Zuckerkrank: Was ist Diabetes und was hilft?

Zuckerkrank sind längst nicht mehr nur Menschen mit Übergewicht. Wie Diabetes entstehen kann und wie die Krankheit behandelt wird, verraten wir hier.

Zuckerkrank: Was ist Diabetes?

Diabetes mellitus (auch "Zuckerkrankheit") ist eine chronische Stoffwechselerkrankung. Allen Betroffenen gemeinsam ist ein aus dem Lot geratener Zuckerhaushalt. Eine Schlüsselrolle spielt dabei das Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und Zucker (Glukose) in die Körperzellen schleust. Ist die Produktion des Hormons oder dessen Aufnahme in den Zellen gestört, müssen Patienten oft Insulin spritzen.

Typ-1-Diabetes und Typ-2-Diabetes

Zwar gibt es insgesamt drei Typen von Diabetes, die wichtigen sind jedoch der Typ-1-Diabetes und der Typ-2-Diabetes:

  • Beim selteneren Typ-1-Diabetes, einer Autoimmunerkrankung, produziert der Körper gar kein Insulin mehr
  • Beim Typ-2-Diabetes, an dem rund 95 Prozent der erwachsenen Diabetiker leiden, reagieren dagegen meist die Zellen nicht mehr angemessen auf das Insulin: Der Zucker bleibt im Blut und schädigt dort die Gefäßwände. Weil der Körper außerdem mehr Wasser ausscheidet, kommt es zur Austrocknung, im Extremfall zum Koma  

Wie uns unsere Lebensweise zuckerkrank macht

Früher sprach man von Altersdiabetes – heute sind schon Kinder krank. Am Typ-1-Diabetes erkranken vor allem Kinder und Jugendliche, an Typ-2-Diabetes eher Erwachsene, immer häufiger aber auch Jugendliche. Die Hauptursache liegt neben einem genetischen Faktor bei Typ-2 vor allem in unserer modernen Lebensweise. Das Risiko für beide Typen wird erhöht durch:

  • ungesunde Ernährung
  • wenig Bewegung
  • zu hohes Körpergewicht 

"Besonders gefährlich ist Fett am Bauch und in der Leber", sagt Professor Karsten Müssig, Leiter des Klinischen Studienzentrums des Deutschen Diabetes-Zentrums in Düsseldorf. "Es produziert Botenstoffe, die den Zucker- und Fetthaushalt stören." 

Weitere Ursachen für Diabetes

Doch nicht nur eine ungesunde Ernährung oder Adipositas sorgen häufig für die Diagnose Typ-1 oder Typ-2. Auch folgende Faktoren begünstigen die Zuckerkrankheit: 

  • Stress 
  • Depressionen
  • Rauchen
  • Schlafmangel

Welche Symptome hat Diabetes? 

Entdeckt wird die Krankheit meist zufällig. Spürbare Symptome verursacht ein erhöhter Blutzuckerspiegel nämlich lange Zeit nicht. Oft sind erste Anzeichen für Patienten schwer zuzuordnen: 

  • starkes Durstgefühl
  • Schwäche
  • Müdigkeit
  • Harnwegsinfektionen

Oft hat der hohe Blutzuckerspiegel zum Zeitpunkt der Diagnose schon Schaden angerichtet: Er schädigt Blutgefäße, Nerven, Organe, die Durchblutung in den Füßen stockt, aus kleinen Verletzungen werden schnell größere Infektionen. 

Je länger Menschen an Diabetes leiden, desto häufiger kommt es zu weiteren Erkrankungen: Nach 25 Jahren ist bei 80 Prozent der Betroffenen die Netzhaut der Augen geschädigt. Die Nieren können versagen, jeder dritte Herzinfarkt und jeder zweite tödliche Schlaganfall sind Folgen einer Diabetes-Erkrankung. Das Risiko für Demenz und Krebs wächst. Im Schnitt verkürzt Diabetes die Lebenserwartung um zehn Jahre.

Diagnose Diabetes: Welche Behandlung eignet sich für die Zuckerkrankheit?

