Wenn das Herz sich meldet

Herzrasen, niedriger Blutdruck, kalte Hände und Füße - die häufigsten Herz- und Kreislaufprobleme und was sie dagegen tun können.

Hoher Blutdruck

Gemein und gefährlich: Ein hoher Blutdruck macht oft jahrelang keine Beschwerden, ist aber eine der Hauptursachen für Herzinfarkt und Schlaganfall. Es ist deswegen auch für Frauen wichtig, den Blutdruck mindestens einmal pro Jahr zu prüfen. Meist steigt er mit dem Alter - und dem Gewicht.

Das heißt aber auch: Wer ein paar Kilo abnimmt, kann seinen Blutdruck oft effektiver und dauerhafter senken als mit Medikamenten, ganz ohne Nebenwirkungen. Und die sind bei Frauen oft häufiger und schwerer als bei Männern. Zum Beispiel bei den so genannten ACE-Hemmern: Sie führen bei Frauen doppelt so häufig wie bei Männern zu lästigem Reizhusten. Diuretika (entwässernde Mittel) stören bei Frauen viel häufiger den Salzhaushalt des Körpers. Und Betablocker können bei Frauen überdosiert sein, wenn sie die Pille nehmen. Denn die erhöht die Konzentration dieser Blutdrucksenker im Blut. Also ruhig mal den Arzt darauf ansprechen, ob er über frauenspezifische Risiken bei der Therapie informiert ist.

Ein guter Weg, den Blutdruck zu senken, ist Sport: Eine halbe Stunde an mindestens vier Tagen in der Woche zeigt sich schon nach kurzer Zeit an niedrigeren Messwerten. Speziell für Menschen mit hohem Blutdruck wurde die so genannte DASH-Diät entwickelt (Dietary Approaches to Stop Hypertension, nicht zum Abnehmen gedacht). Sie enthält wenig rotes Fleisch, tierische Fette, Zucker und Salz und ist dafür reich an Obst und Gemüse, fettarmen Milchprodukten, Nüssen, Fisch und Geflügel plus Vollkornprodukten. Allein mit dieser Ernährung kann ein zu hoher Druck im Schnitt um elf Punkte (mmHG) und damit oft in normale Bereiche gesenkt werden (mehr Infos im Internet unter www.chd-taskforce.com). Dort gibt es auch einen Link zu einer ganz ausführlichen Anleitung für die DASH-Diät, allerdings nur auf Englisch).

Gerade im Winter, wenn draußen Minusgrade herrschen, sollten Frauen mit hohem Blutdruck diesen im Blick behalten, so eine neue französische Studie. Denn dann verengen sich die Blutgefäße. Der Blutdruck und damit das Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls steigt.

MEHR INFOS unter www.hochdruckliga.de ; der Ratgeber "Bluthochdruck - das lässt sich regeln" von der Hochdruckliga kostet 8 Euro und ist telefonisch zu bestellen unter 062 21/41 17 74

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Niedriger Blutdruck

Glückwunsch! Ihr niedriger Blutdruck ist eigentlich gut für Herz und Gefäße. Allerdings: Wer deswegen öfter mal kurz vorm Umkippen ist, muss trotzdem was dagegen tun. Zum Beispiel einen halben Liter Wasser trinken, wenn das schwummrige Gefühl kommt. Das bringt den Blutdruck innerhalb von wenigen Minuten in den grünen Bereich, so eine aktuelle britische Studie.

Alkohol dagegen sollten Frauen mit niedrigem Blutdruck mit Vorsicht genießen, denn er erweitert die Gefäße. Nach längerem Stehen kann das sogar zum Kreislaufkollaps führen, so zeigten vor einiger Zeit Tests an amerikanischen Freiwilligen. Wer ständig einen zu niedrigen Blutdruck hat, dem helfen meist drei (aber auch nicht mehr!) Tassen Ginstertee pro Tag (ein Teelöffel Besenginsterkraut aus der Apotheke pro Tasse, 10 Minuten ziehen lassen; nicht für Schwangere). Gut ist auch Ausdauertraining (Rad fahren, schwimmen, walken). Es verbessert die Blutdruckregulation.

