Wunschkaiserschnitt: Gefährlicher Trend

Fast jedes dritte Kind in Deutschland kommt per Kaiserschnitt zur Welt. Ein Wunschkaiserschnitt macht die Geburt zwar sicher und gut planbar, kann aber für die Mutter gefährlich werden.

Gisele Bündchen ist eine Ausnahme. Nicht weil sie mit Leonardo DiCaprio zusammen war oder das weltweit bestverdienende Model ist. Sondern weil sie ihren Sohn in der Badewanne zur Welt gebracht hat und nicht auf einem Operationstisch.

Der Kaiserschnitt nämlich liegt voll im Trend: Angelina Jolie tut es, Claudia Schiffer auch, Madonna und Victoria Beckham ebenfalls. Und auch in Deutschland erblickt inzwischen fast jedes dritte Kind direkt durch die mütterliche Bauchdecke das Licht der Welt: Laut Statistischem Bundesamt haben im Jahr 2009 rund 644.000 Frauen im Krankenhaus entbunden, 31,3 Prozent davon per Kaiserschnitt. Zehn Jahre zuvor kam nur jedes sechste Kind per Kaiserschnitt zur Welt.

Klar, die Schwangeren werden immer älter - entsprechend öfter gibt es Komplikationen, die einen Kaiserschnitt erforderlich machen, um die Gesundheit von Mutter und Kind nicht zu gefährden. Viele halten den Kaiserschnitt deshalb sogar für die sicherste Form der Entbindung. Dass das aber nicht stimmt, belegt die Auswertung von mehr als 100.000 Geburten, deren Ergebnisse im angesehenen Fachjournal "The Lancet" veröffentlicht wurden: Im Vergleich zur vaginalen Geburt kommt es beim Kaiserschnitt öfter zu Komplikationen auf Seiten der Mutter. Wer sein Kind per Kaiserschnitt zur Welt bringt, braucht öfter Bluttransfusionen, muss öfter auf die Intensivstation verlegt werden, es ist öfter nötig, die Gebärmutter zu entfernen. Auch die mütterliche Sterblichkeit liegt höher als bei der natürlichen Geburt.

Und das liegt nicht daran, dass die Kaiserschnitt-Mütter aufgrund ihres Alters oder anderer Faktoren Schwangere mit einem erhöhten Risiko waren. Die Forscher unterschieden nämlich klar zwischen einem Kaiserschnitt auf Grund einer so genannten Indikation, das heißt, wenn ein medizinischer Grund für diesen Eingriff vorlag (etwa eine Steißlage des Kindes), und einem Kaiserschnitt ohne Indikation, auch Wunschkaiserschnitt genannt. Und die Risiken für die Mutter waren auch bei letzterem höher. Statistisch gesehen wäre es für diese Frauen also sicherer gewesen, ihr Kind auf natürlichem Wege zu gebären.

Deshalb folgern die Autoren der Studie: Kaiserschnitt nur dann, wenn tatsächlich medizinische Gründe dafür vorliegen. Der so genannte Wunschkaiserschnitt ist dagegen eher äußerst kritisch zu sehen.

Aber was heißt überhaupt Wunschkaiserschnitt? Die Gmünder Ersatzkasse (GEK) hat dazu 2006 eine große Studie veröffentlicht - mit folgendem Ergebnis: Nur zwei Prozent von 1400 per Kaiserschnitt entbundenen Frauen hatten sich die Geburt im OP tatsächlich gewünscht.

Anscheinend drückt das Wort "Wunschkaiserschnitt" in den meisten Fällen eher Wünsche unseres Gesundheitssystems aus. Aus rein ökonomischen Gründen ist ein Kaiserschnitt für ein Krankenhaus nämlich durchaus wünschenswert: Die Kassen zahlen dafür deutlich mehr als für eine natürliche Geburt. Der Eingriff lässt sich außerdem zeitlich und personell besser planen und ist für die Klinik preiswerter als stunden- oder tagelange Wehen, womöglich auch noch am Wochenende. Viele Mediziner fürchten außerdem juristische Klagen, die manche natürliche Geburt nach sich zieht, aber kaum ein Kaiserschnitt.

Übrigens: Eine der so genannten medizinischen Indikationen, die für einen Kaiserschnitt häufig geltend gemacht wird, lautet "Angst vor Geburtsschmerzen". Diese Angst kennt sicher jede Frau, die ein Kind erwartet: Eine Geburt ist ein unvorstellbares und darum beängstigendes Ereignis.

Aber genau deshalb ist es wichtig, werdende Mütter darüber aufzuklären, dass ein Kaiserschnitt erstens bestimmte Komplikationsrisiken mit sich bringt. Zweitens garantiert er zwar eine schmerzfreie Geburt, die Schmerzen des Eingriffs aber kommen hinterher und überraschen viele Frauen in ihrer Heftigkeit und Dauer. Denn die GEK-Studie zeigte auch, dass sich viele Frauen zwar über den Ablauf der Schnittgeburt sehr gut informiert fühlten - nicht aber über deren Folgen.

Text: Antje Kunstmann Foto: iStockphoto.com

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