Inkontinenz: Was tun und wie vorbeugen?

Warum Inkontinenz manchmal besser wird, wenn man auf einen Harnwegsinfekt behandelt - obwohl es gar nicht brennt. Was können wir bei Inkontinenz noch tun und wie lässt sich vorbeugen? 

Das kennt praktisch jede: Kaum war man auf dem Klo, muss man schon wieder rennen. Und beim Wasserlassen brennt es höllisch. Viele glauben, dass Blasenentzündungen vor allem junge Frauen treffen ("Flitterwochen-Zystitis"). Doch in Wahrheit werden sie mit zunehmendem Alter sogar häufiger.

Umfragen zufolge hatte jede zehnte 65-Jährige in den vergangenen zwölf Monaten eine Blasenentzündung. Dafür gibt es Gründe: Im Alter ist die Immunabwehr oft nicht mehr so effektiv. Der Beckenboden ist weniger elastisch, sodass sich die Blase senkt und Verschluss und Entleerung nicht mehr optimal funktionieren. Beides macht Erregern das Leben leichter. Und wenig Östrogen begünstigt zusätzlich Infektionen, die durch die Harnröhre in die Blase aufsteigen.

Oft fallen die Bakterien in der Blase nur zufällig auf, beim zweijährigen Gesundheits-Check

Doch anders als für junge Frauen ist es für ältere oft gar nicht so leicht, eine Blasenentzündung als solche zu erkennen. Denn das typische Brennen auf dem Klo tritt mitunter gar nicht auf. Oft genug kann man einfach nur schlechter Wasser halten und muss häufiger nachts raus.

Studien zeigen, dass sich bei ungefähr jeder zwölften 60-Jährigen Bakterien im Urin nachweisen lassen, bei 70-Jährigen sogar doppelt so oft. Meist werden sie nur zufällig entdeckt, etwa wenn man bei der Vorsorge den Urin mit einem Teststreifen auf das Bakterien-Abbauprodukt Nitrit prüft. Das ist problematisch, weil die Keime aus der Blase im Harnleiter Richtung Niere wandern und das Organ schädigen können. Und spätestens dann ist es ernst.

Was tun?

Es ist wichtig, aufmerksam zu sein. Ältere sollten die ersten Anzeichen eines Harnweginfekts ärztlich abklären lassen, also etwa das Gefühl, dass die Blase nicht richtig leer wird oder dass es auf der Toilette anders riecht. Oder dass ab und zu etwas Urin in den Slip geht. Auch Inkontinenz wird sehr oft besser, wenn man die Blasenentzündung behandelt.

Antibiotika ja oder nein? Ab wann eine Antibiotikatheraphie wirklich sinnvoll ist

Die Frage ist nur: Wie macht man das? Kann man bei einem Infekt, unter dem man kaum oder sogar gar nicht leidet, Antibiotika nehmen? Zumal ja heute schon die "normale" Blasenentzündung (also die mit all den lästigen Symptomen wie Brennen beim Wasserlassen, extremem Harndrang und Unterleibskrämpfen) nur noch zurückhaltend mit Antibiotika behandelt werden soll.

Langzeitstudien haben gezeigt, dass wiederholte Blasenentzündungen bei älteren Frauen oft von selbst wieder verschwinden. Außerdem weiß man mittlerweile, welch geringen Effekt eine Antibiotikatherapie langfristig hat. Auch trägt der übermäßige Einsatz dieser Arzneistoffe dazu bei, dass Bakterien immer häufiger resistent (also unempfindlich) gegenüber den Wirkstoffen werden. Also erst mal nein.

Besser versucht man es mit einem sogenannten pflanzlichen Antibiotikum, etwa mit Kapuzinerkresse und Meerrettich, das ebenfalls Bakterien bekämpft. Die Wirkung ist inzwischen gut belegt. Dennoch ist einmal eine chemische Keule besser als ein anhaltender oder wiederkehrender Harnwegsinfekt.

Ursachen klären

Wer immer wieder damit zu tun hat, sollte abklären lassen, ob es nicht doch eine spezifische Ursache gibt. Vielleicht leert sich die Blase beim Wasserlassen wegen einer Senkung nicht vollständig, oder Steine und im schlechtesten Fall ein Tumor behindern den Abfluss des Urins? Wichtig ist auch zu untersuchen, ob die Nieren womöglich bereits in Mitleidenschaft gezogen sind.

Welches Antibiotikum dann das richtige ist, wenn doch eines nötig wird, hängt unter anderem davon ab, wie gut die Nieren arbeiten (bei Älteren ist die Nierenfunktion oft eingeschränkt), oder ob Allergien auf bestimmte Wirkstoffe vorliegen. Meistens kommt bei unkomplizierten Blasenentzündungen ein Standardantibiotikum wie Nitrofurantoin oder Trimethoprim zum Einsatz, über wenige Tage oder sogar als Einzeldosis. Erst wenn das nicht hilft, werden genauere Tests notwendig, um gezielt das passende Medikament auszuwählen.

Ein voller Darm drückt auf die Blase und verhindert, dass sie sich ganz entleeren kann

Und was kann man sonst noch tun? Eine Wärmflasche oder heiße Sitzbäder entspannen die Blasenmuskeln und lindern so die Krämpfe. Gegen Schmerzen helfen rezeptfreie Mittel wie Ibuprofen. Wichtig ist, ausreichend zu trinken, als Faustregel gelten eineinhalb Liter pro Tag. Wer Antibiotika nimmt, sollte aber nicht literweise Wasser oder Blasentee in sich hineinschütten, denn dann wird der Arzneistoff im Urin zu stark verdünnt, um optimal zu wirken.

So kann man vorbeugen: Einfache Tipps, die eine Blasenentzündung verhindern

Gut zur Vorbeugung sind bei älteren Frauen Vaginalcremes mit Östrogenen. Wer immer wieder Blasenentzündungen bekommt, sollte die Frauenärztin auf diese Mittel ansprechen. Und was ist mit Cranberry-Saft? Die Datenlage ist hier zwar widersprüchlich, doch es gibt durchaus Studien, die eine Schutzwirkung gezeigt haben. Zur Vorbeugung außerdem wichtig:

  • Auf der Toilette von vorne nach hinten abwischen, damit keine Darmkeime in die Harnröhre gelangen
  • Den Unterkörper warmhalten
  • Aktiv werden gegen Verstopfung, mit Bewegung, viel Obst und Gemüse und eventuell milden Abführmitteln - denn ein voller Darm drückt auf die Blase und verhindert, dass sie sich ganz entleert
  • Direkt nach dem Sex aufs Klo gehen. Denn in einer leeren Blase können sich Keime, die beim Geschlechtsverkehr verschleppt wurden, viel schlechter vermehren.

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BRIGITTE Wir 6/2018

Wer hier schreibt:

Sabine Thor-Wiedemann
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Warum Inkontinenz manchmal besser wird, wenn man auf einen Harnwegsinfekt behandelt - obwohl es gar nicht brennt. Was können wir bei Inkontinenz noch tun und wie lässt sich vorbeugen?

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