Kranke Kerle

Diesmal drehen wir den Spieß um: Ein aktueller Gesundheitsreport zeigt, wie gefährlich es ist, ein Mann zu sein.

Diese Woche hat die DAK ihren "Gesundheitsreport 2008" vorgestellt. Die umfangreiche Studie hat das Schwerpunktthema "Mann und Gesundheit" und steckt voll interessanter Zahlen.

Unter anderem geht die Studie der Frage nach, warum Frauen im Durchschnitt 5,6 Jahre länger leben. Das liegt nämlich keineswegs daran, dass sie die bessere Medizin bekommen. Und auch nur zum Teil an der Biologie: Experten gehen davon aus, dass der genetische bedingte Unterschied in der Lebenserwartung ein bis zwei Jahre beträgt. Den Rest erledigen Männer durch mehr oder weniger selbstzerstörerisches Verhalten: Männer im mittleren Alter sterben am häufigsten an Lungenkrebs, Herzinfarkt oder "alkoholische Leberkrankheit"; bei Frauen im selben Alter heißt die häufigste Todesursache Brustkrebs.

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BRIGITTE-Autorin Irene Stratenwerth

Erstaunlicherweise fühlen sich Männer, so das Ergebnis von Befragungen, dennoch etwas gesünder als Frauen. Sie werden auch ein bisschen seltener krank geschrieben. Gerade in Branchen, in denen beide Geschlechter vergleichbaren Tätigkeiten nachgehen - im Bildungsbereich, im Gesundheitswesen oder bei Banken und Versicherungen - verzeichnen weibliche Mitarbeiter mehr Fehltage. Und während die Krankenstände insgesamt gesunken sind, nehmen psychische Störungen als Ursache von Arbeitsausfällen in den letzten Jahren deutlich zu, bei Frauen noch mehr als bei Männern. Der auffälligste Unterschied: Frauen leiden fast doppelt so oft unter Depressionen.

Allerdings gehen die Experten hier von einer hohen Dunkelziffer aus - weil Männer keine Weicheier sein wollen und ihre Symptome lieber in Alkohol ertränken, als sich Hilfe zu holen. Auch ansonsten, zeigt der Report einmal mehr, mögen Kerle nicht besonders gern zum Arzt zu gehen: Nur jeder fünfte Mann, aber jede zweite Frau geht regelmäßig zum Vorsorge Check up 35+.

Was lernen wir aus all dem? Ist unser Gesundheitssystem für Frauen irgendwie geeigneter? Werden Frauen von ihren Gynäkologen von früh auf zu vernünftigeren Patientinnen erzogen? Sind Männer einfach von Natur aus anders? Müssen spezielle Männerärzte her? All diese Fragen wurden von den Experten, die an der DAK-Studie beteiligt waren, kontrovers diskutiert.

Mir leuchtet da vor allem die These ein, die Wissenschaftlerinnen wie Prof. Petra Kolip aus Bremen oder die Psychiaterin Prof. Anke Rohde aus Bonn schon länger vertreten: Eine so genannte geschlechtersensible Medizin, die die körperlichen und psychosozialen Unterschiede zwischen Männern und Frauen endlich ernst nimmt, würde am Ende beiden Seiten helfen. Bei den Herz-Kreislauferkrankungen genauso wie beim Umgang mit Depressionen oder in der Schmerztherapie. Wir wollen um unsere Lebenserwartung mit der Männerwelt schließlich nicht konkurrieren - sondern möglichst gesund miteinander alt werden.

Text: Irene Stratenwerth Illustration: Tim Möller-Kaya Foto: Silke Goes

Wer hier schreibt:

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