sie an Ihrem Körper eine Zecke entdecken, ziehen Sie sie mit der Pinzette heraus - ohne sie zu quetschen. Wird die Zecke zuvor mit Vereisungsspray betäubt, lässt sie sich leichter entfernen. Ersticken Sie die Zecke aber auf keinen Fall mit Öl oder Klebstoff! Im Todeskampf sondern die Tiere Speichel ab; das lässt die Infektionsgefahr steigen.

Je eher Sie eine Zecke entfernen, desto geringer ist das Risiko einer Infektion mit Borreliose: In der Regel werden die Erreger erst nach etwa 24 Stunden übertragen. Nehmen Sie daher bei Ausflügen in die Natur eine Pinzette mit.

Suchen Sie nach einer Wanderung oder einem Picknick in der Wiese den Körper genau ab. Zecken bevorzugen Stellen mit dünner Haut, wie Kniekehlen, Armbeugen, Achsel- und Leistengegend. Da die Zecken beim Stich ein betäubendes Sekret absondern, spürt man sie meist nicht.

Text: Angelika Unger/Monika Herbst Grafik: www.zecken.de

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