MEHR INFOS unter www.netdoktor.de oder www.onmeda.de("Hypotonie" oder "Niedriger Blutdruck" als Suchbegriff eingeben)

Stiche im Herzen

Schmerzen links in der Brust hat eigentlich fast jede mal. Oft hat das aber mit dem Herzen gar nichts zu tun. Gerade bei Frauen unter 40 stecken hinter solchen Schmerzen häufig Probleme mit der Hals- und Brustwirbelsäule. Wenn dort Nerven unter Druck geraten, melden sie "Herzstechen" an das Gehirn. Auch Blähungen können Schuld an solchen vermeintlichen Herzschmerzen sein. Denn sie drängen das Zwerchfell nach oben und setzen so das Herz unter Druck, und sogar Sodbrennen (englisch: "heartburn") wird häufig mit Herzbeschwerden verwechselt.

Kalte Hände und Füße

Ein typisches Frauenproblem. Auch die Gründe dafür sind zumindest bei jüngeren Frauen häufig "typisch weiblich": Eisenmangel, niedriger Blutdruck, Untergewicht, zu enge Schuhe . . . Echte Herz- und Kreislaufprobleme (wie Herzschwäche oder verengte Blutgefäße) sind eher bei älteren Frauen ab 60 ein Grund für Eisfüße und -hände.

Wer häufig bibbert, aber nicht herzkrank ist, sollte systematisch den Kreislauf auf Trab bringen: mit viel Bewegung (am besten täglich) und Sauna einmal pro Woche. Gewürze wie Ingwer, Chili oder Rosenpaprika heizen von innen. Und ein kleines Glas Rotwein lässt die Füße schnell warm werden, weil Alkohol gefäßerweiternd wirkt (siehe "Niedriger Blutdruck").

Durchblutungsfördernd ist auch Rosmarinöl (ein paar Tropfen in ein heißes Fußbad geben). Der Klassiker schlechthin sind Kneipp-Anwendungen: Unterschenkel oder Unterarme fünf Minuten lang in sehr warmes Wasser tauchen, danach 15 Sekunden lang in kaltes Wasser (den Warm- Kalt-Wechsel noch zweimal wiederholen, immer mit Kalt abschließen).

Allgemeine Infos

... zum Thema Frauen und Herz finden Sie unter www.frauenherz.info, www.chd-taskforce.de und http://artemis.bzga.de/frauen/.

Ihr persönliches Infarktrisiko können Frauen herausfinden unter www.cardiologe.de (auf "Risikofaktoren" klicken).

Unter www.cardiologe.de finden Sie außerdem ein Video mit einem Vortrag zum Thema "Herz und Frau: Gibt es geschlechtsspezifische Besonderheiten?" von Professor Regitz-Zagrosek vom Deutschen Herzzentrum Berlin.

HÖRBUCHTIPP: In "Mein gesundes Herz" erklären zwei Kardiologen sehr verständlich Vorbeugung, Diagnostik und Therapie von Herzerkrankungen (CD mit Begleitheft, Galila-Hörbuchverlag, 14,95 Euro)

Wann muss man den Notarzt rufen?

Die Zeit läuft: Bei einem Herzinfarkt sinkt die Chance auf Genesung mit jeder Minute, die vor der Behandlung verstreicht. Doch gerade Frauen warten viel zu lange - auch, weil bei ihnen typische Symptome wie Schmerzen in der Brust oder im linken Arm oft fehlen. Neben den genannten Schmerzen und dem bekannten Engegefühl sind deshalb besonders bei Frauen die folgenden Symptome eindeutig ein Grund, sofort den Notarzt zu rufen:

  • ganz plötzlich einsetzende starke Übelkeit
  • akute heftige Schmerzen im Oberbauch, in den Armen (auch im rechten!), im
  • Unterkiefer, Hals, Nacken oder im Bereich der Schulterblätter
  • plötzliche Atemnot und Schwächegefühl
  • Schweißausbruch und auffällige Blässe
  • Beklemmungsgefühle und Todesangst

BRIGITTE-Serie "Medizin für Frauen"

Weitere Informationen zu Krankheiten rund um das Herz - unter anderem zu Herzschwäche, Herzrasen und Herzstolpern und Herzangst (Herzphobie, Herzneurose) - finden Sie in der BRIGITTE-Serie "Medizin für Frauen" für 9,95 Euro zum Herunterladen.

Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann Fotos: DAK/Schlaeger, Clipart.com BRIGITTE Heft 24/2006
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