Kein Alarm um Amalgam...

... aber die giftigen Zahnfüllungen bleiben umstritten.

Ist Amalgam ein billiges und hervorragend geeignetes Material für Zahnfüllungen? Oder ein gefährliches Gift? Seit Jahrzehnten ist diese Frage heiß umstritten. Auf der einen Seite stehen Selbsthilfegruppen von Menschen, die überzeugt davon sind, dass ihre Gesundheit durch die grauen Zahnfüllungen ruiniert wurde. Auf der anderen Seite gibt es weltweit angelegte Studien, die eine schädliche Wirkung von Amalgam nicht nachweisen konnten.

Unglaublich: Mit dieser Methode, kann die Menopause bald um 20 Jahre hinausgezögert werden!

BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

So signalisierte vor kurzem das für die Arzneimittelsicherheit zuständige Robert Koch Institut (RKI) wieder einmal Entwarnung in Sachen Amalgam - auf dem Hintergrund einer Expertise, die von der EU in Auftrag gegeben worden war.

Amalgam besteht zu 50 Prozent aus Quecksilber. Durchschnittlich trägt jeder EU-Bürger - in gebundener Form - rund vier Gramm Quecksilber in seinem Mund herum. Vor allem die Ausdünstungen des flüssigen Metalls sind hochgiftig. Und das soll unschädlich sein?

Es gibt auch andere Einschätzungen. Die norwegische Regierung zum Beispiel hat den Einsatz von Amalgam seit Anfang des Jahres verboten. Und die Stellungnahme des RKI enthält das Minderheitenvotum der Freiburger Umweltmediziner Frank Daschner und Joachim Mutter: Sie fanden bei der Auswertung zahlreicher Studien einen Zusammenhang zwischen Amalgam-Belastung und Krankheiten wie Alzheimer und Autismus.

Ob die Risiken durch Amalgam für Frauen und Männer gleich sind, weiß man nicht. Auf jeden Fall aber tragen Frauen eine besondere Verantwortung bei der Entscheidung pro oder contra Amalgam: Weil sie in der Regel für die Zahngesundheit ihrer Kinder sorgen - und beim Zahnarzt mitentscheiden, was geschieht, wenn dann Karies-Löcher zu stopfen sind. Und weil Quecksilber im Blut ein Ungeborenes schon in der Schwangerschaft belasten kann.

Selbst die Entfernung von Amalgam-Füllungen muss übrigens mit besonderer Vorsicht geschehen, damit dabei keine Quecksilberdämpfe in den Organismus gelangen.

Es gibt noch einen weiteren Grund für größte Zurückhaltung im Umgang mit Amalgam. Denn eine zweite EU-Expertise hat sich mit den Umweltbelastungen befasst, die durch die Zahnfüllungen entstehen, und die sind durchaus bedenklich. Auf vielen Wegen, unter anderem aus Krematorien und den Abwässern von Zahnarztpraxen, gerät das giftige Zahnmaterial in den Kreislauf der Natur und belastet nicht zuletzt unsere Nahrungsmittel. 77 Tonnen Quecksilber gelangen jedes Jahr in Europa allein aus Zahnfüllungen in die Umwelt - mit kaum abschätzbaren Folgen.

Optimale und billige Alternativen zu Amalgam gibt es noch nicht, argumentieren manche Zahnärzte. Aber wir können sicher sein: Es würde sie geben, wenn quecksilberhaltige Zahnfüllungen verboten würden. Bleibt also zu hoffen, dass das norwegische Beispiel bald Schule macht.

Text: Irene Stratenwerth Foto: Silke Goes Illustration: Tim Möller-Kaya

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