Sowohl Vorbeugung als auch Behandlung der Stoffwechselerkrankung setzen vor allem auf zwei Faktoren: Ernährung und Bewegung. Große Präventionsstudien zeigen, dass der richtige Lebensstil häufig einen positiven Einfluss auf Typ-1 und Typ-2 hat. "Selbst bei schon erhöhten Blutzuckerwerten kann der Diabetes ganz zurückgedrängt werden", weiß Experte Karsten Müssig.

Durch Bewegung gelangt Glukose besser in die Muskelzellen

Wer zu viel wiegt (Body-Mass-Index über 30 – in unserem BMI-Rechner kannst du prüfen, ob du betroffen bist), sollte fünf bis zehn Prozent seines Körpergewichts abnehmen und das Richtige essen. Denn nicht nur die Menge an Kalorien, auch bestimmte Nahrungsmittel nehmen Einfluss auf den Blutzucker. 

Behandlung durch Sport

Auch Sport sollte jeder Diabetiker in den Alltag integrieren. Denn durch Bewegung gelangt Glukose besser in die Muskelzellen – das gefährliche Leberfett schwindet. Bereits moderate Bewegung hat einen Schutzeffekt, doch je mehr man sich bewegt, umso mehr sinkt das Diabetes-Risiko. Selbst nach Beginn der Krankheit hilft Sport, Medikamente und Insulin zu sparen. 

Lässt sich der Blutzucker nicht dauerhaft senken, verordnen Ärzte Tabletten. Knapp die Hälfte aller Typ-2-Diabetiker schluckt Blutzuckersenker. Viele dieser Mittel können jedoch zu Gewichtszunahme oder gefährlichen Unterzuckerungen führen. Und leider ist die Therapie mit Antidiabetika keine Dauerlösung. Eine Tatsache, die viele am Anfang unterschätzen.

Diabetes ist eine lebenslange Herausforderung

"Sie denken: Dann nehme ich eben eine Tablette, und das reicht dann", sagt Bernhard Kulzer, Psychologe am Diabetes Zentrum in Bad Mergentheim. "Aber Diabetes ist eine lebenslange Herausforderung." Wenn die Bauchspeicheldrüse ganz die Fähigkeit verliert, Insulin zu bilden, muss das Hormon von außen zugeführt werden. Dabei gilt es immer, den schmalen Grat zwischen zu geringem Blutzucker und zu hohem zu finden.

Diabetes vorbeugen und erkennen

Richtig testen: Der Hausarzt prüft den Blutzucker etwa beim Gesundheitscheck 35+, den gesetzliche Krankenkassen alle zwei Jahre ab dem Alter von 35 bezahlen. Einen Fragebogen, um das eigene Diabetes-Risiko einzuschätzen, bietet das Deutsche Institut für Ernährungsforschung. 

Zuckerkrank? Richtig essen ...

Gesunde Ernährung beugt Diabetes vor und hilft, die Krankheit in den Griff zu bekommen! Diese Tipps solltest du beachten, wenn du zuckerkrank bist:

  • Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt viele Ballaststoffe: 30 Gramm täglich. Vier Scheiben Vollkornbrot enthalten 15 Gramm Ballaststoffe. In 100 Gramm Hülsenfrüchten stecken etwa sieben Gramm
  • Empfehlenswert sind auch Getreide und Gemüse sowie Pflanzenöle statt Butter
  • Weitgehend meiden sollte man rotes Fleisch und Lebensmittel, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen, wie Süßigkeiten und Obstsaft. Besonders schädlich sind gezuckerte Softdrinks, weil sie die Verfettung der Leber begünstigen
  • Eine Studie des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung zeigte außerdem, dass Menschen, die täglich mehr als vier Tassen Kaffee trinken, seltener an Diabetes erkranken 

... und richtig bewegen

Wichtig ist außerdem regelmäßige Bewegung. Ideal sind 150 Minuten Sport, die sich auf mindestens drei Tage in der Woche verteilen. Am besten ist dabei ein Mix aus Alltagsbewegung sowie leichtem Ausdauer- und Krafttraining.

Videotipp: So motivierst du dich zum Sport!

Sportmuffel
Text: Natalie Rösner BRIGITTE 05/2013 / sp
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